Malen in Öl: Ein paar Hinweise für Anfänger

Malen in Öl: Ein paar Hinweise für Anfänger

Wer in einem Museum, einer Galerie oder einer Kunstausstellung steht und die tollen Gemälde sieht, bekommt vielleicht Lust darauf, die Ölmalerei selbst auszuprobieren. Auf der anderen Seite ist der Respekt vor dem Malen mit Ölfarben oft recht groß.

Immerhin gilt die Ölmalerei als die Königsdisziplin der Malerei und es wird regelmäßig darauf hingewiesen, dass für das Malen in Öl Wissen und Erfahrung notwendig sind. Außerdem tauchen ein paar Fragen auf, beispielsweise welche Materialen eigentlich benötigt werden.

Wir haben deshalb zum Malen in Öl ein paar Hinweise für Anfänger zusammengestellt:

 

Die Materialien für die Ölmalerei

Das wichtigste Utensil für die Ölmalerei sind natürlich die Ölfarben. Allerdings muss sich der Anfänger nicht gleich ein großes Sortiment zulegen. Es reicht völlig, wenn er sich Ölfarben in den Farben Gelb, Rot, Grün, Blau, Schwarz und Weiß besorgt.

Alle anderen Farbtöne kann er sich aus diesen Farben anmischen. Und statt auf Masse sollte der Anfänger besser auf Klasse setzen. Das heißt: Er sollte sich lieber wenige, dafür aber qualitativ hochwertige Ölfarben besorgen. Zu Beginn muss es zwar nicht gleich die allerbeste Profiqualität sein.

Doch minderwertige Farben sind schwieriger in der Handhabung und die Ergebnisse sind oft nicht unbedingt überzeugend. Ist sich der angehende Ölmaler unsicher, welche Farben er nehmen soll, ist er mit einem Basis-Set für Einsteiger aus dem Künstlerbedarf gut beraten.

Ebenso wichtig wie die Ölfarben sind die Pinsel. Und auch hier gilt, dass der Anfänger auf eine gute Qualität achten sollte. Zwei, drei Borstenpinsel in verschiedenen Stärken und vielleicht noch zwei unterschiedlich dicke Haarpinsel genügen für den Anfang völlig.

Später kann der Ölmaler seine Ausstattung immer noch um weitere Pinsel und Malspachtel erweitern. Aber wenn er zu Pinseln greift, die ihre Haare verlieren, gleich hart werden oder sich kaum reinigen lassen, wird er an der Ölmalerei wenig Freude haben.

Zwei weitere Mittel, die sich der angehende Ölmaler besorgen sollte, sind Leinöl und Terpentin. Mit Leinöl kann die Konsistenz der Ölfarben verändert werden, Terpentin wird unter anderem für die Reinigung der Pinsel benötigt. Im Künstlerbedarf sind noch viele andere Malmittel für die Ölmalerei erhältlich, die beispielsweise die Trocknungszeit der Ölfarben verkürzen oder verlängern. Für den Anfang sind solche Malmittel aber nicht notwendig und bevor der angehende Ölmaler mit Malmitteln herumexperimentiert, sollte er sich besser mit den Ölfarben als solches vertraut machen.

Der letzte wichtige Punkt auf der Materialliste für die Ölmalerei ist der Malgrund. Die beiden traditionellen Malgründe für Ölbilder sind Holzplatten und Leinwand. Leinwände, die auf einen Keilrahmen aufgespannt und oft auch schon grundiert sind, sind im Künstlerbedarf erhältlich. Möchte der angehende Ölmaler auf einer Holzplatte malen oder sich seine Leinwand aus einem ausgemusterten Betttuch selbst anfertigen, muss er seinen Malgrund sorgfältig grundieren.

Tatsächlich ist der angehende Ölmaler aber am besten beraten, wenn er seine ersten Ölbilder auf Malpappe malt. Malkarton und Ölmalblöcke sind kostengünstig im Künstlerbedarf erhältlich. Durch die geringeren Anschaffungskosten fällt es leichter, frei zu malen und verschiedene Techniken auszuprobieren. Denn der Ölmaler hat nicht das etwas komische Gefühl, dass er möglicherweise eine doch etwas teurere Leinwand verschwendet. Ein weiterer großer Pluspunkt von Malpappe ist, dass sich der Ölmaler die Grundierung sparen kann.

