Anleitung – experimentelles Malen in Öl

Anleitung: experimentelles Malen in Öl 

Das Fremdwort Experiment bedeutet Versuch, Probe oder auch gewagtes Unternehmen und genau darum geht es auch beim experimentellen Malen.  

Das bedeutet, der Künstler probiert verschiedene Dinge und Techniken aus, experimentiert mit Farben, Formen und Materialien und lässt sich dabei auf den Versuch oder das gewagte Unternehmen ein, seiner Phantasie und Kreativität, aber auch seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf zu lassen.

 

Dabei ist experimentelles Malen in Öl für Fortgeschrittene und Anfänger gleichermaßen geeignet.

Gerade Anfänger stehen sich und ihrer Kreativität oft selbst etwas im Weg. Da immer wieder zu lesen und zu hören ist, dass die Ölmalerei die Königsdisziplin der Malerei ist und Malen mit Ölfarben Übung und Erfahrung erfordert, versuchen Anfänger häufig, möglichst alles so gut wie möglich und vor allem richtig zu machen.  

 

Also lesen sie über die Ölmalerei, lernen die grundlegenden Malregeln, besuchen Malkurse und versuchen möglichst alle Tipps zur Bildkomposition, zu Proportionen und zu Perspektiven zu berücksichtigen. Dies ist grundsätzlich zwar natürlich nicht falsch, um ein Gefühl für die Farben zu entwickeln, die eigene Kreativität zum Ausdruck zu bringen und den Bildern eine eigene Handschrift zu geben aber eher hinderlich.

 

Wer die freie und spontane Malerei nun selbst einmal ausprobieren möchte, findet im Folgenden eine grundlegende Anleitung für experimentelles Malen in Öl: 

 

Die benötigten Materialien

 

Da beim experimentellen Malen letztlich alles erlaubt ist, was dem Künstler gefällt und spontan einfällt, kann die Materialliste sehr unterschiedlich ausfallen.  

 

Allgemein werden jedoch folgende Utensilien benötigt:

 

·         ein Malgrund; möglich ist eine Leinwand oder eine Holzplatte, am besten eignen sich jedoch festes Papier oder Malkarton. 

·         Ölfarben 

·         Malwerkzeuge; prinzipiell kann mit Pinseln gearbeitet werden, allerdings verführen Pinsel häufig dazu, doch wieder in die konventionelle Malerei zurückzufallen. Besser ist es daher, mit beispielsweise einem Lappen oder einem ausgemusterten Handtuch zu malen. 

·         Holzleim oder Tapetenkleister und unterschiedliche Materialien zum Aufkleben; wenn eine Collage entstehen soll, können verschiedene Objekte verarbeitet werden, sehr gut geeignet hierbei sind beispielsweise alte Zeitungen und Zeitschriften, Fotos, Ansichtskarten, kleine Steine, dünne Äste, Stofffetzen und ähnliche Dinge.  

 

Anleitung für experimentelles Malen in Öl 

Im Grunde genommen bedarf das experimentelle Malen keiner großen Vorbereitung, sondern kann direkt beginnen. Grundsätzlich werden auch keine Skizzen oder Vorzeichnungen angefertigt. Soll eine Collage gearbeitet werden, bei der die aufgeklebten Objekte später mit Farben übermalt werden, wird der Malgrund an den jeweiligen Stellen mit Holzleim oder Tapetenkleister eingestrichen. 

 

Dann werden die Objekte aufgeklebt, wobei auch hier nicht unbedingt ordentlich und präzise gearbeitet werden muss. So werden Zeitungsausschnitte, Buchstaben oder Bilder nicht sorgfältig und möglichst gerade mit der Schere ausgeschnitten, sondern können einfach gerissen werden. Bevor es weitergehen kann, muss der Klebstoff trocknen.

 

Nun werden der Lappen oder das Handtuch in kleine Stücke geschnitten oder gerissen. Beim experimentellen Malen wird gerne und viel mit den Händen gearbeitet. Die Stoffstücke können also den Pinsel ersetzen, aber auch nur als Schutz für die Haut vor der Farbe verwendet werden. In letzterem Fall wird der Stoff um beispielsweise den Zeigefinger gewickelt, der Finger dann in die Ölfarbe getaucht und anschließend in großen Bewegungen, durch Tupfen, in kleinen oder großen Kreisen, in schnellen Strichen, in Wellen, geradlinig oder kreuz und quer über den Malgrund geführt. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass der Finger ohne groß zu überlegen aus dem Gefühl heraus über den Malgrund wandert.  

Wird das Stoffstück als Pinselersatz verwendet, kann es über den Malgrund gezogen, gerollt oder gerieben werden, genauso kann der Stoff aber auch in Farbe getaucht und dann auf das Bild geworfen werden. 

Ähnliches wie für das Malen gilt auch für die Auswahl der Farben. Es kommt nicht darauf an, ob die Farben gemäß der Farbenlehre zusammenpassen oder ob eher nicht. Der Künstler sollte sich vielmehr von seiner aktuellen Stimmung und seinen Gefühlen leiten lassen und dann genau zu der Farbe greifen, nach der ihm gerade ist. 

 

Übrigens klingt dies in der Theorie recht einfach, in der Praxis zeigt sich aber oft, dass es gar nicht so leicht ist, Farben instinktiv auszuwählen. Oft schleicht sich nämlich doch der Gedanke ein, wie die jeweilige Farbe wohl auf dem Bild aussieht und ob sie zum Rest passt. Ob die aufgeklebten Elemente nun vollständig mit Farben überdeckt oder bestimmte Teile ausgelassen werden, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen.  

 

Wichtig ist letztlich nur, dass der Künstler seinem Gefühl folgt und auf sein Unterbewusstsein vertraut. Das Entscheidende beim experimentellen Malen ist, sich fallen zu lassen und unbeschwert zu experimentieren, ohne sich Gedanken über die mögliche Bildwirkung zu machen. Dabei eignen sich Ölfarben für das experimentelle Malen deshalb so gut, weil sie nur sehr langsam trocknen.  

Der Künstler wird also zwangsläufig Farben miteinander vermischen und Farbflächen verwischen. Insofern helfen Ölfarben von Haus aus dabei, ein spontanes, ungeplantes Ölbild zu malen. 

Weiterführende Anleitungen und Tipps zu Ölgemälden und Ölfarben: 

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