Die 4 Hauptfarben und ihre Bedeutung

Die 4 Hauptfarben und ihre Bedeutung 

Natürlich wäre es möglich, ein Bild nur mit schwarzer und weißer Ölfarbe zu malen. Doch selbst wenn die beiden Farben immer wieder anders angemischt würden, um verschiedene Grautöne zu erzeugen, wären die Bilder auf Dauer ganz schön eintönig. Ohne echte Farben kommt die Kunst deshalb nicht aus. Und dabei hat jede Farbe ihre eigene Bedeutung.

In der Natur haben die verschiedenen Farben mitunter Funktionen, die das Überleben sicherstellen. Für den Menschen hingegen dienen Farben in erster Linie als Zierde. Die Mode beispielsweise wäre ohne Farben genauso undenkbar wie die Kunst. Interessant ist aber auch ein Blick auf die Kulturgeschichte. Denn anders als in der Kunst, wo hauptsächlich die Farbwirkung und die Ausdruckskraft zählen, geht in der Kulturgeschichte jede Farbe mit einer eigenen Symbolik einher.

In der Kunst gibt es die sogenannte Drei-Farben-Theorie. Diese Theorie geht davon aus, dass es drei Grundfarben gibt. Diese drei Grundfarben sind Gelb, Rot und Blau. Alle anderen Farben lassen sich aus diesen drei Grundfarben anmischen. Aus diesem Grund werden die Grundfarben auch als Primärfarben bezeichnet, während die Farbtöne, die aus den Primärfarben gemischt wurden, Sekundärfarben genannt werden. Das Drei-Farben-Prinzip macht sich aber nicht nur die Kunst zunutze. Stattdessen arbeiten beispielsweise auch Fernsehbildschirme und Farbmonitore mit dieser Theorie.

Möchte sich ein Hobby-Maler eine Grundausstattung für die Ölmalerei zulegen, reicht es im Prinzip aus, wenn er sich gelbe, rote und blaue Ölfarbe besorgt. Zusammen mit weißer und schwarzer Ölfarbe kann er sich alle anderen Farbtöne, die er für seine Ölbilder benötigt, aus diesen Farben anmischen. Und tatsächlich ist es so, dass Gelb, Blau und Rot auch am häufigsten verwendet werden.

Hinzu kommt noch die Farbe Grün, auch wenn Grün keine Grundfarbe, sondern eine Mischung aus Gelb und Blau ist. Insofern ließen sich Gelb, Rot, Blau und Grün als so etwas wie Hauptfarben bezeichnen. Doch wofür stehen diese vier Hauptfarben eigentlich?

Dieser Frage gehen wir im Folgenden nach.

 

Gelb

Früher war Gelb dem chinesischen Kaiser und den Mönchen vorbehalten. Aus diesem Grund durfte das Volk keine gelben Gewänder tragen. Lieferant für die gelbe Farbe war Safran. Nachdem für ein Gramm Safran aber rund 80 Krokusblüten benötigt werden, war Safran sehr, sehr kostbar. Auch heute noch zählt Safran zu den teuersten Gewürzen überhaupt. Gleichzeitig hat Safran eine enorm intensive Färbekraft.

So reicht ein einziger Safranfaden aus, um mehrere Liter Wasser gelb einzufärben. Dabei entsteht der Farbstoff namens Corcin ganz automatisch, wenn getrocknete Safranfäden mit Wasser in Kontakt kommen. Später wurde gelber Farbstoff zunehmend aus der Resedapflanze und der Gelbwurz gewonnen, die beide um ein Vielfaches preiswerter sind als Safran.

Die Farbe Gelb wiederum war lange Zeit die Farbe der Liebe. Später wurde sie aber auch zum Symbol für Wolllust. Der Klerus ordnete deshalb im Mittelalter den Prostituierten die Farbe Gelb zu. Fortan wurden sie verpflichtet, sich durch einen gelben Gürtel oder ein anderes gelbes Accessoire zu erkennen zu geben. Im weiteren Verlauf bekam die Farbe Gelb dann einen immer schlechteren Ruf. Judas etwa, der Jesus verraten hatte, wurde auf Darstellungen in einem gelben Mantel abgebildet. Im Nationalsozialismus mussten Juden einen gelben Stern tragen.

Eine ähnliche Verpflichtung hatte es schon im 12. Jahrhundert gegeben, als sich Juden durch einen gelben Hut kenntlich machen mussten. Auch im Sprachgebrauch etablierten sich Redewendungen, die das schlechte Image der Farbe Gelb widerspiegelten. Gelb vor Neid sein oder Galle spucken sind zwei Beispiele dafür.

Heute ist von dem schlechten Ruf nichts mehr übrig. So ist die Farbe Gelb die Farbe der Sonne. Sie steht für Fröhlichkeit und Lebensfreude, symbolisiert aber auch Erkenntnis und Reife.

