Ölbilder mit Firnis versiegeln – Infos und 5 Tipps, Teil II

Ölbilder mit Firnis versiegeln – Infos und 5 Tipps, Teil II

Wenn die letzten Pinselstriche gemacht sind und das Ölbild nach vielen Arbeitsstunden endlich zum Trocken beiseite gestellt werden kann, ist das Kunstwerk fast fertig. Fast deshalb, weil noch eine Kleinigkeit fehlt. Als finalen Anstrich sollte der Künstler nämlich noch einen Firnis auftragen. Den Begriff Firnis haben die meisten zwar schon einmal gehört.

Ölbilder mit Firnis versiegeln - Infos und 5 Tipps, Teil II

Doch wenn es genauer um die Schutzschicht geht, tauchen oft viele Fragen auf. Deshalb haben wir einen ausführlichen Ratgeber mit Infos und Tipps zum Thema erstellt.

Dabei ging es in Teil I darum, welche Gründe dafür sprechen, Ölbilder überhaupt mit Firnis zu versiegeln. Außerdem haben wir erklärt, welche Firnis-Arten es gibt und wann der Künstler welche Firnis-Variante verwenden sollte.

Jetzt, in Teil II, geben wir fünf Tipps,
die beim richtigen Auftragen der Firnis-Schicht helfen:

Tipp Nr. 1: Auf die Temperatur achten.

Damit ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis entsteht, sollte der Künstler sowohl das Ölbild als auch den Firnis eine Zeit lang im selben Raum aufbewahren. Dadurch stellt er sicher, dass das Gemälde und der Firnis die gleiche Temperatur haben.

Wichtig ist das deshalb, weil ein Firnis Harze und Wachse enthält. Sie haben die richtige Konsistenz zum Verarbeiten, wenn der Firnis Raumtemperatur hat. Das Ölbild, das versiegelt werden soll, sollte ebenfalls Raumtemperatur haben.

Denn wenn der Temperaturunterschied zwischen dem Ölbild und dem Firnis zu groß ist, kann es passieren, dass sich auf der Bildoberfläche ein weißlicher Film bildet.

So ein weißlicher Film ist auch möglich, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Deshalb sollte der Künstler sein Ölbild am besten in einer warmen und trockenen Umgebung versiegeln.

Tipp Nr. 2: Eine saubere Gemäldeoberfläche sicherstellen.

Bevor der Künstler die Versiegelung auf das Ölbild aufträgt, sollte er dafür sorgen, dass sich auf der Oberfläche seines Ölbildes kein Staub oder Schmutz befindet.

Vor allem wenn es um den Schlussfirnis geht, ist das Ölbild ja schon seit mehreren Monaten fertig. Und in der Zwischenzeit kann sich durchaus eine dünne Staubschicht auf dem Gemälde abgelagert haben.

Doch die Staubschicht möchte der Künstler vermutlich nicht mitversiegeln. Deshalb sollte er sich die Bildoberfläche genau anschauen und sie bei Bedarf reinigen. Dafür kann er ein weiches, fusselfreies Tuch verwenden.

Ein sauberer, trockener und weicher Pinsel ist ebenfalls geeignet. Bei gröberen Verschmutzungen kann der Künstler das Ölbild auch behutsam mit dem weichen Inneren von Weißbrot abreiben.

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Tipp Nr. 3: Für eine gute Lüftung sorgen.

Ähnlich wie Ölfarben enthalten auch Firnisse Lösemittel. Dadurch ist ihr Geruch nicht besonders angenehm und das Einatmen der Dämpfe kann sogar gesundheitsschädlich sein.

Wenn der Künstler sein Ölbild versiegelt, sollte er deshalb das Fenster öffnen, damit genug frische Luft in den Raum kommt. Noch besser ist, wenn der Künstler den Firnis auf dem Balkon, der Terrasse oder in einer offenen und gut belüfteten Garage auftragen kann.

Tipp Nr. 4: Das Ölbild beim Versiegeln flach hinlegen.

Letztlich ist Firnis eine Flüssigkeit. Er ist zwar nicht so dünnflüssig wie Wasser, aber eben auch keine zähe, feste Paste. Wenn der Künstler das Ölbild auf die Staffelei stellt und die Schutzschicht aufträgt, kann es deshalb vor allem bei einer dickeren Schicht schnell passieren, dass der Firnis von oben nach unten über das Bild läuft.

Dieses Verlaufen kann zwei unschöne Folgen haben. So ist zum einen möglich, dass Nasen auf dem Bild entstehen, ähnlich wie die Farbnasen bei einer schlechten Lackierung. Zum anderen kann der Firnis Farbpartikel anlösen und diese auf dem Bild verteilen. Das Ergebnis wäre ein hässlich verschmiertes Motiv.

Um solche Risiken erst gar nicht einzugehen, sollte der Künstler sein Ölbild flach auf den Tisch legen. Dann kann er den Firnis in aller Ruhe und auch in einer dickeren Schicht auftragen, ohne befürchten zu müssen, dass die Versiegelung verläuft.

Tipp Nr. 5: Den Firnis im Kreuzgang auftragen.

Für eine gleichmäßige und einheitliche Firnis-Schicht sollte der Künstler die Versiegelung am besten im sogenannten Kreuzgang auftragen. Dabei streicht oder sprüht er den Firnis zuerst von rechts nach links auf die Bildoberfläche. Anschließend trägt er eine zweite Schicht auf, dieses Mal von oben nach unten.

Natürlich kann der Künstler auch zuerst senkrecht und im zweiten Durchgang waagerecht arbeiten. Wichtig ist nur, dass er die ganze Oberfläche in einer Richtung und danach über Kreuz dazu bearbeitet.

Bevor der Künstler mit dem Auftrag beginnt, sollte er flüssigen Firnis einmal gut durchrühren und Sprühfirnis kräftig schütteln. So ist sichergestellt, dass alle Partikelchen gleichmäßig verteilt sind. Verwendet er einen Sprühfirnis, sollte er zudem einen Abstand von 30 bis 40 cm zu der Bildoberfläche einhalten.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal, alias Christian Gülcan und Ferya Gülcan. Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei und Ölmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder und Ölbilder im Großformat.

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