Die halbdeckende Maltechnik und Lasurentechnik

Grundwissen:

die halbdeckende Maltechnik und die Lasurentechnik 

Die Ölmalerei kennt verschiedene Maltechniken. Hierzu gehören beispielsweise die Alla-Prima-Technik, bei der ein Ölbild in nur einer Sitzung fertig gestellt wird, oder die Impasto-Technik, bei der vergleichweise dicke Schichten aus Ölfarben in pastoser Konsistenz aufgetragen werden. Zwei weitere Maltechniken in der Ölmalerei sind die halbdeckende Maltechnik und die Lasurentechnik.

 

Grundwissen:

die halbdeckende Maltechnik in der Ölmalerei

Wenn es um Anleitungen für die Ölmalerei geht, wird der halbdeckenden Maltechnik vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt, obwohl viele Künstler gerade mit dieser Maltechnik arbeiten. Die halbdeckende Maltechnik ist als eine Art Mittelweg zwischen den klassischen Maltechniken angesiedelt. Anders als bei der Impasto-Technik wird der Malgrund nicht mit dicken Farbschichten abgedeckt.  

Gleichzeitig sind die Farbschichten aber auch nicht so dünn und transparent, dass sich der Künstler wie bei der Lasurtechnik im Vorfeld überlegen muss, welche optischen Mischungen sich ergeben. Stattdessen werden die Ölfarben in mehreren Schichten übereinandergelegt. Dabei folgt die nächste Schicht erst dann, wenn die vorhergehende Schicht bereits getrocknet ist.  

Dies führt dazu, dass sich die darunterliegende Schicht nicht anlöst, während sich gleichzeitig nach und nach eine optische Bildtiefe entwickelt. Die Ölfarben können mit etwas Balsam-Terpentinöl verdünnt werden, möglich ist aber auch, komplett auf Malmittel zu verzichten. 

Die einzelnen Farbschichten sind vergleichsweise dünn und selbst bei mehreren Farbschichten übereinander ergibt sich keine allzu dicke Gesamtfarbschicht auf dem Malgrund. Aus diesem Grund muss die Grundregel, nach der Ölbilder fett auf mager gemalt werden, nicht berücksichtigt werden. Dies wiederum macht die halbdeckende Maltechnik zu einer Maltechnik, die sich auch für Anfänger gut eignet. 

 

Soll ein Ölbild halbdeckend gemalt werden,
gliedert sich die Vorgehensweise in folgende Arbeitsschritte:

 

 

1.       Die Vorzeichnung 

Zunächst wird das Motiv auf dem Malgrund skizziert. Um zu verhindern, dass die Linien später noch zu sehen sind, sollten die Konturen aber nur leicht und dünn aufgemalt werden. Als Malwerkzeuge sind Pastellkreiden oder Aquarellstifte sehr gut geeignet.

 

 

2.       Die Untermalung 

Um lange Trocknungszeiten zu umgehen, ist es ratsam, die Untermalung mit Acryl- oder mit Aquarellfarben anzulegen. Dabei kann die Untermalung in zwei Varianten erfolgen, nämlich entweder als sogenannte Grisaillemalerei oder in Farbe.  

Bei der Grisaillemalerei wird nur mit Schwarz, Weiß und Grautönen gemalt. Die Stellen, die hell bleiben oder besonders intensiv leuchten sollen, werden mit weißer Farbe untermalt. Schatten und dunkle Bildstellen werden in Schwarz angelegt, die Abstufungen dazwischen werden in Grau gestaltet. Soll die Farbigkeit des Ölbildes betont werden, wird bereits die Untermalung in leuchtenden Farben angelegt.  

 

3.       Der halbdeckende Farbauftrag in Schichten 

Ist die Untermalung trocken, werden die einzelnen Farbschichten aufgetragen. Begonnen wird dabei mit den großen Farbflächen im Hintergrund, danach folgen die kleineren Farbflächen im Vordergrund und die Details. Ist ein Arbeitsgang beendet, muss das Ölbild trocknen.  

Anschließend ist der nächste Arbeitsgang an der Reihe, bei dem wieder von hinten nach vorne und von groß nach klein gemalt wird. Die Farbschichten, die über die bereits vorhandenen Farbflächen gelegt werden, können entweder den gleichen Farbton in einer leicht veränderten Nuance haben oder ähnlich wie bei der Lasurtechnik Komplementärfarben sein. Nach diesem Schema wird ein Ölbild üblicherweise in drei bis sechs Arbeitsgängen fertig gestellt.  