  

Blau

Die Farbe Blau ist schon seit jeher positiv besetzt. Immerhin gilt Blau als die Farbe der Götter, die nicht ohne Grund im unendlich weiten, blauen Himmel sitzen. In Persien, im alten Ägypten und im antiken Babylonien wurden Gottheiten auf Bildern immer in blauen Gewändern dargestellt. Auch die Gottesmutter Maria ist meist mit einem blauen Mantel gekleidet und sogar im Märchen tragen die guten Märchenwesen sehr oft blaue Kleider. Indische Gottheiten haben eine blaue Haut und ein blauer Elefant ist das Sinnbild für die Erleuchtung.

Der Hinduismus geht davon aus, dass die Welt aus einem blauen Licht entstand. Daneben gibt es ein Element, das in unzähligen Blautönen vorkommt und lebenswichtig ist: Wasser. Im Alltag wiederum zeugt das Blaulicht auf Einsatzfahrzeugen davon, dass Hilfe naht.

Unendlichkeit, Hoffnung und Hilfe sind aber nur drei Bedeutungen der Farbe Blau. Zwei andere Bedeutungen sind Tiefe und Treue. Hiervon wiederum leiten sich verschiedene Bräuche für das Zusammenleben und die Ehe ab. So sollte der Schmuck zur Verlobung beispielsweise mit Saphiren besetzt sein und eine Braut sollte immer etwas Blaues tragen.

In der Natur sind Lieferanten für blaue Farbstoffe recht spärlich gesät. Die bekanntesten Rohstoffe sind Indigo, Färberwaid und Lapislazuli.

 

Rot

Die Farbe Rot steht für das Feuer, das Blut, die Liebe und die Leidenschaft. Der Legende nach soll Gott rote Erde verwendet haben, um Adam zu formen. Schmuck mit Rubinen soll Unheil abwenden und rote Bettwäsche soll Krankheiten fernhalten. In China treten Bräute im roten Brautkleid vor den Traualter. Dabei soll das rote Brautkleid die Hoffnung auf eine glückliche Ehe ausdrücken, Glück bringen und zugleich die Weiblichkeit betonen. Auch hierzulande war es bis in 18. Jahrhundert hinein üblich, in einem roten Kleid zu heiraten.

In vielen Naturvölkern war die Farbe Rot die Farbe, die böse Mächte fernhalten sollte. Außerdem war ein weit verbreiteter Brauch, die Waffe vor dem Aufbruch in eine Schlacht in Blut zu baden. Daneben symbolisiert Rot die Macht. Aus diesem Grund trugen früher die Henker, die immerhin über Leben und Tod entschieden, rote Roben. Und auch heute noch tragen die höchsten Richter hierzulande rote Roben.

Gleichzeitig ist Rot eine Alarmfarbe, die Gefahr signalisiert. Im Mittelalter galten Rothaarige als Hexen, Rot war die Farbe des Teufels und der Fuchs mit seinem roten Fell war wenig beliebt. In der Tierwelt soll die Farbe Rot während der Balz die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ansonsten potenzielle Feinde abschrecken. Auch im alltäglichen Leben des Menschen soll die Farbe Rot auf Gefahren hinweisen oder zur Vorsicht mahnen. Aus diesem Grund sind beispielsweise Stoppschilder, Alarmknöpfe, Ein-Aus-Schalter oder auch Bremslichter rot.

Als Lieferant für rote Farbstoffe hält die Natur zahlreiche Rohstoffe bereit. Eisenoxid, Zinnober, Henna, Ton oder die Schildlaus sind ein paar Beispiele dafür.

 

Grün

Der Name Grün leitet sich vom germanischen ghro ab und bedeutet übersetzt soviel wie wachsen oder gedeihen. In der Zeit der Minnesänger symbolisierte Grün die Liebe. Ledige Frauen zogen sich seinerzeit grüne Kleider an und gaben möglichen Verehrern damit zu verstehen, dass ihr Werben von Erfolg gekrönt sein könnte. In Korea ist auch heute noch ein grünes Tuch ein klassisches Accessoire jeder Braut. Dabei soll das Tuch zum einen zum Ausdruck bringen, dass die Frau frisch vermählt ist, und ihr zum anderen Fruchtbarkeit bescheren.

Die Kirche stand der Farbe Grün zunächst recht skeptisch gegenüber. Für sie ging das Symbol der Fruchtbarkeit mit etwas Anrüchigem einher. Daher erklärte die Kirche, dass der Teufel auf seiner Jagd nach Seelen mit einem grünen Rock gekleidet ist. Überstützt wurde diese Haltung durch das sogenannte Schweinfurter Grün. Dieses Grün setzte sich aus Arsen und Grünspan zusammen und wurde deshalb unter dem Beinamen Giftgrün bekannt.

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte sich die Farbe Grün aber mit einer positiven Symbolik durchsetzen. So gilt Grün als die Farbe der Hoffnung, des Wachstums, der Erneuerung und der Fruchtbarkeit. Die Kirche hat sich ebenfalls mit der Farbe Grün angefreundet. Die Fastenzeit beispielsweise endet am Gründonnerstag. Am letzten Tag der Fastenzeit wird zudem traditionell grünes Gemüse gegessen, das als Sinnbild für den Erlass der Sünden steht.

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