Einen Preis für eigene Bilder festsetzen – Infos und Tipps

Einen Preis für eigene Bilder festsetzen – Infos und Tipps 

Wenn es darum geht, einen Preis für eigene Ölbilder zu ermitteln, bietet es sich an, mit der sogenannten Faktorformel zu rechnen. Hier sind Infos und Tipps dazu!

 

Viele Künstler und Hobby-Maler möchten ihre Bilder gerne verkaufen. Dabei stellt sich regelmäßig die Frage, wie sie einen Preis für die eigenen Bilder festsetzen können. Schließlich steckt in einem Bild viel Arbeit und Herzblut. Doch anders als die reinen Materialkosten lässt sich der ideelle Wert nur schwer beziffern.

Natürlich steht es jedem Künstler frei, seine eigene Methode für die Preisfindung zu entwickeln. Von romantischen Vorstellungen sollte sich der Künstler aber lösen. Der Kunstmarkt ist ein Geschäft, bei dem Emotionen nur am Rande eine Rolle spielen. Mit nüchterner Mathematik kommt der Künstler deshalb letztlich am weitesten. Das gilt jedenfalls dann, wenn er seine Bilder tatsächlich verkaufen und sich in der Kunstszene langfristig einen Namen aufbauen möchte. 

 

Die Faktorformel

In der Renaissance entstand der Gedanke, dass der Wert eines Gemäldes nicht nur von der Arbeitszeit, den Materialien und den sonstigen Kosten des Künstlers abhängt. Stattdessen wird der Wert eines Gemäldes auch vom Namen und Bekanntheitsgrad des Künstlers mitbestimmt. Der Materialwert spielt somit eine ebenso große Rolle wie der Künstlerwert. Im Impressionismus wurde dieser Gedanke dann in eine recht simple Formel übertragen.

Sie lautet:

 

Höhe + Breite x Künstlerfaktor

 

Diese Formel hat bis heute Bestand. Junge Kunstschaffende orientieren sich an dieser Formel und Galeristen werden sie an, um den Preis von Kunstwerken festzulegen. Dabei bezieht sich die Formel aber nicht nur auf Ölbilder, sondern genauso auch auf beispielsweise Acrylbilder und Aquarelle. Sogar bei Plastiken und Skulpturen wird die Formel verwendet. Im Unterschied zu Bildern und Gemälden wird bei Plastiken aber zusätzlich zur Breite und Höhe auch die Tiefe einbezogen. 

 

Der Künstlerfaktor

Wenn es darum geht, den Preis für eigene Ölbilder mithilfe der gängigen Formel festzusetzen, sind die Bildmaße kein Problem. Schließlich muss der Künstler nur die Höhe und die Breite seines Bildes ausmessen. Doch was ist mit dem Künstlerfaktor? Wie wird er ermittelt? Zunächst einmal hat jeder Künstler einen bestimmten und somit seinen Faktor.

Nun wird dieser Faktor aber von vielen verschiedenen Einflüssen mitbestimmt. Ein ganz wesentlicher Aspekt in diesem Zusammenhang ist der Bekanntheitsgrad. Je bekannter, erfolgreicher und beliebter ein Künstler ist, desto höher ist sein Marktwert und desto höher ist auch sein Künstlerfaktor.

Dabei lässt sich der Bekanntheitsgrad steigern. Beiträge in der Presse und im Internet oder Ausstellungen beispielsweise können dazu beitragen, dass sich der Künstler zunehmend einen Namen macht. War der junge, noch unbekannte Kunstschaffende Schüler eines namhaften Künstlers, wirkt sich das üblicherweise ebenfalls positiv auf den Kunstfaktor aus. Gleiches gilt, wenn der Künstler mit Preisen ausgezeichnet wird.

Denn dadurch erhält er Qualifikationen, die mit einer Art Gütesiegel vergleichbar sind. In der Kunstbranche spielt aber auch das Glück eine nicht unwichtige Rolle. Der Künstler braucht letztlich das berühmte Quäntchen Glück, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und im passenden Moment einen Galeristen, einen Gönner oder einen Förderer zu finden.

Auf den Punkt gebracht, heißt das: Junge, noch unbekannte Künstler beginnen mit einem niedrigen Kunstfaktor. In der Praxis ist üblich, den Faktor mit 5 bis 8 anzusetzen. Im Laufe der Zeit erhöht sich der Künstlerfaktor dann zunehmend, wobei es nach oben hin grundsätzlich keine Grenzen gibt. Hat der Künstler irgendwann den Durchbruch geschafft, rückt die Faktorformel immer weiter in den Hintergrund.

