Wie finde ich (m)einen Galeristen?

Wie finde ich (m)einen Galeristen?

Wer mit seinen Ölbildern auf dem Kunstmarkt Fuß fassen möchte, braucht früher oder später eine Galerie. Denn für einen Nahwuchskünstler ist es kaum möglich, sich ohne Galerie einen Namen in der Kunstszene zu machen.

Allerdings stellt sich für den jungen Künstler eine entscheidende Frage: Wie finde ich (m)einen Galeristen?

Mal erklärt der Galerist in einem recht barschen Ton, dass er jetzt keine Zeit habe, um sich irgendwelche Mappen anzuschauen, und die Galerie ohnehin keine weiteren Künstler mehr aufnehme. Mal findet sich gleich auf der Homepage der Galerie der Hinweis, dass keine Bewerbungen von Künstlern angenommen werden. Tatsächlich ist es für einen jungen, unbekannten Nachwuchskünstler alles andere als einfach, eine Galerie zu finden.

Zudem muss das Nachwuchstalent darauf achten, keines der vielen Tabus zu brechen. Ein solches Tabu ist die Initiativbewerbung. Macht sich der junge Künstler von sich aus auf den Weg und bietet er Galeristen seine Arbeiten ungefragt an, wird er in den Galerien nicht unterkommen. Denn ein Galerist möchte ungern mit jemandem zusammenarbeiten, der sich anbiedert. Ein Galerist möchte vielmehr selbst auf Entdeckungsreise gehen und derjenige sein, der ein junges Talent aufgespürt hat.

Eventuell hört ein Galerist auf die Empfehlungen von gestandenen Künstlern, Kunstkritikern oder Sammlern. Grundsätzlich verlässt sich ein Galerist aber in erster Linie auf seinen Entdeckergeist.

 

Die Galerie als Wirtschaftsunternehmen

Ein weiteres Tabu sind kreative Brüche und Lücken im Lebenslauf. Früher gehörte es fast schon zum guten Ton, dass ein Künstler an seinem Talent zweifelte, den Kunstmarkt hinterfragte und sich in der Rolle des verkannten Genies sah, das mehr oder weniger dazu gezwungen war, seinen Lebensunterhalt anderweitig zu verdienen.

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Heute bedeutet eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Künstlerdasein, dass der Künstler in der Lage ist, auf Abruf Kunstwerke zu produzieren. Die moderne, zeitgemäße Galerie funktioniert nach den gleichen Regeln wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch. Sie braucht eine Produktion, die reibungslos und lückenfrei funktioniert.

Die Qualität des Künstlers bemisst sich immer stärker daran, wie zuverlässig er seine Arbeit macht und wie ausgeprägt die Handschrift ist, die seine Kunstwerke tragen. One-Hit-Wonder wie in der Musik haben auf dem Kunstmarkt keinen Platz. Wer in der Kunstszene erfolgreich sein will, muss regelmäßig unverwechselbaren Nachschub liefern. Kreativität auf Knopfdruck ist eine Eigenschaft, die eine Galerie von ihrem Schützling erwartet.

 

Ausstellungsdruck und Zurückhaltung

Sich neben der Kunst noch mit anderen Dingen zu beschäftigen oder sich gar eine Auszeit zu nehmen, können sich bestenfalls Künstler erlauben, die bereits auf dem Kunstmarkt etabliert sind und sich schon einen Wiedererkennungswert erarbeitet haben. Für den Großteil der Nachwuchstalente hingegen kann schon ein Jahr, in dem ihre Arbeiten nirgends ausgestellt sind, fatale Folgen haben.

Kein Wunder, dass so mancher Jungkünstler eine Ausstellungsliste vorweisen kann, die länger ist als das Literaturverzeichnis einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit. Dass sich hinter den vielen Stationen und den Projekten mit den chicen Namen oft nur Cafés in der Innenstadt, Arztpraxen oder Anwaltskanzleien, Bürogebäude, die Kunsthochschule oder das eigene Atelier verbergen, muss in Kauf genommen werden.

Wer beeindrucken will, muss eben auch kreative Wege finden, um sich gut zu verkaufen. Allerdings bleibt die selbstbewusste Präsentation dem Papier vorbehalten. Begegnet der junge Künstler einem Galeristen, sollte er besser zurückhaltend auftreten und warten, bis er angesprochen wird. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit braucht Zeit zum Reifen.

Galerist und Künstler müssen sich kennenlernen und der Galerist will das Nachwuchstalent oft erst einige Zeit beobachten, um sich sicher zu sein, dass er tatsächlich ein echtes Talent mit viel Potenzial und Durchhaltevermögen aufgetan hat.

 

Nicht finden, sondern gefunden werden

Die Ausstellungen an der Kunstakademie, Kunsthochschulen, renommierte Kulturzentren, Messen und ähnliche Veranstaltungen sind Orte, an denen der junge Künstler eine gute Chance hat, von einem Galerist entdeckt zu werden. Denn grundsätzlich sind Galeristen natürlich daran interessiert, ihr Programm um frische, unverbrauchte Künstler zu erweitern.

Aber wie gesagt: Galeristen wollen nicht von einem Nachwuchskünstler gefunden werden. Stattdessen wollen sie ihren künftigen Ausnahmekünstler finden.

Nachhelfen kann der junge, unbegabte Künstler ein Stück weit durch Kontakte. Denn viele Galeristen vertrauen auf den Rat von Kunstliebhabern, Kunstkritikern und Künstlern, die sie kennen und mit denen sie schon zusammengearbeitet haben. Eine Empfehlung kann dazu führen, dass der Galerist den Nachwuchskünstler in dessen Atelier besucht, zur nächsten Vernissage einlädt oder ihn darum bittet, mit ein paar seiner Arbeiten in der Galerie vorbeizukommen.

Doch selbst dann dauert es meist noch eine ganze Zeit, bis es zu einer Zusammenarbeit kommt. Denn zunächst müssen sich beide Seiten kennenlernen, Vertrauen zueinander aufbauen und ein freundschaftliches Verhältnis entwickeln. Viele Galeristen erklären, dass für sie Zuverlässigkeit einerseits und die zwischenmenschliche Ebene andererseits die entscheidenden Kriterien sind. Wenn die Chemie nicht stimmt, helfen dem Künstler selbst die spektakulärsten Ölbilder letztlich nicht weiter.

Andersherum kann er ein wirklich netter Typ sein. Doch wenn er nur gelegentlich die Muse findet, um den Pinsel zu schwingen und seine kreativen Einfälle auf die Leinwand zu bringen, landet er auf der schwarzen Liste.

Der Nachwuchskünstler braucht also einen langen Atem. Er muss konstant neue Ölbilder malen und seine Arbeiten regelmäßig ausstellen. Zudem sollte er Kontakte in der Kunstszene knüpfen und pflegen. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem er von einem Galeristen gefunden wird. So – und nicht andersherum.

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