Infos und Tipps zu Collagen in der Ölmalerei

Infos und Tipps zu Collagen in der Ölmalerei

Ölfarben eignen sich für die verschiedensten Kunstwerke, angefangen bei Gemälden mit eher klassischen Motiven und musealem Charakter bis hin zu modernen, jungen und abstrakten Bildern. Selbst wenn sich der Künstler nur ein einziges Motiv aussucht, kann er völlig unterschiedliche Ölbilder malen, nämlich dann, wenn er verschiedene Maltechniken anwendet.

Infos und Tipps zu Collagen in der Ölmalerei

Malt er sein Bild in der Alla-Prima-Technik wird es ganz anders aussehen, als wenn er das gleiche Motiv in der Spachteltechnik gestaltet oder mit Lasuren anlegt.

Sehr interessante Effekte lassen sich aber auch durch Collagen erzielen. Collagen werden auch Materialbilder genannt und kennzeichnen sich dadurch, dass die Farben mit den verschiedensten Materialien und Elementen kombiniert werden.

Neben fast schon klassischen Materialien für Collagen wie Holz, Stoff, Papier, Metall, Kunststoff, Sand oder Steinen sind dabei auch Recycling-Materialien, angefangen bei alten Zeitungen über Kaffeefilter und Teebeutel bis hin zu Obstnetzen, sehr beliebt.

Gerade in Kombination mit Ölfarben kann eine Collage jedoch zur echten Herausforderung werden. Schließlich müssen nicht nur die langen Trocknungszeiten berücksichtigt werden, sondern Ölfarben sind generell eher anspruchsvoll.

Damit es trotzdem gelingt, hier die wichtigsten Infos und Tipps zu Collagen in der Ölmalerei in der Übersicht:

Infos und Tipps zu Collagen in der Ölmalerei (1)

Grundlegendes zu Collagen mit Ölfarben

Prinzipiell gibt es bei einer Collage zwei grundlegende Vorgehensweisen. Die erste Vorgehensweise besteht darin, das Anbringen von verschiedenen Materialien und Elementen auf dem Bildträger und das Malen mit Ölfarben getrennt voneinander durchzuführen. Dabei sind beide Reihenfolgen möglich.

Es können also zuerst die Bildelemente aufklebt und danach dann bemalt werden. Möglich ist aber genauso, zuerst den Hintergrund anzulegen und die Elemente anschließend zu montieren.

Werden Elemente wie Äste oder größere Stoffstücke in die Collage eingebettet, ist es jedoch ratsam, sie zuvor zu grundieren.

Dadurch ist sichergestellt, dass das Öl und die Farbpigmente gemeinsam auftrocknen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass nur das Öl in das Bildelement einzieht. Die Farbe würde in der Folge spröde auftrocknen, was zu Rissen führen könnte.

Die zweite Vorgehensweise besteht darin, das Malen und das Einbetten von Elementen in einem Arbeitsgang vorzunehmen. Diese Variante funktioniert jedoch in erster Linie bei leichten, kleinen und losen Materialien.

Interessant kann es sein, die Ölmalerei mit der Acrylmalerei zu kombinieren. Wird der Untergrund mit Acrylfarben angelegt, verkürzt sich nämlich die Trocknungszeit deutlich.

Zudem lassen sich Acrylfarben etwas leichter verarbeiten als Ölfarben. Andersherum können die beiden Farbsorten jedoch nicht miteinander kombiniert werden. Es ist also nicht möglich, erst mit Ölfarben zu malen und anschließend Acrylfarben aufzubringen.

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Der Bildträger für eine Collage

Collagen haben üblicherweise ein deutlich höheres Gewicht als herkömmliche Ölbilder. Vor allem, wenn größere oder schwerere Materialien eingearbeitet werden sollen, ist Leinwand als Bildträger deshalb eher nicht geeignet. Stattdessen bieten sich Holzplatten als Bildträger für Collagen an.

Holzplatten sind fester und stabiler, weshalb sie auch mit größeren Gewichten gut zurechtkommen. Außerdem gehört Holz zu den durchaus traditionellen Bildträgern in der Ölmalerei.

Bevor Holz mit Ölfarben bemalt werden kann, muss es jedoch grundiert werden. Dabei ist es ratsam, die Holzplatte zunächst mit Schleifpapier ein wenig anzurauen.

Auf der rauen Oberfläche kann sich die Grundierung nämlich besser verankern als auf einer glatten Oberfläche. Die erste Grundierungsschicht sollte dann verdünnt aufgebracht werden.

Andernfalls würde möglicherweise zu viel Farbe in das Holz einziehen, was nicht nur zu einem erhöhten Farbverbrauch führen, sondern vor allem auch das Gewicht der Holzplatte unnötig erhöhen würde.

