Was sind Genrebilder?

Was sind Genrebilder?

 

Die Ölmalerei verbinden viele mit herrlichen Gemälden, die typischerweise auf Leinwand gemalt sind. Was die Motive angeht, so dürften die meisten mit Begriffen wie Landschaftsmalerei, Stillleben oder Portraits etwas anfangen können. Auch unter moderner oder abstrakter Malerei können sich viele etwas vorstellen.

Eine andere, durchaus häufig vertretene Gruppe von Bildern innerhalb der Ölmalerei sind Genrebilder.

 

Was sich dahinter verbirgt, erklärt die folgende Übersicht:

 

Was sind Genrebilder?

Ein Genrebild zeigt eine Szene aus dem Alltag. Es bildet eine Person, eine Menschengruppe, eine Handlung oder eine Momentaufnahme ab und hält so die Lebensformen eines Volkes in seinem typischen Umfeld fest. Weil ein Genrebild volkstümliche oder regionale Charaktere und Gebräuche darstellt, wurde früher auch vom Sittenbild gesprochen, die Genremalerei wurde dazu passend als Sittenmalerei bezeichnet.

Allerdings lässt sich nicht immer eine klare Grenze zwischen einem Genrebild und der Landschaftsmalerei ziehen. Dies gilt vor allem dann, wenn das Gemälde eine Alltagszene aus dem bäuerlichen oder gesellschaftlichen Leben zeigt, die sich eingebettet in die landschaftliche Umgebung abspielt. 

 

Wie ist die Genremalerei entstanden?

Als Wegbereiter der Genremalerei und auch der nachantiken Landschaftsmalerei gelten die Monatsbilder. Monatsbilder zeigten den Ablauf eines Jahres, oft in Verbindung mit der Darstellung der vier Jahreszeiten oder der zwölf Tierkreiszeichen. Dabei bildeten die einzelnen Monatsbilder eine in sich geschlossene Serie und solche Zyklen gehörten zu den klassischen Themen der Bildenden Kunst Europas in der frühen Neuzeit.

Neben Wandgemälden wurden Monatsbilder häufig im Bereich der Buchmalerei verwendet, beispielsweise um Gebets- und Stundenbücher zu illustrieren. Aber auch alte Meister widmeten sich der Darstellung von typischen Szene aus dem bäuerlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben, darunter beispielsweise Pieter Bruegel der Ältere, dessen Sohn Jan Bruegel der Ältere oder Lucas von Leyden.

In der weltlichen Genremalerei lag der Fokus aber zunächst auf der Abbildung von Negativbeispielen für menschliche Verhaltensweisen. Motive wie Streit, Kuppelei oder Trunksucht verstanden sich als eine Art Appell an die Moral des Betrachters. Im Laufe der Zeit vollzog sich dann ein Wandel und die Genremalerei begann damit, die Wertvorstellungen der höheren Gesellschaftsschichten zu reflektieren.

Dieser Wandel führte dazu, dass die Genremalerei ihre Blütezeit in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts erlebte. Aus dieser Zeit, die im Zusammenhang mit der Kultur- und Kunstgeschichte der Niederlande als Goldenes Zeitalter bezeichnet wird, datieren dann auch viele berühmte Genrebilder, darunter die von Jan Vermeer.

 

Die inhaltliche Aussage von Genrebildern

Lange Zeit wurden Genrebilder hauptsächlich als Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens interpretiert und insofern als Zeugnisse mit kulturhistorischem Wert verstanden. Seit den 1970er-Jahren konnten aber in zunehmendem Maße auch die Zusammenhänge im Sinne der Ikonografie entschlüsselt werden.

Die Ikonografie ist eine wissenschaftliche Methode, die die Kunstwissenschaft anwendet, um die Bedeutung und die Darstellungsweise von Bildsymbolen unter Berücksichtigung von zeitgenössischen Quellen aus beispielsweise der Literatur, der Theologie oder der Philosophie auszuwerten.

Dabei zeigte sich, dass Genrebilder zwar Alltagsszenen abbilden. Diese beispielhaften Szenen enthalten jedoch fast immer eine tiefere Bedeutung. Insofern sind die dargestellten Motive eher als Metaphern oder Allegorien zu verstehen.

Viele Genrebilder zeigen Szenen aus dem Alltag, die auf Sprichwörter oder Theaterstücke zurückgehen. Damit haben fast alle Genrebilder einen erzählenden Charakter. Neben dem visuell ansprechenden und unterhaltenden Wert beinhalten Genrebilder aber in aller Regel auch moralische Aspekte und lehrhafte Botschaften. So stellten die Künstler schlechte und verwerfliche Verhaltensweisen dar, um auf diese Weise eine abschreckende Wirkung zu erzielen und den Betrachter zu einer Besserung anzuregen.

Umgekehrt sollte die Abbildung von guten, anständigen und ehrenswerten Verhaltensweisen den Betrachter zum Nachahmen ermutigen. Für Besitzer von Genrebildern eröffnete sich außerdem die Möglichkeit, ihren kulturellen Hintergrund aufzuzeigen. Deshalb wurden solche Kunstwerke nahezu ausschließlich von Personen aus dem bürgerlich-weltlichen Umfeld in Auftrag gegeben.

 

Soziale Tendenzbilder als Neuauflage der Genrebilder

Im 19. Jahrhundert erlebte das Genrebild eine weitere Blütezeit. Vor allem durch die Düsseldorfer Malschule, die verstärkte Ausrichtung auf den Realismus und als künstlerische Umsetzung des Bürgerlichen Realismus, der die Literatur seinerzeit prägte, feierte das Genrebild als sogenanntes soziales Tendenzbild ein Comeback.

Die damalige Genremalerei, vertreten durch Künstler wie Franz Defregger, Ludwig Knaus oder Benjamin Vautier, gilt heute als Wegbereiter für den Impressionismus und andere moderne Kunstrichtungen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten vor allem Angehörige bürgerlicher Haushalte großes Interesse an der Kunst und beflügelt durch den Wunsch, eigene Kunstwerke an ihren Wänden zu haben, fanden die Bilder reißenden Absatz.

Hinzu kam, dass das Reisen modern wurde und gerade die Menschen, die in Städten lebten, fanden Gefallen am bäuerlichen Landleben. Die Bilder, die üblicherweise mittelgroßes Format hatten, griffen diese neu entdeckten Vorlieben auf. Berlin, Düsseldorf, München und andere Kunstmetropolen wurden so zu Zentren, in denen Kunstmaler aus ganz Europa zusammenkamen und mit der Genremalerei ihren Lebensunterhalt verdienten.

Zu den bekanntesten Künstlern, die sich im Zusammenhang mit dieser Genremalerei einen Namen machten, gehören neben Franz Defregger Rudolf Epp, Hermann von Kaulbach und andere Vertreter der Münchner Schule. Ihre Kunstwerke fanden auch dadurch Verbreitung, dass sie in Zeitschriften veröffentlicht wurden.

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