Die wichtigsten Farbkontraste in der Malerei

Die wichtigsten Farbkontraste in der Malerei

Ihre Umgebung hat maßgeblich Einfluss darauf, wie Farben wirken. Dies liegt daran, dass sich Farben, die nebeneinander liegen, gegenseitig beeinflussen. Wer ein Bild betrachtet, sieht nicht jede Farbe als separate Einzelfarbe, sondern nimmt die Farben in ihrem Kontext war. Durch die wechselseitige Beeinflussung verändert sich jedoch die Wahrnehmung.

Folglich prägen einerseits die verwendeten Farben und andererseits die daraus resultierenden Kontraste die Gesamtwirkung und den Ausdruck eines Bildes.

Der Maler, Kunsttheoretiker und Kunstpädagoge Johannes Itten, auf den unter anderem der Farbkreis zurückgeht, beschäftigte sich intensiv mit der Wirkung von Farben. Aus seinen Erkenntnissen über die Farbwahrnehmung infolge der Farbzusammenstellung leitete er die Theorie der “Sieben Farbkontraste” ab.

Die wichtigsten Farbkontraste in der Malerei, die der Künstler gezielt einsetzen kann,
um bestimmte Effekte zu erzielen, sind demnach folgende:

1. Der Farbe-an-sich-Kontrast

entsteht immer dann, wenn mindestens drei reine, ungetrübte Farben aufeinandertreffen. Er wird auch Farbton-Kontrast genannt und gilt als der einfachste Farbkontrast.

Durch die intensive Leuchtkraft der klaren Farben ergibt sich eine bunte, kraftvolle, laute und auffallend-bestimmte Wirkung. Je mehr verschiedene Farben zusammengestellt werden, desto variabler lassen sich die Effekte gestalten. Die intensivste Wirkung erzeugt der Farbe-an-sich-Kontrast beim Zusammenspiel der drei reinbunten Farben Gelb, Rot und Blau.

2. Der Hell-Dunkel-Kontrast

ergibt sich durch die unterschiedliche Helligkeit von zwei Farben. Er tritt sowohl bei den Buntfarben als auch bei Grautönen und den unbunten Farben Schwarz und Weiß auf. Während Farben mit gleichen Helligkeiten bewirken, dass sich die Farben auf einer Ebene befinden, rufen Farben mit unterschiedlichen Eigenhelligkeiten den Hell-Dunkel-Kontrast hervor.

Der Künstler kann diesen Effekt nutzen, um ein Bildmotiv plastisch erscheinen zu lassen, Räumlichkeit und Spannung zu erzeugen, bestimmte Form zu betonen oder Schatten darzustellen.

3. Der Kalt-Warm-Kontrast

berücksichtigt, dass einige Farben als warm und andere Farben als kalt empfunden werden. Im Farbkreis von Itten sind die sogenannten kalten Farben in der linken Hälfte angeordnet und umfassen das Farbspektrum von Blauviolett bis Gelbgrün. Die als warm empfundenen Farben Gelb, Gelborange, Orange, Rotorange, Rot und Rotviolett finden sich auf der rechten Seite des Farbkreises.

Itten weist jedoch darauf hin, dass es immer von den Farben in der Umgebung abhängt, wie warm oder kalt eine Farbe wirkt. Zudem beschränkt sich der Kalt-Warm-Kontrast nicht nur auf den Gegensatz warm-kalt, sondern schließt auch andere Gegensätze wie beruhigend-anregend, leicht-schwer, schattig-sonnig oder feucht-trocken mit ein.

Der stärkste Effekt kann durch die Kombination von Rotorange und Blaugrün erzeugt werden, denn diese beiden Farben gelten als eindeutig warm und kalt. In der Malerei und hier vor allem in der Landschaftsmalerei spielt der Kalt-Warm-Kontrast bei der Darstellung von räumlicher Entfernung eine große Rolle. So wirken Dinge umso blaustichiger und damit kälter, je weiter entfernt sie sind, während Bildmotive in warmen Farben näher erscheinen.