Im Künstlerbedarf sind spezielle Grundiermittel erhältlich. Alternativ eignen sich Holzgrundierungen für Außenanstriche aus dem Baumarkt sehr gut.

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Möglich ist aber auch, die Untermalung für die Collage mit Acrylfarben anzulegen. In diesem Fall kann auf eine Grundierung verzichtet werden.

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Das Montieren und Aufkleben von Materialien

Größere Elemente werden meist mithilfe von Acrylkleber oder Strukturpaste auf dem Bildträger befestigt. Dabei können der Kleber oder die Paste als reiner Klebstoff dienen. Möglich ist aber auch, die Oberfläche mit dem Kleber oder der Paste zu strukturieren und die Bildelemente dann in diese Struktur einzubetten.

Unabhängig davon, ob die Materialien lediglich aufklebt oder eingebettet werden, ist aber wichtig, dass der Untergrund fettfrei ist. Auf dem Bildträger oder zumindest an den entsprechenden Bildstellen darf also noch nicht mit Ölfarben gemalt worden sein.

Acrylkleber, -paste und generell Acrylfarben würden auf der fetthaltigen Farbschicht nämlich nicht halten.

Kleinere und leichte Bildelemente wie beispielsweise Papierstücke, Kunststoffteilchen, Stofffetzen, Alufolie oder Kaffeebohnen können mithilfe von Harzfirnis montiert werden.

Bei stark saugenden Materialien ist es allerdings ratsam, sie zunächst mit Harzfirnis zu bemalen, trocknen zu lassen und erst danach in die Collage zu integrieren. Harzfirnis auf Basis von Balsam-Terpentinöl eignet sich zudem hervorragend als Zwischenfirnis. Dabei hat ein Zwischenfirnis gleich mehrere Funktionen.

So festigt es zum einen die bisherigen Farbschichten und sorgt für einen einheitlichen Glanz.

Zum anderen führt ein Zwischenfirnis zu einer leicht klebrigen Oberfläche, auf der weitere Materialien und die folgenden Farbschichten zuverlässig haften. Die Zwischenschicht sollte jedoch immer nur dünn aufgetragen werden.

Lose und körnige Materialien wiederum lassen sich direkt zusammen mit den Ölfarben vermalen. Das Bindemittel in den Ölfarben reicht aus, um die Materialien auf dem Untergrund zu verkleben.

Zum Vermalen werden die Ölfarben einfach mit Zusätzen wie beispielsweise Sand, Erde, Kaffeepulver, Grashalmen oder zerkleinerten Blütenblättern vermischt.

Um diese Farbschichten zu festigen, sollte nach dem Trocknen jedoch ein Zwischenfirnis aufgetragen werden.

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Mehr Tipps:

Haltbarkeit zuerst: „fett über mager“ bei Collagen

Ölmalerei bleibt ein Schichtsystem. Auch bei Materialbildern gilt: magere, poröse, klebstoffhaltige Schichten nach unten; fettere, ölreichere nach oben. Das reduziert Spannungen und beugt Rissen vor.

Ein einfacher Merksatz: kleben/strukturieren → malen → veredeln, und jede nächste Farbschicht enthält minimal mehr Öl/Medium als die vorherige.

Barriere gegen Öl-Migration

Saugende Collage-Elemente (Papiere, Stoffe, Naturmaterial) sollten vor dem Einbau ölblockend versiegelt werden, sonst wandert Leinöl hinein, Pigmente trocknen spröde aus und reißen.

Geeignet:

  • Acryl-Klarlack/-Medium (glänzend) als dünne Versiegelung (2× sehr dünn).
  • Schellack nur punktuell (spröde, nicht elastisch), eher als Fleckensperre.
  • Kein purer Harzfirnis als Primärversiegelung für starke Saugkörper – besser erst Barriere, dann malen, dann optional Zwischenfirnis.

Kleben im Öl-Umfeld: was hält wirklich

PVA (Buchbinderleim, pH-neutral) – ideal für Papier/Textil auf nicht öligen, grundierten Holzplatten; trocknet flexibel, gut alterungsbeständig.

Acryl-Gel/-Paste – trägt, füllt, strukturiert; super für leichte bis mittlere Materialien; nur auf fettfreiem Untergrund.

BEVA 371 (Konservierungs-Standard) – reversible Option für hochwertige/alte Papiere; Wärmereaktivierung möglich.

Epoxid (2K) – sehr stark, aber irreversibel und vergilbt leicht; nur für schwere Teile und punktuell auf Holz, nicht auf Leinwand.

Sekundenkleber – hart und spröde → nur Mikrofixierung, nicht für belastete Fugen.

