Infos und Tipps für selbst angesetzte Malmittel

Infos und Tipps für selbst angesetzte Malmittel 

In der Ölmalerei sind Malmittel wichtige Hilfsmittel und bei einigen Maltechniken sind sie sogar unbedingt erforderlich. Neben Malmitteln, die die Konsistenz und den Fettanteil der Ölfarben verändern, werden die Malmittel in solche, die die Trocknung verzögern, und in solche, die die Trocknung beschleunigen, unterschieden.  

So werden beispielsweise in der Alla-Prima-Malerei und bei der Nass-in-nass-Technik Malmittel verwendet, um den Feuchtigkeitsgrad von einem noch nicht ganz trockenem Ölbild ein wenig länger zu erhalten.

Bei der Öl-Lasurtechnik wiederum werden die Lasuren mithilfe von Malmitteln hergestellt. Einige Malmittel eignen sich außerdem hervorragend als Zwischen- oder Schlussfirnis. Im Künstlerbedarf stehen gebrauchsfertige Malmittel in großer Auswahl zur Verfügung. Je nach Hersteller können die Malmittel allerdings unterschiedliche Bezeichnungen haben, was es ohne einen Blick auf das Produktprogramm mitunter etwas schwierig macht, das richtige Malmittel zu finden.  

Vielfach sind die Malmittel übrigens mit Zahlen gekennzeichnet, die die Reihenfolge beim Vermalen auf Basis der Grundregel fett auf mager wiedergeben. Es ist aber gar nicht unbedingt notwendig, auf gebrauchsfertige Malmittel zurückzugreifen, denn genauso können die Malmittel auch selbst angesetzt werden. Der Vorteil, der sich dabei ergibt, besteht darin, dass die Malmittel beim Malen stufenlos so fett gestaltet werden können, wie gewünscht und benötigt. 

 

Die wichtigsten Infos und Tipps für selbst angesetzte Malmittel
fasst die folgende Übersicht zusammen:
 
  

 

Balsam-Terpentinöl als grundlegendes Malmittel 

Balsam-Terpentinöl eignet sich hervorragend als grundlegendes Malmittel und kann bei allen Maltechniken der Ölmalerei verwendet werden. Das vergleichsweise magere Balsam-Terpentinöl ist ein geschmeidiges Malmittel und hat eine leicht bindende Wirkung.  

Wird es als Basisstoff verwendet, kann das Malmittel durch das Hinzufügen von Harzfirnis fetter gestaltet werden. Neben der Bezeichnung Balsam-Terpentinöl ist das Mittel auch unter den traditionellen Namen Straßburger Terpentin und Venezianer bekannt. Bei reinem Terpentinöl und vergleichbaren Verdünnungen hingegen handelt es sich um Verdünnungsmittel.  

Da sie sehr mager sind, schnell verdunsten und über keine Bindefähigkeit verfügen, sind sie als Malmittel nicht geeignet. Sie können jedoch verwendet werden, um eine Grundierung zu entfetten oder um den Untergrund bei der halbdeckenden Ölmalerei zu gestalten. Daneben werden die Pinsel und die Malpalette nach dem Malen mit Ölfarben mit reinem Terpentinöl gereinigt.  

 

Malmittel, die die Trocknung beschleunigen 

Eine charakteristische Eigenschaft von Ölfarben ist, dass sie nur sehr langsam trocknen. Aus diesem Grund können sich Malmittel, die die Trocknung beschleunigen, durchaus als sehr hilfreiche Mittel erweisen. Generell gilt aber, dass Trocknungsbeschleuniger nur sparsam verwendet werden sollten. Der Inhaltsstoff, der für die beschleunigte Trocknung zuständig ist, ist Sikkativ. Wird das Malmittel selbst hergestellt, gilt als Faustregel, dass der Sikkativ-Anteil maximal zwei Prozent betragen sollte. Ein anderes Mittel, das die Trocknung ebenfalls beschleunigt, ist Harzfirnis.  

Eine Grundregel in der Ölmalerei lautet fett auf mager und damit ist gemeint, dass die aufeinanderfolgenden Malschichten zunehmend fetter und damit auch geschmeidiger werden müssen. Dies wird durch die Zugabe von Harzfirnis erreicht, denn Harzfirnis beschleunigt nicht nur die Trocknung, sondern erhöht auch den Fettanteil.  

Harzfirnis lässt sich aus Dammarharz und Terpentinöl selbst herstellen. Dammarharz ist in fester Form erhältlich und für den Harzfirnis wird ein Stück Dammarharz in Terpentin aufgelöst. Das Verhältnis sollte dabei 1:2 betragen, 100g Dammarharz werden also in 200ccm Terpentinöl aufgelöst. Dammarharz eignet sich daneben aber auch sehr gut für Lasuren sowie als Zwischen- und Schlussfirnis. Dammarharz wird vergleichsweise kostengünstig angeboten, so dass es sich auch finanziell durchaus lohnen kann, seine Malmittel selbst anzusetzen.  

Durch den Harzfirnis und das Balsam-Terpentinöl sind dann zwei Komponenten vorhanden, die es ermöglichen, das Malmittel auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Für ein trocknungsbeschleunigendes Malmittel kann ein Teil Dammarharzlösung mit drei Teilen Balsam-Terpentinöl vermischt werden.   

 

Malmittel, die die Trocknung verzögern 

Harzfirnis in Kombination mit Lein-, Mohn- oder Nussöl führt zu einem Malmittel, das die Trocknung verzögert. Ölfarben trocknen zwar langsam, bei Maltechniken wie beispielsweise der Alla-Prima-Malerei kann es aber trotzdem gewünscht und notwendig sein, die Trocknung der Ölfarben hinauszuzögern.  

Für ein Malmittel, dass trocknungsverzögernd wirkt, können einem Teil Dammar-Balsamterpentinöl-Lösung (1:3) bis zu zwei Teile Lein-, Mohn- oder Nussöl hinzugefügt werden. 

 

Malmittel für eine matte Oberfläche 

Soll das Ölbild eine matte Oberfläche erhalten, bietet sich weißes Bienenwachs an. Hierfür wird das reine Bienenwachs im Wasserbad erhitzt und in Harzfirnis aufgelöst. Wichtig ist aber, die Mischung gut und kräftig zu schütteln, denn wenn die Wachsteilchen nicht gleichmäßig verteilt sind, wird auch die Bildoberfläche nicht gleichmäßig matt.  

Der Schlussfirnis wird dünn und möglichst zügig aufgetragen. Um den Firnis etwas geschmeidiger zu machen und sich dadurch auch den gleichmäßigen Auftrag zu erleichtern, können der Mischung ein paar Tropfen Rizinusöl hinzugefügt werden. Ist ein Schleier gewünscht, der die Oberfläche milchig und neblig erscheinen lässt, kann als Schlussfirnis aber auch nur Bienenwachs in Pastenform aufgebracht werden. 

Als Zugabe im Malmittel hingegen sind Bienenwachs und andere mattierende Wachse nicht empfehlenswert, denn sie würden sich nachteilig auf die Transparenz der Farben auswirken. 

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