Zeichentechniken mit der Ölmalerei kombinieren

Zeichentechniken mit der Ölmalerei kombinieren 

Ein Ölbild muss nicht immer nur rein mit Ölfarben gemalt werden. Sehr schöne Effekte lassen sich nämlich auch dadurch erzielen, dass die Ölmalerei mit anderen Maltechniken kombiniert wird. Allerdings eignen sich Ölfarben nicht für alle Mischtechniken.

Der Hauptgrund hierfür ist das Öl, das Ölfarben als Bindemittel enthalten. Durch das Öl vertragen sich Ölfarben mit vielen anderen Malmitteln nicht und es entsteht keine solide Bindung. Werden Ölfarben mit anderen Maltechniken kombiniert, werden die einzelnen Maltechniken deshalb meist übereinandergeschichtet. Wichtig ist außerdem, dass die Malregel fett auf mager eingehalten wird.

Dennoch gibt es Kombinationsmöglichkeiten. So können Ölfarben beispielsweise mit Acrylfarben, mit Temperafarben oder mit Aquarellfarben kombiniert werden. Eine andere Möglichkeit ist, gezeichnete und gemalte Elemente miteinander zu verbinden.

 

Der folgende Beitrag erklärt, wie sich Zeichentechniken mit der Ölmalerei kombinieren lassen
und worauf es dabei zu achten gilt:

 

Zeichentechniken mit der Ölmalerei kombinieren

Die verschiedenen Zeichentechniken können auch auf Leinwand umgesetzt werden und zusammen mit der Ölmalerei sehr wirkungsvolle Bilder ergeben. Von einer Mischtechnik wird dabei dann gesprochen, wenn die Zeichnung im fertigen Bild sichtbar bleibt. Um eine Mischtechnik aus Zeichnung und Ölmalerei umzusetzen, gibt es im Wesentlichen fünf verschiedene Möglichkeiten.

 

1. Die Zeichnung schimmert aus dem Untergrund heraus durch die Ölmalerei.

Wenn mit Ölfarben lasierend oder halbdeckend gemalt wird, schimmert eine Skizze, die zuvor auf der Leinwand angefertigt wurde, mitunter durch die Ölfarben durch. Dies liegt daran, dass Ölfarben beim Trocknen ihr Volumen vergrößern und transparenter werden.

Während eine sichtbare Skizzierung bei normalen Ölbildern meist nicht erwünscht ist, kann sich der Künstler genau diesen Effekt zunutze machen, wenn er Zeichentechniken mit der Ölmalerei kombinieren will. Dazu kann er seine Zeichnung auf der weißen Leinwand sehr kräftig ausführen und anschließend feine Farbschichten aus Ölfarben darüber legen. So schimmert die Zeichnung aus dem Untergrund heraus durch die Ölmalerei hindurch.  

 

2. Gemalte und gezeichnete Schichten werden abwechselnd übereinandergelegt.

Eine Zeichnung kann auf Leinwand angefertigt und anschließend mit Ölfarben koloriert werden. Blei- und Buntstifte, Kohlen und Kreiden kennzeichnen sich durch ihre natürliche Farbgebung und enthalten oft fetthaltige Bestandteile. Deshalb können sie mit Ölfarben recht gut kombiniert werden.

Werden einige Bildpassagen mit deckenden Ölfarben oder gar aus dicken, pastosen Farbschichten gestaltet, entsteht ein spannender Kontrast zwischen der Zeichnung und der Malerei. Tiefe gewinnt ein solches Bild dadurch, dass die gezeichneten und die gemalten Farbschichten im Wechsel aufgetragen werden.  

 

3. Die gezeichneten Bildelemente werden fixiert.

Wenn eine Zeichnung mit Ölfarben oder Malmitteln übermalt wird, löst sie sich leicht an und die Linien verlieren an Schärfe. Um dies zu verhindern, kann die Zeichnung fixiert werden. Dies ist mit einem Firnis-Spray möglich, das die Funktion eines Zwischenfirnisses übernimmt. Durch die Firnisschicht ist sichergestellt, dass die Ölfarben die Zeichnung beim anschließenden Übermalen nicht mehr anlösen.

Statt einem Firnis zum Aufsprühen kann die Zeichnung auch mit Acrylbinder fixiert werden. Dabei wird der Acrylbinder vorsichtig mit dem Pinsel aufgetragen, wobei der Pinsel immer nur in eine Richtung geführt wird. Die Zeichnung verwischt dadurch ganz leicht in der Bewegungsrichtung, behält ihre Schärfe aber trotzdem weitestgehend. Im Ergebnis entsteht eine sehr charmante Optik. Acrylbinder als Firnisalternative kann aber nur dann aufgetragen werden, wenn sich auf der Leinwand noch keine Ölfarbe befindet.

