Firnisse in der Ölmalerei, 1. Teil

Firnisse in der Ölmalerei, 1. Teil 

Wer sich mit der Ölmalerei beschäftigt, wird früher oder später auch dem Firnis begegnen. Aber was ist ein Firnis? Welche Aufgabe hat er? Wann und wie wird er aufgetragen? Und kann der Künstler seinen Firnis auch selbst herstellen?

In einem zweiteiligen Beitrag haben wir viele Infos und Tipps rund um Firnisse in der Ölmalerei zusammengestellt. Dabei geht es hier, im 1. Teil, um Grundwissen zu Firnissen.

Welche Funktionen haben Firnisse in der Ölmalerei?

Ein Firnis ist ein transparenter Überzug für ein Ölbild. Er bildet einen harten und stabilen Film, der sich als Schutzschicht über die Malerei legt. Dadurch hat der Firnis eine konservierende Funktion. Gleichzeitig soll der Firnis die Optik des Ölgemäldes unterstützen, indem er die Farbsättigung und die Leuchtkraft der Farben verstärkt und die Tiefenwirkung des Bildes erhöht.

Ein solcher Firnis, der die schützende Schicht bildet und die Malerei damit versiegelt, wird als Schlussfirnis bezeichnet. Daneben gibt es noch den Zwischenfirnis. Er kann zwischendurch aufgetragen werden, um die bis dahin gemalten Farbschichten zu verfestigen. Dies macht etwa dann Sinn, wenn auf einem Ölbild mehrere Maltechniken miteinander kombiniert werden und für die oberen Farbschichten eine gleichmäßige Oberfläche benötigt wird, die sich nicht mehr verändert.

 

Woraus bestehen Firnisse in der Ölmalerei?

Sowohl die Maler als auch die Industrie haben in der Vergangenheit viele Versuche mit unterschiedlichen Materialien unternommen, um den optimalen Firnis zu finden. Bis heute ist es aber letztlich nicht gelungen, eine natürliche oder synthetische Substanz auszumachen, die allen gewünschten Eigenschaften gleichermaßen gerecht wird.

Die ersten Firnisse bestanden aus trocknenden Ölen, die zu diesem Zweck gekocht oder eingedickt wurden. Im Prinzip lag das nahe, denn diese Öle befanden sich ja auch schon in den Ölfarben. Der große Nachteil war aber, dass die Firnisse stark vergilbten. Im 17. Jahrhundert kamen dann Harzfirnisse auf. Sie bestanden aus Mastixharz, das in Terpentinöl gelöst war. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Palette um Firnisse auf Basis von Dammarharz erweitert.

Die Harzfirnisse blieben lange Zeit die gebräuchlichsten Schutzüberzüge für Ölgemälde. Doch obwohl sie weit weniger zum Vergilben neigten als Ölfirnisse, hatten sie auch einige negative Eigenschaften. So wurden sie mit der Zeit spröde und ihre Schutzwirkung ging verloren. Andererseits gab es keine echten Alternativen.

Das sollte sich erst in den 1930er-Jahren ändern. Damals kamen nämlich polymere Acrylharze auf den Markt. Die chemisch hergestellten Kunstharze sorgten erstmals dafür, dass die Ölgemälde praktisch nicht mehr vergilbten. Und da sie auch die anderen Anforderungen an die Schutzschicht erfüllten, lösten sie die Firnisse aus natürlichen Harzen zunehmend ab.

Heute lassen sich die Kunstharzfirnisse, die für die Ölmalerei in Frage kommen, in zwei große Gruppen einteilen. Die erste Gruppe bilden Ketonharze, die vor allem im englischsprachigen Raum Zuspruch fanden. Die zweite Gruppe umfasst Kohlenwasserstoff- und Aldehydharze. Aber auch Firnisse auf Basis von Dammarharz werden heute noch gerne verwendet.

 

Wann wird ein Firnis auf ein Ölbild aufgetragen?

Grundsätzlich sollte ein Ölbild gut durchgetrocknet sein, bevor ein Firnis aufgetragen wird. Da Ölfarben aber sehr langsam trocknen, kann der Trocknungsvorgang vor allem bei pastosen Ölfarben, die in dicken Schichten aufgetragen wurden, mehrere Monate dauern. Dünne Farbschichten hingegen sind mitunter schon nach wenigen Wochen durchgetrocknet und bereit zum Firnissen. Das bedeutet aber auch, dass Farbschichten in unterschiedlichen Stärken, die mit Ölfarben mit verschiedenen Konsistenzen gemalt wurden, unterschiedliche Trocknungszeiten haben.

Hinzu kommt, dass die Ölfarben selbst mitunter unterschiedlich lange trocknen. Der Grund hierfür ist, dass nicht alle Farbpigmente auf die gleiche Weise mit Öl reagieren. So gibt es Farbpigmente, die die Trocknung begünstigen, während andere Farbpigmente die Trocknung verlangsamen.

Kolloide Farbpigmente, aber auch Schwarz und Titanweiß beispielsweise brauchen sehr lange, bis sich die Oberfläche trocknen anfühlt. Im Fachjargon wird in diesem Zusammenhang davon gesprochen, dass die Farben lange offen bleiben. Doch selbst wenn sich die Oberfläche trocken anfühlt, kann es innerhalb der Farbschicht noch zu chemischen Veränderungen kommen.

Da Ölfarben trocknen, indem sie mit dem Luftsauerstoff oxidieren, sollte ein Ölbild zum Trocknen am besten an einem hellen Ort stehen. Denn das Licht und hier vor allem die UV-Strahlen des Sonnenlichts unterstützen die Oxidation. Als grobe Faustregel gilt aber trotzdem, dass der Maler etwa ein Jahr warten sollte, bis er ein Firnis auf sein Ölbild aufträgt. Das ist übrigens auch der Grund, warum beim Kauf bzw. Verkauf eines erst kürzlich gemalten Ölbildes das Auftragen des Schlussfirnisses meist für einen späteren Zeitpunkt vereinbart wird. 

Im 2. Teil des Beitrags erklären wir, welche Firnisarten im Kunstbedarf erhältlich sind und wie der Künstler den Firnis für seine Ölgemälde selbst herstellen kann.

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