12 Gestaltungsmittel für Gemälde, Teil 2

12 Gestaltungsmittel für Gemälde, Teil 2

Ein Künstler setzt in einem Gemälde verschiedene Gestaltungsmittel ein, um auf diese Weise die zentrale Aussage hervorzuheben oder den Betrachter gezielt auf ein bestimmtes Bildelement aufmerksam zu machen. Mithilfe der gestalterischen Mittel bekommt das Gemälde die gewünschte Wirkung oder Bedeutung. Das Zusammenspiel der Gestaltungselemente lässt das Gemälde vollständig und in sich rund erscheinen.

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12 Gestaltungsmittel für Gemälde, Teil 2

Doch damit stellt sich die Frage, welche formal gestalterischen Mittel es in der Kunst eigentlich gibt. In einer zweiteiligen Übersicht haben wir die zwölf wichtigsten Gestaltungsmittel für Gemälde zusammengestellt.

Hier ist Teil 2!:

  1. Formcharaktere

Formen werden mit bestimmten Eindrücken und Emotionen verknüpft. So wirkt zum Beispiel ein Kreis sicher und freundlich, ein Quadrat stabil und zuverlässig oder ein Dreieck aktiv und eher gefährlich. In einem Gemälde kann der Künstler diese Eigenschaften auf zwei verschiedene Arten einsetzen.

Zum einen kann der Künstler Elemente in seinem Bildmotiv in bestimmten Formen anlegen. Bei Karikaturen kommt das oft vor, um durch die übertriebene Darstellung markante Merkmale einer Person hervorzuheben.

Eine noch größere Rolle spielt der Formcharakter in Cartoons. Hier wird eine Figur zum Beispiel in dreieckigen Formen angelegt, während der Gegenspieler dieser Figur vor allem kreisförmige Züge bekommt.

Zum anderen kann der Künstler Formcharaktere durch eine entsprechende Anordnung und Zusammenstellung entstehen lassen.

Gruppiert er einzelne Bildelemente in einer gewissen Form, beispielsweise Blüten in einem Kreis, zeigt sich der Formcharakter ebenfalls, aber subtiler.

  1. Formrhythmen

Von Formrhythmen wird gesprochen, wenn sich gewisse Elemente stetig wiederholen. Die umgangssprachliche Bezeichnung dafür lautet Muster. Allerdings können Formrhythmen in vielen verschiedenen Varianten auftreten.

So können gleichmäßig gezeichnete Wellen genauso ein Formrhythmus sein wie zum Beispiel ein Farbauftrag, bei dem der Künstler die Pinselstriche stets parallel nebeneinander setzt.

Auch bei Ornamenten spielen Formrhythmen eine zentrale Rolle. Ein Ornament ist ein Muster, das sich stetig wiederholt und oft auf einer bestimmten Symbolik basiert.

  1. Bewegung

Bei der Bewegung als Gestaltungsmittel geht es darum, welche Art von Dynamik und Energie ein Gemälde vermittelt. Ein Stillleben zum Beispiel enthält praktisch keine Dynamik und wirkt dadurch sehr ruhig.

Im Unterschied dazu kann ein Gemälde sehr viel Energie ausstrahlen, wenn der Künstler  seine Figuren in Bewegung darstellt.

Auch wenn er mit sehr intensiven und komplementären Farben malt, kann er den Eindruck von Dynamik erwecken.

  1. Linienführung

Erst durch die Linienführung wird es möglich, Elemente und Formen zu definieren und von anderen Inhalten des Bildmotivs abzugrenzen. Dabei können Linien eigenständige Bildobjekte sein oder die Umrisse eines Körpers, eines Gegenstandes oder eines Raums bilden.

Außerdem kann der Künstler Strukturen und Texturen gestalten, indem er die Linien entsprechend setzt. Vor allem in der realistischen Malerei spielt das eine große Rolle.

Neben einzelnen Mustern sind auch gedachte Linien ein Gestaltungsmittel. Linien, die so nicht im Bild zu sehen sind, aber gedanklich gezogen werden können, sagen etwas über die Bildkomposition aus. Kann der Betrachter zum Beispiel gedacht eine senkrechte Achse durch die Bildmitte ziehen, weist das auf eine ausgeglichene Komposition hin.

Durch seine Linienführung kann der Künstler außerdem eine bestimmte Bildwirkung erzielen.

Malt er überwiegend gerade Linien, die recht starr senkrecht und waagerecht verlaufen, entsteht ein ruhiger und ausgeglichener Eindruck.

Arbeitet er hingegen mit vielen diagonalen und geschwungenen Linien, wirkt das Bild dynamisch und eher hektisch.

  1. Werkspuren

Die Werkspuren schließen alles ein, was von den Arbeitsabläufen während der Entstehung des Gemäldes sichtbar bleibt. Je nach Bildmotiv, Maltechnik und Kunststil legt ein Künstler mehr oder weniger Wert auf solche Spuren.

Soll ein Bildmotiv zum Beispiel möglichst realistisch aussehen, wird der Künstler versuchen, sichtbare Pinselstriche zu vermeiden.

Im Unterschied dazu lebt das Actionpainting, bei dem die Farbe spontan und recht grob auf die Leinwand gegossen oder gespritzt wird, gerade von den Werkspuren.

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Farben und Farbkontraste

In der Kunst gehören Farben zu den wesentlichen Instrumenten. Im weiteren Sinne können auch Farben und Farbkontraste als Gestaltungsmittel interpretiert werden.

Dabei werden mit Blick auf die Farben vier verschiedene Anwendungsarten voneinander unterschieden:

  • Die Lokalfarbe ist der Farbton, den ein Objekt ursprünglich hat. Es ist der reine Farbton, der nicht von Licht und Schatten beeinflusst ist. Ein Beispiel dafür ist ein roter Apfel.
  • Bei der Erscheinungsfarbe handelt es sich um den Farbton, der durch den Einfluss von Licht und Schatten entsteht. Der rote Apfel würde zum Beispiel goldgelb schimmern, wenn er von der Sonne angestrahlt wird.
  • Eine Symbolfarbe nutzt der Künstler, wenn er einen Gegenstand nicht in seiner eigentlichen Farbe darstellen möchte, sondern der Farbton eine Symbolik beinhalten soll. Dazu kann er zum Beispiel den eigentlich roten Apfel mit schwarzer Farbe malen, um Unglück auszudrücken.
  • Die Ausdrucksfarbe wird verwendet, um Gefühle zu betonen. Ist der Apfel zum Beispiel grau, kann der Künstler auf diese Weise Traurigkeit darstellen.

Auch die Farbkontraste können die Bildwirkung stark beeinflussen.

Die Kunst kennt sieben grundlegende Farbkontraste:

  • Beim Farbe-an-sich-Kontrast stellt der Künstler reine Farben bunt zusammen.
  • Der Hell-Dunkel-Kontrast ergibt sich aus den eigenen Tonwerten der verwendeten Farben.
  • Lässt die gefühlte Temperatur von Farben den Kontrast entstehen, handelt es sich um den Kalt-Warm-Kontrast.
  • Ein Qualitätskontrast basiert auf dem Gegensatz zwischen gesättigten und trüben Farben.
  • Verschieden große Farbflächen rufen einen Quantitätskontrast
  • Für den Komplementärkontrast verwendet der Künstler die Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen.
  • Beim Simultankontrast beeinflussen die umliegenden Farben die Wirkung eines Farbtons.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal, alias Christian Gülcan und Ferya Gülcan. Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei und Ölmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder und Ölbilder im Großformat, wenden aber auch andere Maltechniken und Farben an.

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