Grundwissen zur Temperamalerei

Grundwissen zur Temperamalerei 

Wenn von der Ölmalerei die Rede ist, ist die Temperamalerei nicht so weit entfernt. Schließlich gilt die Temperamalerei als Vorläufer der Ölmalerei und beide Malereien weisen durchaus einige Gemeinsamkeiten auf.  

Die Temperamalerei war schon in der Antike bekannt, erlebte in Europa aber vor allem im Mittelalter als Ersatz für die bis dahin weit verbreitete Heißwachsmalerei ihre Blütezeit. Ab dem 15. Jahrhundert setzte sich dann allmählich von den Niederlanden ausgehend die Ölmalerei durch.

Die Gründe hierfür waren zum einen die geringe Haltbarkeit der Temperafarben sowie die hohen Ansprüche, die die Farben an den Künstler stellten. Zum anderen sprach für Ölfarben, dass sie ebenso farbintensiv und leuchtstark waren, aber gleichzeitig sehr viel einfacher auch weiche und sanfte Farbübergänge ermöglichten. Hinzu kam, dass sich Leinwände als Bildträger zunehmend gegen die bis dahin üblichen Holztafeln durchsetzten, Leinwände aber keine geeigneten Bildträger für Temperafarben sind.  

Zu den ersten Künstlern, die zur Ölmalerei wechselten und auch beide Maltechniken miteinander mischten, gehörte Jan van Eyck. Im Laufe der Zeit rückte die Temperamalerei immer weiter in den Hintergrund, auch wenn später noch viele Künstler Tempera für die Untermalung ihrer Ölbilder nutzten. Einer dieser Künstler war beispielsweise Rubens.  

Lediglich in der traditionellen Ikonenmalerei ist die Temperamalerei bis heute die wichtigste Technik geblieben. Gerade für ambitionierte Hobby-Künstler kann die Temperamalerei aber sicher eine interessante Alternative sein, bei der sich ein Versuch lohnt. 

 

Im Sinne von Grundwissen zur Temperamalerei
hier die wichtigsten Infos in der Übersicht:
 
  

 

Was bedeutet Tempera? 

Die Bezeichnung Tempera leitet sich von dem lateinischen Verb temperare für mäßigen oder mischen ab und beschreibt Farben, bei denen eine Wasser-Öl-Emulsion als Bindemittel für die Farbpigmente dient. Bei einer Emulsion handelt es sich um eine homogene Mischung aus fetthaltigen und wasserhaltigen Flüssigkeiten. Sind die öl- und die wasserhaltigen Anteile der Mischung gleichmäßig verteilt, wird auch von einer temperierten Mischung gesprochen, was wiederum die Bezeichnung Tempera für das Malmittel erklärt.  

 

Welche Arten von Tempera gibt es? 

Tempera wird danach eingeteilt, woraus der wässrige Anteil der Emulsion besteht. So wird beispielsweise zwischen Ei-, Kasein-, Seifen-, Quark- oder Stärke-Tempera unterschieden. Die beiden wichtigsten Arten von Tempera in der Malerei waren und sind jedoch die Ei- und die Kasein-Tempera.

 

·         Ei-Tempera besteht aus Eigelb, Leinöl und Wasser zu gleichen Teilen. Je nach gewünschter Deckkraft werden dieser Mischung dann Farbpigmente in entsprechender Menge hinzugefügt. Generell ist Ei-Tempera ein farbintensives und leuchtstarkes Malmittel, wobei die Deckkraft umso höher ist, je mehr Farbpigmente die Farbe enthält.  

Um das Malmittel zu verdicken, kann Chamois-Kreide beigemischt werden. In der Kunstgeschichte gilt Ei-Tempera als die älteste Methode für die Verbindung von Farbpigmenten mit einem Malmittel auf Basis einer natürlichen Emulsion. Die Ei-Tempera wurde bereits im Altertum verwendet und ist das traditionelle Malmittel in der Ikonemalerei sowie bei der Untermalung von Ölbildern in Lasurtechnik. 

 

·         Bei Kasein-Tempera basiert das Bindemittel, das die Farbpigmente bindet, auf Kasein. Kaseine sind Milcheiweiße und machen den größten Anteil an der Gesamteiweißmenge von Milch aus. Kasein-Tempera blickt ähnlich wie die Ei-Tempera auf eine lange Tradition in der Geschichte der Malerei zurück, insbesondere für Wandmalereien wurde gerne Kasein-Tempera verwendet. Seit der Entwicklung von Acrylfarben spielt Kasein-Tempera aber heute kaum noch eine Rolle.  