Heißkleber – neigt zum Ablösen/Verspröden → vermeiden.

Tipp: Für Metall/Plastik immer anschleifen (P240–P400) + entfetten (Isopropanol/Aceton); bei Stahl zusätzlich Rostschutzprimer.

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Rigid statt flexibel: der passende Bildträger

Für Collagen sind Sperrholz, MDF, Hartfaser klar im Vorteil.

Vorgehen:

  1. Versiegeln (Rück- und Seitenkanten mit Acryl-Klarlack), um Verzug zu reduzieren.
  2. Grundieren: 1–2× Acryl-Gesso (verdünnt für die erste Schicht), alternativ Ölgrund (längere Wartezeit, wunderschöne Oberfläche).
  3. Strukturschichten/Kleber nur auf fettfreiem Grund aufbauen.

Acryl + Öl kombinieren – aber richtig

Acryluntergründe sparen Trockenzeit und sind stabil. Reihenfolge bleibt strikt: Acryl unten, Öl oben. Acrylkleber, -pasten und -farben haften nicht auf bereits öligen Flächen – Collage-Zonen daher vorab definieren und fettfrei halten.

Trocknen beschleunigen ohne Stress

  • Alkyd-Medien (z. B. Galkyd, Liquin) verkürzen Trocknungszeiten und binden lose Zuschläge (Sand, Erde) zuverlässig.
  • Sikkative (Kobalt/Mangan/Zirkonium) sehr sparsam (< 1 %) – Flecken/Runzeln sonst vorprogrammiert.
  • Dünn malen, Luft zirkulieren lassen; 18–22 °C und niedrige Luftfeuchte sind ideal.

Schwere Elemente sicher montieren

Bei massiven Objekten Kombi nutzen: mechanisch + kleben. Kleine Senkbohrungen, kurze Messingschrauben/Tackerklammern in Holz, Klebefuge mit Epoxid/PVA unterstützen.

Auf Leinwand: vermeiden – oder erst Leinwand auf Platte kaschieren.

Zwischen- und Schlussfirnis auf Relief

Zwischenfirnis (Retuschierfirnis) glättet den Glanz und verbessert Haftung weiterer dünner Lasuren. Bei starkem Relief nur nebeln, nicht fluten (Pfützen bleiben klebrig).

Schlussfirnis erst nach kompletter Durchtrocknung (bei Öl Wochen bis Monate) – bei extremen Oberflächen eher abstaubbarer Kastenrahmen als dicker Firnisfilm.

Sicherheit, die gern vergessen wird

Gute Lüftung, Nitrilhandschuhe, verschließbare Lösemittelgefäße. Ölige Lappen immer ausgebreitet trocknen oder in Metallbehälter – Selbstentzündungsgefahr! Kinder/Haustiere von getrockneten Pigmenten fernhalten.

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Zwei erprobte Workflows (Step-by-Step)

  1. A) „Schnell & leicht“ (Papier/Textil, kleiner Sandanteil)
  1. Platte versiegeln + 2× Acryl-Gesso.
  2. Collage-Zonen mit Acryl-Gel aufbauen, Materialien einbetten.
  3. Dünn retuschieren (Zwischenfirnis), danach Öl-Lasuren/Alla-Prima.
  4. Punktuell Alkyd für schnelle Details.
  5. Nach Trocknung: leichter Firnisnebel.
  1. B) „Schwer & skulptural“ (Holz/Metall/Stein)
  1. Platte rückseitig versiegeln; Vorderseite grundieren (Ölgrund oder robustes Acryl-Gesso).
  2. Kontaktflächen der Objekte anschleifen/entfetten; ggf. Rostschutz.
  3. Mechanische Fixierung + Epoxid punktuell; Fugen mit Strukturpaste angleichen.
  4. Öl mit Zuschlägen (Sand, Marmormehl, kaltes Wachs) für Relief; fett über mager aufbauen.
  5. Schutz durch Kastenrahmen, später minimaler Schlussfirnis.

Fehlerbild → Ursache → Lösung (Kurzdiagnose)

  • Risse in Farbinsel → zu fett auf zu mager / Öl in unversiegelte Papiere migriert → magerer unterbauen, saugende Teile vorab versiegeln.
  • Kleber löst sich → auf öliger Fläche geklebt → Kleben nur auf fettfreiem Grund; ggf. mechanisch sichern.
  • Glanzflecken → unterschiedliche Saugfähigkeit → Zwischenfirnis angleichen, dünn übernebeln.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal, alias Christian Gülcan und Ferya Gülcan. Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei und Ölmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder und Ölbilder im Großformat, wenden aber auch andere Maltechniken und Farben an.

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