 

4.       Die Akzente 

Zum Abschluss können noch Akzente gesetzt werden. Stehen bei dem Ölbild die Formen im Vordergrund, werden die Lichter und Schatten betont. Bei einem Ölbild, bei dem es vor allem auf die Farben ankommt, können leuchtintensive Glanzpunkte mithilfe von reinen Farben herausgearbeitet werden.   

 

Grundwissen: die Lasurentechnik in der Ölmalerei 

Bei der Lasurentechnik wird mit Ölfarben gemalt, die mit Malmitteln verdünnt sind. Dabei ist aber sehr wichtig, die Malregel fett auf mager einzuhalten. Zudem muss eine Farbschicht immer erst durchgetrocknet sein, bevor die nächste Farbschicht aufgetragen wird. Ein lasierend gemaltes Ölbild lebt einerseits von der Transparenz und andererseits von der Tiefe.  

Durch Licht schimmert der Untergrund durch die einzelnen Farbschichten hindurch und es kommt zu einer optischen Mischung. Daher sollten die einzelnen Farbschichten farblich so aufeinander abgestimmt sein, dass sich ein harmonisches Gesamtbild ergibt. Ideal ist es, sich in erster Linie auf die Primärfarben Gelb, Rot und Blau zu konzentrieren.  

Die Untermalung für ein lasierend gemaltes Ölbild wird üblicherweise in einem Mittelton angelegt und die Lasuren verleihen dem Bild dann nach und nach seine Farbigkeit.  Generell erfordert die Lasurentechnik ein wenig Übung und Fingerspitzengefühl, allerdings gibt es Tipps, die helfen können. So ist es beispielsweise ratsam, eine Farbschicht in zwei Schritten aufzutragen, um zu verhindern, dass das Bild zu dunkel und düster wird. Dabei werden im ersten Schritt die Höhen als halbdeckender Auftrag in hellen Farben angelegt und erst im zweiten Schritt wird dann die eigentliche Lasur darüber gelegt.  

Hierfür wird die jeweilige Ölfarbe mit Balsam-Terpentinöl und Dammarharz verdünnt. Ähnlich wie bei der Aquarellmalerei wird bei der Lasurentechnik meist auf weiße Farbe verzichtet. Bildstellen, die hell bleiben sollen, werden daher zunächst ausgespart und später mit einer oder mehreren, sehr dünnen Lasuren in einem hellen Farbton überdeckt. Lasierend gemalte Ölgemälde alter Meister bestehen mitunter aus dreißig bis hundert Lasuren übereinander. Allerdings würde ein Ölbild, das nur aus einer Vielzahl reiner Lasuren besteht, vermutlich spröde und rissig werden.  

Aus diesem Grund malten alte Meister Lasuren immer im Wechsel mit hellen, deckenden Schichten. Diese Methode kann sich auch dann als sehr hilfreich erweisen, wenn die gewünschte Bildwirkung nicht erreicht werden kann, denn durch eine helle, deckende Bildpartie wirkt eine darüber gelegte Lasur wieder völlig anders. Grundsätzlich eignen sich alle Farbtöne für Lasuren. Besonders leichte und transparente Lasuren gelingen jedoch mit Ölfarben, die nicht deckend sind, wobei der Deckungsgrad der jeweiligen Farbpigmente auf den Farbtuben vermerkt ist.  

Für die Haftung der einzelnen Farbschichten ist Dammarharz zuständig, das zusammen mit Balsam-Terpentinöl auch die Trocknung beschleunigt. Da bei der Lasurentechnik aber die Malregel fett auf mager eingehalten werden muss, ändert sich die Menge des hinzugefügten Malmittels. Für die erste Farbschicht werden die Ölfarben nur mit Balsam-Terpentinöl vermischt. 

Bei jeder darauffolgenden Farbschicht wird die Menge an Dammarharz dann etwas erhöht. Dabei kann ein bereits fertig gekauftes Malmittel verwendet werden, möglich ist aber auch, das Malmittel selbst anzusetzen. Hierfür wird Dammarharz etwa im Verhältnis 1:3 in Terpentinöl aufgelöst und ein wenig von dieser Mischung dann jeder weiteren Lasur beigemischt. 

 

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Thema: Die halbdeckende Maltechnik und Lasurentechnik

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