Bei großen Künstlern ist der Name eine eigene Marke und der Wert ihrer Arbeiten bemisst sich nach anderen Kriterien. Doch bis dahin ist es ein sehr langer Weg und längst nicht jedem Künstler ist dieser Erfolg vergönnt. Interessant zu wissen ist aber, dass sich auch die großen Künstler am Anfang ihrer Karriere größtenteils an die Faktorformel gehalten haben.

 

Ein Beispiel zur Faktorformel

Wie die Faktorformel konkret angewendet wird, lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen: Angenommen, ein junger, unbekannter Künstler hat ein Ölbild gemalt, das 50 x 80 cm groß ist. Seinen Künstlerfaktor legt er mit 6 fest. Dann ergibt sich folgender Preis für sein Bild:

 

Höhe + Breite x Künstlerfaktor = Preis
50 + 80 x 6 = 130 x 6 = 780 Euro

 

 

Die Formel für den Künstlerfaktor

Andersherum lässt sich durch den Preis eines Bildes ausrechnen, wie hoch der Faktor des Künstlers ist. Dafür werden zuerst die Maße des Bildes addiert. Anschließend wird der Preis durch die Bildmaße geteilt. Das Ergebnis dieser Rechnung ist der Künstlerfaktor. Die Formel lautet also:

 

Kaufpreis : (Höhe + Breite des Gemäldes) = Künstlerfaktor

 

Für potenzielle Käufer, Sammler, Kunstinteressierte, Galeristen und nicht zuletzt den Künstler selbst ist diese Formel nicht unwichtig. Denn durch den Künstlerfaktor wird es möglich, die Arbeiten eines Künstlers miteinander zu vergleichen. Gleichzeitig lässt sich die Entwicklung des Künstlers nachvollziehen. Konnte er seinen Künstlerfaktor steigern? Und wenn ja, wie schnell und in welchem Umfang?

Außerdem bietet der Künstlerfaktor die Möglichkeit, verschiedene Künstler miteinander zu vergleichen. Auf dem Kunstmarkt heißt es dann: “Dieser Künstler wird mit Faktor X gehandelt.” Damit weiß jeder sofort, in welcher Preisklasse sich die Bilder bewegen.

 

Angebot und Nachfrage

Die Formel bildet eine erste Grundlage für die Preisgestaltung. Doch der Preis, den der Künstler erzielen möchte, ist nur die eine Seite. Am Ende geht es darum, einen Käufer zu finden, der bereit ist, diesen Preis auch zu bezahlen. An diesem Punkt gibt es ein paar Regeln, die in erster Linie in Galerien üblich sind. Der Künstler, der seine Bilder in Eigenregie verkauft, kann sie aber natürlich ebenso umsetzen:

·         Für alle Bilder des Künstlers in gleicher Größe wird der gleiche Preis festgelegt.

·         Die Bilder werden nicht mit Preisen ausgezeichnet. Stattdessen werden die Preise auf Nachfrage mitgeteilt.

·         Die Preise für die Bilder eines Künstlers werden nicht gesenkt. Und es gibt auch keine Rabattaktionen, Ausverkäufe oder sonstigen Schnäppchen-Events.

Für diese Regeln gibt es einleuchtende Gründe. Ein Galerist ist von der Arbeit des Künstlers überzeugt. Zudem möchte er den Künstler auf seinem Karriereweg begleiten und unterstützen, ihn im Idealfall sogar groß herausbringen. Das tut der Galerist natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil der Erfolg des Künstlers auch auf den Galeristen zurückfällt. Würde der Galerist nun die Bilder seines Künstlers zu Schnäppchenpreisen verschleudern, käme dies einem Eingeständnis von mangelndem Kunstverstand und fehlendem Wissen über den Kunstmarkt gleich.

Der Galerist würde einräumen, dass er sich mit der Einschätzung des Künstlers und dessen Potenzial auf dem Kunstmarkt geirrt hat. Damit würde der Galerist das Vertrauen des Künstlers und der Kunden verspielen. Als weiterer Aspekt kommt noch dazu, dass der Kunstmarkt schon immer bemüht ist, sich von alltäglichen Dingen abzuheben. Ungeachtet der Faktorformel darf nie das Gefühl entstehen, dass ein Kunstwerk ein profaner Gebrauchsgegenstand ist, der eben reduziert wird, wenn er sich als Ladenhüter entpuppt.

Doch letztlich regelt auch auf dem Kunstmarkt die Nachfrage das Angebot. Für den Künstler bedeutet das, dass er für sich den richtigen Punkt auf der Skala zwischen „billig und viel verkaufen“ und „teuer und wenig, schlimmstenfalls gar nichts verkaufen“ finden muss. Setzt der Künstler seinen Faktor zu hoch an, besteht die Gefahr, dass er die gewünschten Preise nicht erzielen wird. Auf der anderen Seite muss der Künstler abwägen, ob er seine Arbeiten wirklich unter Wert verkaufen kann und will.

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