 

Die Umsetzung der Ölmalerei

Wenn das Ölbild auf einer Leinwand oder einer Holzplatte gemalt wird, besteht der erste Arbeitsschritt immer darin, den Malgrund zu grundieren. Das gilt auch dann, wenn die Leinwand gebrauchsfertig und damit bereits vorgrundiert gekauft wird. Die Grundierung ist sehr wichtig, denn sie beeinflusst die Qualität und die Haltbarkeit des Ölbildes maßgeblich.

Durch das Grundieren schließt sich die Oberfläche, was zur Folge hat, dass der Malgrund den Ölfarben das Öl als Bindemittel nicht entzieht. Würde der Malgrund den Farben das Öl entziehen, wären unschöne Runzeln und Risse in den Farbflächen die Folge. Grundierungen für die Ölmalerei sind im Künstlerbedarf erhältlich. Sie werden mit dem Pinsel in mehreren dünnen Schichten auf den Malgrund aufgetragen, wobei die einzelnen Schichten jeweils trocknen müssen. Entsteht das Ölbild auf Malkarton, kann auf die Grundierung verzichtet werden.

Ist die Grundierung fertig, kann das eigentliche Malen beginnen. Eine wesentliche Grundlage bei der Ölmalerei ist, dass ein Bild in Schichten aufgebaut wird. Der Ölmaler gestaltet also eine Farbschicht auf seinem Malgrund, legt dann die nächste Farbschicht darüber, mal dann eine weitere Farbschicht und immer so weiter. Nach und nach entsteht auf diese Weise das Motiv. Ein großer Vorteil in diesem Zusammenhang ist, dass Ölfarben sehr langsam trocknen.

Der Ölmaler hat dadurch viel Zeit, um die einzelnen Farbschichten zu gestalten und Korrekturen vorzunehmen. Außerdem kann er direkt auf seinem Bild verschiedene Farben ineinander malen, um so Mischfarben zu kreieren. Andererseits erfordert die Ölmalerei eben wegen der langen Trocknungszeiten viel Geduld. Denn wenn der Ölmaler möchte, dass seine aufgetragenen Farbschichten so bleiben wie sie sind, muss er abwarten, bis sie trocken sind. Und das kann je nach Dicke mehrere Tage lang dauern.

Aber an dieser Stelle hilft ein Trick: Der Ölmaler kann den Hintergrund und die unteren Farbschichten mit Acrylfarben malen. Acrylfarben sind ähnlich farbintensiv wie Ölfarben, trocknen aber sehr viel schneller. Die oberen Farbschichten im Vordergrund kann der Ölmaler dann mit Ölfarben gestalten.

Und dann gibt es da noch eine Regel, die bei der Ölmalerei unbedingt beachtet werden muss. Diese Regel lautet: fett auf mager. Gemeint ist damit der Ölanteil in den Farben. Je mehr Farbschichten übereinandergelegt werden, desto mehr Öl muss den Farben für die oberen Farbschichten hinzugefügt werden. Andernfalls würden die oberen Farbschichten reißen, wenn das Ölbild trocknet.

 

Der Schwierigkeitsgrad vom Malen in Öl

Die Ölmalerei gilt als die Königsdisziplin der Malerei. Ob das daran liegt, dass die Ölmalerei auf eine lange Tradition zurückblickt und eine große Rolle in der Kunstgeschichte spielt? Oder daran, dass die großen Meister in Öl gemalt haben und die weltberühmten Gemälde überwiegend Ölbilder sind? Oder daran, dass der Umgang mit Ölfarben eher anspruchvoll ist und Wissen erfordert? Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen.

Doch der angehende Ölmaler sollte sich davon weder beirren noch abschrecken lassen. Denn letztlich erfordert jede Maltechnik Übung und jede Farbart hat ihre Eigenheiten.

Natürlich werden bei den ersten Malversuchen noch keine großen Kunstwerke entstehen. Und sicherlich wird dem Anfänger der eine oder andere Fehler unterlaufen. Das gilt aber nicht nur für die Ölmalerei, sondern wäre genauso, wenn der Anfänger die ersten Gehversuche mit beispielsweise Aquarellfarben, Tusche oder Acrylfarben startet.

Rein vom Schwierigkeitsgrad und auch von den Anschaffungskosten für die Materialien her gibt es jedenfalls keine großen Unterschiede zwischen der Ölmalerei und anderen Maltechniken. Deshalb gibt es überhaupt keinen Grund, weshalb der Anfänger das Malen in Öl nicht ausprobieren sollte.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Malen in Öl: Ein paar Hinweise für Anfänger

Teilen:

Kommentar verfassen