Malen mit Primärfarben und Komplementärfarben, 1. Teil

Malen mit Primär- und Komplementärfarben, 1. Teil

Die Primär-, vor allem aber die Komplementärfarben haben großen Einfluss darauf, wie ausdrucksstark und harmonisch eine Malerei wirkt. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass sich die Wirkung von Farben gut nachvollziehen und anschließend beim Malen umsetzen lässt.

Der erste Eindruck von beispielsweise einem Ölbild wird von den Farben bestimmt. Denn das menschliche Gehirn kann farbliche Informationen viel schneller erfassen und verarbeiten als etwa Formen, Oberflächen oder Strukturen.

Sieht der Betrachter bei einem Ölbild beispielsweise eine große Farbfläche in kräftigem Gelb, nimmt er zunächst das strahlende Gelb dieser Fläche wahr. Welche Form die Fläche hat, welche Oberflächenstruktur sie aufweist und was sie darstellt, wird erst auf den zweiten Blick ersichtlich.

Gleichzeitig können Farben verschiedene Botschaften transportieren. So können sie warm oder kalt wirken, Fröhlichkeit oder Trauer ausstrahlen, offen oder geheimnisvoll aussehen, laut und schrill oder sanft und dezent sein. Außerdem können Farben harmonisch zusammenpassen und sich gegenseitig ergänzen oder sich beißen. Und genau an dieser Stelle kommen die Komplementärfarben ins Spiel. Denn wie Farben wirken, hat nichts mit Zufall zu tun. Stattdessen steckt nichts anderes als Physik dahinter.

Aber keine Angst: Ein Künstler oder Hobby-Maler muss nicht in die Tiefen der Physik eintauchen, um die Wirkung von Farben zu verstehen und gezielt einsetzen zu können. Es genügt völlig, wenn er sich ein paar Grundlagen aus der Farblehre aneignet. Wir haben einen ausführlichen Ratgeber zum Malen mit Primär- und Komplementärfarben zusammengestellt.

Los geht’s mit Teil 1!

 

Die Primärfarben

Es gibt drei Primärfarben. Sie können nicht in andere Farbtöne zerlegt und andersherum deshalb auch nicht aus anderen Farben zusammengemischt werden. Eine andere Bezeichnung für die Primärfarben lautet Grundfarben und zu ihnen gehören

  • Gelb,
  • Blau und
  • Rot.

[Primärfarben]

Primärfarben

Die drei Primärfarben sind dominante Farben mit der stärksten Ausdruckskraft. Dieser Effekt wird vor allem dann deutlich, wenn mindestens zwei der Grundfarben miteinander kombiniert werden. Ein Beispiel sind Clownskostüme. Hier unterstützen die Grundfarben die sympathische, fröhliche und lebendige Ausstrahlung. Aber auch die starke Ausdruckskraft von expressionistischen Gemälden geht oft darauf zurück, dass zwei Primärfarben nebeneinander eingesetzt werden.

 

Die Sekundärfarben

Es ist nicht möglich, die Grundfarben aus anderen Farben anzumischen. Umgekehrt lassen sich aus den Primärfarben aber praktisch alle anderen Farben zusammenmischen. Diese Mischfarben wiederum werden als Sekundärfarben bezeichnet.

Dabei ist immer dann eine Sekundärfarbe vorhanden, wenn zwei Primärfarben zu gleichen Teilen miteinander gemischt werden. Und weil es drei Grundfarben gibt, können daraus ebenfalls drei Sekundärfarben entstehen:

  • Gelb + Blau = Grün
  • Gelb + Rot = Orange
  • Blau + Rot = Violett

Mit den Primär- und den Sekundärfarben sind also sechs verschiedene Farben vorhanden. Sie lassen sich in einem Farbkreis anordnen. Dafür wird der Kreis in sechs gleichgroße Felder eingeteilt. Drei der Felder werden mit den Primärfarben ausgefüllt, wobei zwischen den Primärfarben immer ein Feld frei bleibt. Anschließend können die freien Felder mit den Sekundärfarben ausgefüllt werden, die sich aus den beiden Primärfarben in den Nachbarfeldern ergeben.

[Sekundärfarben]

Sekundärfarben

Die Komplementärfarben

Der Farbkreis mit den sechs Primär- und Sekundärfarben zeigt nicht nur, welche Mischfarben aus den Grundfarben entstehen. Stattdessen stellt er gleichzeitig auch die Komplementärfarben dar.

Diese Bezeichnung leitet sich vom lateinischen complementum für Ergänzung ab. Jede Grundfarbe hat nämlich eine Ergänzung. Und die beiden Farben, die komplementär sind, sich also gegenseitig ergänzen, stehen sich im Farbkreis gegenüber. Komplementärfarben sind demnach

  • Gelb und Violett,
  • Rot und Grün sowie
  • Blau und Orange.

[Komplementärfarben]

Komplementärfarben

An diesem Punkt basiert die Farblehre auf einem ganz einfachen Schema: Die drei Grundfarben bilden am Ende immer eine Einheit.

Klarer wird das Schema anhand eines Beispiels: Wenn die beiden Primärfarben Rot und Gelb miteinander vermischt werden, entsteht Orange. Blau als dritte Grundfarbe wird bei dieser Mischung nicht verwendet und bleibt somit übrig. Trotzdem hat Blau eine Funktion. Denn Blau ist die Komplementärfarbe von Orange. Und damit schließt sich der Kreis wieder.

 

Der Farbkreis nach Itten

Der Schweizer Maler und Kunsthistoriker Johannes Itten hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen umfangreicheren Farbkreis entwickelt. Bei diesem Farbkreis kommen zu den Primär- und den Sekundärfarben noch die Tertiärfarben dazu.

Eine Tertiärfarbe entsteht, wenn eine Primärfarbe mit einer Sekundärfarbe gemischt wird, also beispielsweise Gelb als Primärfarbe mit Grün als Sekundärfarbe. Durch die Ergänzung um die Tertiärfarben hat der Farbkreis nach Itten zwölf Farbfelder.

[Farbkreis]

Farbkreis

Ittens Farbkreis ist auch heute noch eine der Grundlagen der Farblehre. Die Handhabung gestaltet sich genauso wie beim einfacheren Farbkreis mit sechs Feldern. Auch im Farbkreis nach Itten sind also die Grundfarben und in den Feldern daneben die Sekundär- und Tertiärfarben, die jeweils aus den Nachbarfeldern entstehen, angeordnet. Die Komplementärfarben wiederum stehen sich jeweils genau gegenüber.

Damit ist sind die grundlegenden Begriffe der Farblehre abgeschlossen. Viel mehr Theorie braucht es nicht. Im 2. Teil erklären wir, wie der Künstler einen Farbkreis anlegen und bei der Farbzusammenstellung für seine Ölbilder nutzen kann.

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