Was ist der Manierismus?

Was ist der Manierismus?

Wimmelbilder mit verschiedenen Szenen und Motiven aus dem Alltag kennen viele vermutlich aus der Zeitung, als Computerspiel oder aus der Kindheit. Die vielen verschiedenen Figuren und Gegenstände wimmeln ineinander und verstecken sich in dem Bild. Kunstwerke des Manierismus erinnern auf den ersten Blick oft an eben solche Wimmelbilder. Die Gemälde bündeln allerlei Objekte in mehreren Bildzonen und wirken dadurch häufig regelrecht überladen.

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Was ist der Manierismus

Wir stellen die Kunstrichtung näher vor!:

Manierismus – der Ursprung

Der Ursprung des Manierismus liegt in der italienischen Kunst des 16. Jahrhunderts. Die Künstler damals lehnten die klassischen Regeln der traditionellen Malerei ab und sprachen sich stattdessen für eine eigenwillige und exzentrische Kunsthaltung aus.

Der Begriff „Manierismus“ geht auf das italienische Wort „maniera“ zurück und bedeutet übersetzt so viel wie „Eigenart“ oder „Stil“. Als Kunstrichtung markiert der Manierismus den Ausklang der Renaissance.

Der Grundgedanke der Kunstbewegung war die Überzeugung, dass Künstler ihren eigenständigen Stil entwickeln sollten. Andere künstlerische Einflüsse sollten ihre Arbeit nicht prägen oder gar bestimmen.

Stattdessen sollten sie wortwörtlich in ihrer eigenen Manier malen. Um ihre individuelle Note zu entfalten, schöpften die Künstler die gesamte Bandbreite an Techniken aus und entwickelten diese weiter.

An die Normen und Ideale der Renaissance hielten sich die Künstler nicht mehr. Erste Merkmale des Manierismus sind bereits in Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle zu erkennen.

So ist „Das jüngste Gericht“ deutlich mit Figuren überladen, die in Bildzonen verdichtet sind und verschlüsselte Inhalte aufweisen. Der Kontrast aus grellen und dunklen Bereichen lässt das Licht sehr unruhig wirken.

Die Renaissance dauerte von etwa 1400 bis 1620 an und markiert das Ende des Mittelalters und den Beginn der Frühen Neuzeit. Die Lehren der Antike zu Wissenschaft, Recht und Staatswesen wurden wiederentdeckt und studiert. Künstler der Renaissance veränderten die Darstellung der Welt maßgeblich.

Sie wählten zunehmend weltliche Gegenstände als Motive für ihre Werke. Die Erfindung der Ölmalerei machte es außerdem möglich, neue Farbtöne zu mischen.

Feinste Farbnuancen, neue Kompositionen und die Erforschung der Perspektive erweiterten die Möglichkeiten der Darstellung.

Wo und wie verbreitete sich der Manierismus?

Mit dem Tod Raffaels um 1520 endete die Hochrenaissance in Italien und leitete zugleich die Stilepoche des Manierismus ein.

Was die Perspektive und die Anatomie angeht, hatten große Künstler wie Leonardo da Vinci, Michelangelo und eben Raffael eine vollkommene und perfektionistische Abbildung der Realität angestrebt. Die neue Künstlergeneration lehnte dieses Vermächtnis ab.

Die Abkehr vom traditionellen Kunstkanon wurde zu einer Bewegung, die sich in Europa verbreitete. Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden manieristische Kunstwerke.

Dabei war der niederländische Manierismus geprägt von alltäglichen Szenen, oft kombiniert mit gotischen Elementen. Pieter Artsen zum Beispiel war ein wichtiger Vertreter. Sein Schaffen befasste sich mit Markt- und Küchenszenen und beeinflusste die flämische Stilllebenmalerei nachhaltig.

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In Deutschland entstand der Manierismus als Antwort auf die Spätrenaissance und die Spätgotik.

Im Norden Deutschlands setzte sich der manieristische Stil der Niederlande durch, während sich der Süden Deutschlands zusammen mit Österreich gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu einem Zentrum des Manierismus entwickelte.

Zu den führenden Künstlern im Norden gehörte Hans von Aachen. Er ist neben seinen Porträts von Fürsten und Adeligen für seine religiösen, mythologischen und allegorischen Motive bekannt.

In Frankreich repräsentierte die Schule von Fontainebleau den Manierismus. Der damalige französische König Franz I. errichtete auf dem Schloss Fontainebleau das Mäzenatentum, um auf diese Weise die Wissenschaft, die Literatur und die Kunst zu fördern.

Einer der bedeutenden Vertreter des französischen Manierismus war Antoine Caron. Der Maler und Illustrator stellte in seinen Werken vor allem Allegorie, Magie und Gewalt dar.

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Welche Merkmale hat der Manierismus?

Im Zusammenhang mit dem Manierismus wird auch von einer Übergangsform von der Spätrenaissance zum Frühbarock gesprochen. Weil stilistische Elemente beider Epochen ineinander fließen, lassen sich einige Kunstwerke nicht klar der Renaissance oder dem Barock zuordnen.

Kunstkritikern sind sich noch nicht einmal einig darüber, ob der Manierismus überhaupt eine eigenständige, unabhängige Kunstrichtung war oder ob er nicht eher als ein Teil der Renaissance behandelt werden sollte.

In Europa zeigte sich der Manierismus jedenfalls in verschiedenen Bereichen der Kunst, so zum Beispiel in der Literatur, der Musik, der Architektur und der Plastik. In der Malerei kennzeichnet sich der Manierismus dadurch, dass die Künstler die ideale Komposition von Anatomie, Licht und Perspektive, die die Renaissance geprägt hatte, bewusst verzerrten und entstellten.

Zu den charakteristischen Merkmalen manieristischer Gemälde gehören deshalb:

  • Abkehr von der Harmonie der Renaissance

  • Haltungen und Perspektiven, die unnatürlich wirken; die Künstler verlängerten Figuren zum Beispiel übermäßig oder malten Köpfe, die im Verhältnis zum Körper zu klein waren.

  • ausgeprägte Asymmetrie

  • übertriebene Emotionalität

  • verschlüsselte Bildinhalte

  • Überladung mit Figuren und Objekten in verdichteten Bildflächen und Bildzonen

  • unruhige Lichtgebung durch den Wechsel zwischen grellem Licht und dunklen Bildbereichen

  • wechselhafte Farbigkeit mit kühlen und gebrochenen Farbtönen

Ein weiteres, markantes Element ist die sogenannte „Figura Serpentinata“. Der Begriff geht auf das italienische Wort „serpentina“ für „Schlangenlinie“ zurück und beschreibt in der Malerei Figuren, die in komplizierten Drehungen und Windungen dargestellt sind, um auf diese Weise die Anatomie bewusst zu verzerren.

Die Figuren scheinen sich in spiralförmigen Posen um eine gedachte Achse zu schlängeln. Dadurch können sie Kraft, Spannung und Leidenschaft auszudrücken, aber auch seltsam, labil und willenlos auf den Betrachter wirken.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal, alias Christian Gülcan und Ferya Gülcan. Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei und Ölmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder und Ölbilder im Großformat, wenden aber auch andere Maltechniken und Farben an.

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