Ölfarben mit den Fingern vermalen

Ölfarben mit den Fingern vermalen 

Als notwendige Utensilien für ein Ölbild werden neben den Ölfarben und der Leinwand oder dem Malkarton als Malgrund üblicherweise Pinsel als Malwerkzeuge genannt. Je nach Maltechnik, Erfahrung und Vorlieben werden die Pinsel mitunter auch durch Malmesser und Malspachteln ersetzt.

Allerdings müssen es gar nicht immer die klassischen Malwerkzeuge sein. Denn Ölfarben können auch mit den Fingern vermalt werden. Und gerade beim Einstieg in die Ölmalerei ist es sogar ratsam, die Hände als Malwerkzeug einzusetzen.

 

Ölfarben richtig einschätzen

Die Ölmalerei gilt als die Königsdisziplin der Malerei. Ein Grund hierfür ist vermutlich, dass in Museen in erster Linie Ölbilder ausgestellt werden. Die berühmten Werke der großen Meister sind fast alle Ölgemälde. Andere künstlerische Arbeiten wie Zeichnungen, Aquarelle, Acrylbilder oder Collagen werden eher im Rahmen von Sonderausstellungen präsentiert.

Wenn also von Kunstwerken die Rede ist, denken die meisten zwangsläufig an Ölgemälde. Ein anderer Grund ist, dass der Umgang mit Ölfarben durchaus Übung vom Künstler abverlangt. Ölfarben stellen gewisse Ansprüche an den Malgrund und beim Malen müssen ein paar Grundregeln eingehalten werden. Die wichtigste Regel lautet “fett auf mager”. Der Ölgehalt in den Ölfarben muss also mit jeder Malschicht etwas erhöht werden. Andernfalls würden Risse entstehen. Unterm Strich ist die Ölmalerei somit anspruchsvoller als andere Disziplinen.

Auf der anderen Seite bieten Ölfarben aber einige Vorteile. So ermöglichen sie verschiedene Maltechniken und erlauben durch die sehr lange Trocknungszeit, in aller Ruhe Korrekturen vorzunehmen und das Bild auszuarbeiten. Zudem lassen sich Ölfarben sehr gut mischen und überzeugen durch ihre Leuchtkraft und Farbbrillanz. Ein weiterer Pluspunkt ist die Konsistenz. Selbst auf sehr großen Flächen lassen sich Ölfarben sehr gut kontrollieren.

Hinzu kommt, dass Ölfarben verdünnt oder angedickt werden können, je nachdem, was und wie der Künstler malen möchte. Und der Künstler muss sich keine Sorgen um die Haltbarkeit seiner Ölfarben machen. Selbst wenn die Tube schon einmal geöffnet war, bleibt die Ölfarbe bei vernünftiger Lagerung sehr lange haltbar.

Einen wirklichen Grund, sich nicht an die Ölmalerei heranzutrauen, gibt es außerdem nicht. Denn jede Farbart hat ihre Eigenheiten und letztlich muss der Künstler immer ein Gefühl für die jeweilige Farbe entwickeln, unabhängig davon, womit er arbeitet.

 

Ein Gespür für Ölfarben entwickeln

Die Ölmalerei kennt viele verschiedene Maltechniken, die die gesamte Palette vom fast aquarellartigen Farbauftrag in transparenten Lasuren bis hin zur dicken, pastosen Farbschicht abdecken. Und die klassischen Malwerkzeuge in der Ölmalerei sind zum einen der Borstenpinsel und zum anderen das Malmesser, das eine Art Spachtel ist.

Eher ungewöhnlich, aber durchaus interessant, ist jedoch auch das Malen mit den Fingern. Gerade beim Einstieg in die Ölmalerei ist dies ein wirklich lohnenswertes Experiment.

Denn wenn der Hobby-Künstler die Farben mit seinen Fingern aufträgt und vermalt,
spürt er direkt und unverfälscht, wie sich die Ölfarben:

  • ·         mit Blick auf die Konsistenz anfühlen,
  • ·         auf dem Malgrund verhalten,
  • ·         verteilen, glätten oder in Strukturen modellieren lassen,
  • ·         auf der Farbpalette oder dem Malgrund miteinander vermischen,
  • ·         durch die Zugabe von Terpentinöl verändern.

Der Hobby-Künstler sollte sich vor Augen führen, dass ein Pinsel oder ein Malmesser letztlich nichts anderes ist, als eine Verlängerung seiner Hand. Das Malwerkzeug ersetzt die Hand des Malers nicht. Der Hobby-Künstler malt nach wie vor mit seiner Hand, nur dass diese nicht mit den Fingern endet, sondern eben mit dem Pinsel oder Malmesser. Beim Schreiben ist es genauso: Auch hier führt der Schreibende den Stift mit seiner Hand und der Stift ist nur das Werkzeug, das die Schrift aufs Papier bringt, die die Hand vorgibt.

Nun kommt es beim Malen aber nicht nur darauf an, die Linien und Farbflächen wie gewünscht auf den Malgrund zu bringen. Genauso braucht der Maler auch ein Gespür dafür, wie sich die Farben auf dem Malgrund verhalten und wie sie wirken. Und um dieses Gespür zu entwickeln, ist es hilf- und lehrreich, wenn der Maler die Ölfarben direkt mit seinen Fingern vermalt. Nebenbei wird er so auch verstehen, warum sich wann welches Malwerkzeug besonders gut eignet, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

 

Ölfarben mit den Fingern vermalen

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Ölfarben mit den Fingern vermalt werden können.

So ist es unter anderem möglich,

  • ·         den Finger mit Farbe zu benetzen und wie einen Pinsel über den Malgrund zu führen,
  • ·         den Finger auf den Malgrund zu tupfen, um auf diese Weise Fingerabdrücke zu hinterlassen,
  • ·         dicke Farbschichten mit der Handkante zu wulstartigen Strukturen zusammenzuschieben,
  • ·         Farbflächen mit den Fingern ineinander zu ziehen,
  • ·         die Finger über den Malgrund zu rollen, um so verschiedene Muster anzulegen,
  • ·         eine Farbe mit dem Finger auf dem Malgrund zu verreiben.

Aber selbstverständlich dient die Fingermalerei mit den Ölfarben nicht nur dazu, Malanfängern dabei zu helfen, ein Gefühl für die Ölfarben zu bekommen. Auch gestandene Künstler arbeiten mitunter mit ihren Fingern, wenn sie bestimmte Effekte erzielen möchten. Wolkenartige Muster beispielsweise werden gerne mit den Fingern angelegt oder ausgearbeitet. Für die Malpraxis heißt das nichts anderes, als dass der Maler immer auf die Techniken, Werkzeuge und Hilfsmittel zurückgreift, die sein Arbeitsprozess erfordert.

Pinsel, Malmesser und Malmittel sind keine Erfindung der Industrie, die auf diese Weise ihre Umsätze steigern möchte. Die maltechnischen Werkzeuge und Hilfsmittel sind vielmehr von Künstlern entwickelt worden, mit der Absicht, ihre Arbeitsprozesse optimal umsetzen zu können. Dabei hat aber jeder Künstler so seine speziellen Vorlieben. So arbeitet der eine Künstler vielleicht nur mit dem Pinsel, während ein anderer Künstler bevorzugt das Malmesser verwendet und Muster oder Strukturen mit einem Schwamm, einem zusammengeknüllten Stofffetzen oder einem Kamm anlegt. Das Vermalen der Ölfarben mit den Fingern reiht sich in diesem Sinne in die Gruppe der Maltechniken ein.

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