Firnisse in der Ölmalerei, 2. Teil

Firnisse in der Ölmalerei, 2. Teil 

Nachdem ein Ölbild vollständig durchgetrocknet ist, wird meist ein Firnis aufgetragen. Der Firnis legt sich als harter und stabiler Film über die Malerei und erfüllt dadurch die Funktion einer Schutzschicht. Gleichzeitig unterstützt der Firnis die Farbsättigung, erhöht die Leuchtkraft der Farben und verstärkt die Tiefenwirkung des Motivs.

Neben dem Schlussfirnis gibt es noch den Zwischenfirnis, der zwischendurch einzelne Farbschichten fixiert und eine gleichmäßige Oberfläche für die folgenden Farbschichten schafft.

Firnisse spielen in der Ölmalerei also eine nicht unwichtige Rolle. In einem zweiteiligen Beitrag beschäftigen wir uns deshalb einmal etwas ausführlicher mit dem Firnis. Dabei ging es im 1. Teil um Grundwissen. Jetzt, im 2. Teil, gehen wir auf die verschiedenen Firnisssorten ein und erklären, wie der Maler seine eigenen Firnisse herstellen kann.

 

Welchen Firnis sollte der Maler für seine Ölbilder verwenden?

Im Künstlerbedarf sind zahlreiche Firnissorten erhältlich. Jeder Hersteller von Ölfarben hat auch Firnisse in seiner Angebotspalette. Dabei wird bei diesen Firnissen zwischen Sprühfirnissen und Firnissen zum Auftragen mit dem Pinsel unterschieden. Welche Variante der Maler bevorzugt, muss er für sich selbst herausfinden.

Der Vorteil von Sprühfirnissen liegt darin, dass sie sich recht einfach auftragen lassen und einen feineren Film bilden. Da Sprühfirnisse Aerosole enthalten, sollten sie aber am besten im Freien oder zumindest in einem gut belüfteten Raum verarbeitet werden. Firnisse zum Aufstreichen wiederum lassen sich sehr gezielt aufbringen. Hier muss der Maler aber darauf achten, dass sein Schutzfilm schön gleichmäßig und nicht zu dick wird.

Die Firnisse sind in drei Ausführungen erhältlich, nämlich in matt, in seidenglänzend und in glänzend. Welche Variante die beste Wahl ist, hängt vom Bildmotiv und natürlich vom Geschmack des Malers ab. Insgesamt ist der Maler mit einem seidenglänzenden Firnis aber fast immer gut beraten. Denn ein matter Firnis kann das Ölbild recht stumpf und dumpf wirken lassen, während ein glänzender Firnis unerwünschte Lichtakzente und Spiegelungen verursachen kann. Neben Firnissen, die wie beispielsweise der Dammarfirnis nur für die Ölmalerei konzipiert sind, gibt es auch Universalfirnisse. Sie sind sowohl für Ölfarben als auch für Acrylfarben geeignet.

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Firnisssorten der einzelnen Hersteller liegt in den Inhaltsstoffen. Konkret geht es dabei um die Harze und die Lösungsmittel, aus denen die Firnisse hergestellt sind. Ist sich der Maler unsicher, sollte er am besten zu einem Firnis des Herstellers greifen, dessen Ölfarben er verwendet. Denn in aller Regel stimmen die Hersteller ihre Farben und ihre Firnisse, ebenso wie übrigens auch die sonstigen Malmittel, aufeinander ab. Ist der Maler experimentierfreudig, kann er aber auch seinen eigenen Firnis für seine Ölbilder herstellen.   

 

Eigene Firnisse für die Ölmalerei herstellen – so geht’s

Möchte der Maler seinen eigenen Firnis verwenden, braucht er dafür

  • ·         ein Schraubglas,
  • ·         Dammarharz,
  • ·         Balsamterpentinöl und
  • ·         Frischhaltefolie.

Dammarharz ist im Künstlerbedarf erhältlich. Meist wird das getrocknete, hellgelbe Harz in Form von kleinen, etwa ein bis drei Zentimeter großen Kristallen angeboten. Etwas seltener ist Harzmehl zu bekommen. Harzmehl hat den Vorteil, dass sich das Harz schneller auflöst. Allerdings ist Harzmehl auch teuer. Balsamterpentinöl ist ebenfalls im Künstlerbedarf und daneben oft auch im gut sortierten Baumarkt erhältlich. Das Öl hat eine hellgelbe Farbe und riecht ein bisschen nach Wald. 

Um nun seinen Dammarharzfirnis herzustellen, füllt der Maler das Schraubglas zu etwa einem Drittel mit den Harzkristallen auf. Anschließend gibt er ungefähr die doppelte Menge an Balsamterpentinöl dazu. Das Glas sollte also zu etwa zwei Dritteln mit dem Öl befüllt sein. Dann deckt der Maler den Rand und die Öffnung des Glases mit ein paar Lagen Frischhaltefolie ab, um es wirklich luftdicht abzudichten, und schraubt den Deckel fest auf.

Nach einem, spätestens zwei Tagen lösen sich die Harzkristalle auf. Dadurch entsteht eine leicht trübe Flüssigkeit, die der Maler mit dem Pinsel als Schlussfirnis auf seine Ölbilder auftragen kann. Verdünnt der Maler die Flüssigkeit im Verhältnis 1:1 mit weiterem Balsamterpentinöl, kann er den selbstgemachten Firnis auch als Zwischenfirnis verwenden.

 

Selbstgemachtes Bienenwachsfirnis als Alternative

Bevorzugt der Maler eine eher matte Bildoberfläche oder möchte er seinen Schlussfirnis nicht als dauerhaften Überzug anlegen, kann er anstelle eines Firnisses auf Basis von Dammarharz einen Wachsfirnis auftragen. Und auch den Wachsfirnis kann der Maler selbst herstellen. Hier für braucht er

  • ·         ein Schraubglas,
  • ·         Bienenwachs,
  • ·         Balsamterpentinöl und
  • ·         Frischhaltefolie.

Für den Wachsfirnis bricht der Maler das Bienenwachs in kleine Stücke und füllt sein Glas ungefähr zur Hälfte damit auf. Dann kommt das Balsamterpentinöl dazu. Mit dem Öl füllt der Maler das Glas zu etwa zwei Dritteln auf. Das Verhältnis zwischen Wachs und Öl ist beim Bienenwachsfirnis also etwas höher als das Verhältnis zwischen Harz und Öl beim Dammarharzfirnis. Das Glas wird nun wieder mit Frischhaltefolie abgedichtet und gut verschlossen.

Nach zwei bis drei Tagen hat sich das Bienenwachs aufgelöst und zusammen mit dem Öl ist eine Paste entstanden, die ein wenig an Schuhcreme erinnert. Die Paste verteilt der Maler am besten mit einer weichen, breiten Bürste als sehr dünne Schicht auf der Oberfläche seines Bildes. Nach ein paar Stunden bürstet der Maler die Bildoberfläche dann noch einmal vorsichtig mit einer sauberen Bürste ab. Dadurch wird überschüssiges Wachs abgetragen und die Oberfläche bekommt einen ganz leichten, seidenmatten Schimmer. Bei Bedarf kann der Wachsfirnis chemisch auch wieder abgenommen werden. Wachsfirnis eignet sich übrigens nicht nur für Ölgemälde, sondern auch für Acrylbilder.

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