4. Der Qualitätskontrast

wird auch Intensitätskontrast genannt. Er ergibt sich, wenn klare, reine, leuchtende Farben mit stumpfen, gebrochenen, trüben Farben zusammentreffen. Von einer gebrochenen oder trüben Farbe wird gesprochen, wenn eine Farbe mit Schwarz, Weiß, Grau oder ihrer Komplementärfarbe gemischt wurde.

Der Qualitätskontrast definiert sich aber nicht darüber, um wie viel heller eine Farbe im Vergleich zu einer anderen Farbe ist. Stattdessen ist entscheidend, wie sehr eine Farbe verglichen mit einer anderen, reinen Farbe gebrochen, wie stark also ihre Farbqualität verändert wurde.

Ähnlich wie den Warm-Kalt-Kontrast nutzt die Malerei auch den Qualitätskontrast, um Räumlichkeit zu erzeugen. Daneben hat er großen Einfluss auf die Stimmung, die das Bild vermittelt.

5. Der Quantitätskontrast

ist das Ergebnis vom Aufeinandertreffen verschieden großer Farbflächen. Ist das Verhältnis von Farbflächen in unterschiedlicher Größe ausgewogen, entfalten alle Farben eine vergleichbar intensive Wirkung und das Bild wirkt im Ganzen harmonisch.

Ein ausgewogenes Verhältnis setzt jedoch voraus, dass jede Farbe auch in der Menge vertreten ist, die sie für die Entfaltung ihrer Leuchtkraft benötigt. Entscheidend sind somit die Proportionen der Farben zueinander, weshalb der Quantitätskontrast auch Proportionskontrast genannt wird. Goethe war der Erste, der diese Anteile im Rahmen seiner Farbenlehre in Zahlen ausgedrückt hat. Demnach gilt, dass für ein harmonisches Gesamtbild ein Teil Gelb mit drei Teilen Violett und ein Teil Orange mit zwei Teilen Blau ausgeglichen werden sollte.

Rot und Grün stehen im Gleichgewicht, wenn sie in gleichen Anteilen im Bild vorkommen. Berücksichtigt der Künstler diese Verhältnisse, werden die Quantitätskontraste aufgehoben und das Bild wirkt harmonisch-ruhig. Umgekehrt kann der Künstler aber auch bewusst Spannung erzeugen, indem er die Farbanteile disharmonisch wählt und gerade dadurch die Quantitätskontraste erzeugt. Typisch ist dies beispielsweise im Expressionismus.

6. Der Komplementärkontrast

entsteht durch das Zusammenspiel aus komplementären Farben. Im Farbkreis liegen sich die Komplementärfarben gegenüber und wenn zwei komplementäre Farben miteinander vermischt werden, entsteht immer ein neutraler Grauton. Die Komplementärfarbe von Grün beispielsweise ist Magenta, Blau ist die komplementäre Farbe von Gelborange.

Treffen zwei Komplementärfarben aufeinander, erhöhen sie gegenseitig ihre Leuchtkraft und führen zu einem Gleichgewicht im Auge des Betrachters. Komplementärkontraste sind typische Stilmittel im Expressionismus und im Pointillismus.

7. Der Simultankontrast

kommt im Prinzip dadurch zustande, dass das Auge in die Irre geführt wird. Hintergrund hierzu ist, dass das menschliche Auge immer ein Farbganzes herstellen möchte. Deshalb sucht es die Komplementärfarbe, wenn es eine Farbe wahrnimmt. Ist die komplementäre Farbe aber nicht vorhanden, projiziert es eine entsprechende Farbnuance in die angrenzende Farbfläche.

Steht der Betrachter beispielsweise vor einem Bild, das ein weiße Fläche auf blauem Hintergrund zeigt, wird er die weiße Fläche nicht als reinweiß wahrnehmen. Stattdessen wird er den Eindruck haben, dass die weiße Fläche einen leichten Gelbstich hat. Der Simultankontrast wirkt sich allerdings nicht nur auf den Farbton, sondern auch auf dessen Helligkeit aus.

So wirkt ein roter Kreis auf einem weißen Untergrund viel kräftiger als auf einem schwarzen Untergrund, obwohl es sich um exakt denselben Rotton handelt.

Mehr Anleitungen und Tipps zur Ölmalerei und Maltechniken:

Thema: Die wichtigsten Farbkontraste in der Malerei

Teilen:

Kommentar verfassen