 

4. Die gezeichneten Bildelemente werden vermalt.

Möchte der Künstler, dass sich die Zeichnung anlöst und verwischt, kann er die gezeichneten Elemente mit Ölmalmitteln wie Balsamterpentinöl vermalen. Auf diese Weise können sowohl eine reine Zeichnung auf Leinwand als auch gezeichnete Farbschichten auf Ölfarben vermalt werden. Eine weitere Möglichkeit ist, zuerst Malmittel auf den Malgrund aufzutragen und in diese feuchte Fläche mit Stiften oder Kreiden hineinzuzeichnen. In diesem Fall verläuft die Zeichnung ähnlich wie bei der Nass-in-nass-Technik.

 

5. Die gezeichneten Bildelemente werden verwischt. 

Um der Zeichnung die Schärfe und die Genauigkeit zu nehmen, kann sie einfach mit Ölfarben über- und vermalt werden. Einige Stifte und Kreiden verbinden sich mit den Ölfarben und lösen sich deshalb nur teilweise an. Hier entsteht dann nur ein zarter Verwischeffekt. Andere Zeichenmedien lösen sich fast vollständig an und verschwimmen ähnlich wie bei einem Aquarell. Farbverläufe und sanfte Schattierungen lassen sich so sehr gut umsetzen.

 

Die verschiedenen Zeichenmedien in Kombination mit Ölfarben

Zeichnungen lassen sich mit verschiedenen Medien anfertigen. Je nachdem, womit gezeichnet wird, kommt es aber zu unterschiedlichen Reaktionen, wenn die Ölfarben ins Spiel kommen:

·         Kohle: In der Ölmalerei wird Kohle traditionell verwendet, um das Bildmotiv zu skizzieren. Der weiche und spröde Kohleauftrag löst sich beim Übermalen mit Ölfarben fast vollständig an. Dadurch verwischt die Zeichnung und die Ölfarben werden gleichzeitig etwas dunkler, weil sich die Kohlepigmente mit den Ölfarben vermischen. Soll eine Kohlezeichnung im Ölbild sichtbar bleiben, muss sie fixiert werden.

·         Pastellkreide: Pastellkreiden verhalten sich ähnlich wie Kohle, hinterlassen aber einen geschmeidigeren Farbauftrag. Zudem sind sie in vielen Farben erhältlich. Abgestimmt auf die Farbtöne der Ölfarben, lässt sich so ein harmonisches Gesamtbild kreieren, bei dem kein so starker Bruch zwischen der Zeichnung und der Malerei vorhanden ist. Pastellkreiden gibt es in verschiedenen Härtegraden, wobei die Kreiden umso mehr Fett enthalten, je weicher sie sind. Auch eine Zeichnung mit Pastellkreiden muss vor dem Übermalen mit Ölfarben fixiert werden, wenn sie im Ölbild sichtbar bleiben soll.

·         Ölkreide: Ölkreiden weisen einen hohen Fettgehalt auf und vertragen sich deshalb gut mit Ölfarben. Beim Übermalen lösen sie sich nur sehr leicht an. Um Ölkreiden gezielt zu verwischen, können sie mit Ölmalmitteln vermalt werden. Gleiches wie für Ölkreiden gilt auch für Wachsstifte.

·         Bleistift: Normalerweise wird davon abgeraten, den Bleistift mit Ölfarben zu kombinieren. Dies liegt daran, dass sich der Bleistift sehr gut mit dem Malgrund verbindet und eine Bleistiftskizze deshalb trotz Übermalung mit Ölfarben lange sichtbar bleibt. Gleichzeitig verwischt die Bleistiftzeichnung kaum. Genau diesen Effekt kann sich der Künstler aber zunutze machen, wenn er eine Zeichnung mit der Ölmalerei kombinieren möchte. Der Bleistift sorgt für eine kräftige, scharfe und ausdrucksstarke Zeichnung, die den darauffolgenden Ölfarbschichten gut standhält.

·         Buntstift: Buntstifte ermöglichen sehr präzise und feine Zeichnungen. Wird eine Buntstiftzeichnung mit Ölfarben übermalt, löst sie sich kaum an und verwischt auch nur leicht. Möchte der Künstler einen stärkeren Verwischeffekt erzielen, sollte er zum einen weiche Buntstifte verwenden. Zum anderen kann er auf Ölmalmittel zurückgreifen, um die Zeichnung zu vermalen.

Filzstift: Filzstifte und Permanentmarker lösen sich erst an, wenn sie mehrfach mit Ölfarben übermalt werden. Für starke und kontrastreiche Akzente in Form von gezeichneten Elementen sind solche Stifte deshalb gut geeignet. Allerdings sollte der Künstler im Hinterkopf behalten, dass solche Stifte nicht für künstlerische Anwendungen konzipiert sind, sondern in erster Linie einen praktischen Nutzen im Büro oder in der Schule haben. Die verwendeten Farbpigmente sind deshalb meist wenig lichtbeständig. Dies kann dazu führen, dass die gezeichneten Elemente im Ölbild recht schnell verblassen.

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