Für den ölhaltigen Anteil der Emulsion werden Öle wie Lein-, Mohn-, Sonnenblumen- oder Walnussöl verwendet. Dabei finden die Öle als Öle und Standöle oder auch in Form von Lacken, Harzlösungen, Terpentinen und Wachsen Verwendung. Um die Emulgierbarkeit zu verbessern, werden der Tempera außerdem mitunter Zutaten wie Honig oder Seife hinzugefügt. Aus maltechnischer Sicht sind solche Zutaten jedoch umstritten. Ähnlich wie bei Ölfarben wird daneben auch bei Tempera zwischen fetten und mageren Farben unterschieden.  

Fette Tempera enthält einen hohen Ölanteil in der Emulsion, was zur Folge hat, dass kleine wässrige Leimkügelchen im Öl schwimmen. Bei magerer Tempera überwiegt der wässrige Anteil in der Emulsion und dadurch schwimmen winzige Ölkügelchen in wässrigem Leim. Ist das Wasser in der Emulsion verdunstet, bleiben bei fetter Tempera ein löchriger Ölfilm und bei magerer Tempera kleine Ölkügelchen auf dem Bildträger zurück. Aus diesem Grund kommen als Malmittel bei fetter Tempera Öl und bei magerer Tempera Wasser zum Einsatz.   

 

Welche Vor- und Nachteile hat Tempera? 

Zu den großen Pluspunkten der Temperamalerei gehört neben der Alterungsbeständigkeit die vergleichsweise langsame Trocknung. Verglichen mit Ölfarben trocknen Temperafarben zwar schneller und können deshalb früher übermalt und weiterbearbeitet werden, allerdings muss auch bei Temperafarben das Öl nach dem Verdunsten des Wassers erst vollständig abbinden.

Bei Temperafarben ist dies schneller der Fall als bei Ölfarben, denn während bei Ölfarben ein geschlossener Ölfilm auf dem Bildträger zurückbleibt, hinterlassen Temperafarben lediglich einen netzartigen Ölfilm oder kleine Ölkügelchen. Trotzdem lässt sich das Bild noch über einen langen Zeitraum bearbeiten. Ein weiterer Vorteil von Temperafarben liegt darin, dass sie, anders als Ölfarben, kaum zu Rissen neigen. Die Rissbildung bei Ölfarben kommt dadurch zustande, dass sich das Öl ausdehnt, wenn es oxidiert.  

Dies geschieht bei Temperafarben zwar auch, aber hier kann sich das Öl in die Hohlräume ausdehnen, die durch das bereits verdunstete Wasser vorhanden sind. Der größte Minuspunkt der Temperamalerei liegt darin, dass sie sehr anspruchsvoll ist und neben technischem Wissen auch malerische Erfahrung voraussetzt. Insgesamt ist die Temperamalerei sogar noch schwieriger als die Ölmalerei. So wird die Farbe bei der Temperamalerei in kurzen, kleinen Strichen aufgetragen, die in mehreren Schichten übereinandergelegt werden.  

Dies ist nicht nur arbeits- und zweitaufwändig, sondern macht es sehr schwer, feine und sanfte Farbübergänge zu gestalten. Hinzu kommt, dass sich Temperafarben optisch verändern, beim Malen also anders aussehen als nach dem Trocknen. In getrocknetem Zustand wirken die Farben sauberer und kräftiger, wobei magere Tempera pastellig und puderig aussieht, sich aber noch einmal stark verändert, wenn ein Firnis aufgetragen wird.  

Dabei verhalten sich die verschiedenen Temperafarben allerdings unterschiedlich, fette Tempera beispielsweise verändert sich anders als magere und Ei-Tempera anders als Kasein-Tempera. Um das gewünschte Resultat zu erzielen, ist daher entsprechend Erfahrung erforderlich. Für viele Arten von Tempera gilt außerdem, dass die Farben spröde sind und sich daher nur bedingt für flexible Bildträger wie Leinwände eignen. Bei Kasein-Tempera wiederum kann es passieren, dass sich der Bildträger durch hohe Oberflächenspannungen verzieht. 

Echte Temperafarben sind als gebrauchsfertige Farben in Tuben nur sehr selten erhältlich. Dies liegt daran, dass die Emulsion nur kurze Zeit haltbar ist und die Farben entsprechend schnell verderben. Eine etwas längere Haltbarkeit kann nur erzielt werden, wenn den Farben Konservierungsmittel in großen Mengen hinzugefügt werden. Künstler, die mit Tempera malen, stellen sich ihre Farben daher in aller Regel selbst her. Dies wiederum ist aber etwas einfacher als die Herstellung von eigenen Ölfarben. 

 

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