Ein paar große Namen der Ölmalerei, 1. Teil

Ein paar große Namen der Ölmalerei, 1. Teil 

Ölfarbe ist eher schwierig zu verarbeiten, verlangt einen ordentlich grundierten Malgrund, riecht unangenehm und braucht ewig, bis sie trocken ist. Andere Farben wie Aquarell- oder Acrylfarben sind da deutlich unkomplizierter.

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen gilt die Ölmalerei als die Königsdisziplin der Malerei und ohne die Ölmalerei hätte sich die Kunstgeschichte vermutlich nie so entwickelt, wie sie es getan hat. Grund genug, sich einmal näher mit der Geschichte und ein paar großen Namen der Ölmalerei zu beschäftigen.

Dies tun wir in einem zweiteiligen Beitrag – und hier ist der erste Teil davon:

 

Die Temperamalerei war der Vorläufer der Ölmalerei.

Die Geschichte der Ölmalerei beginnt strenggenommen schon mit der Höhlenmalerei. Bereits damals wurden Farben auf Ölbasis verwendet, um Malereien auf Höhlenwänden zu hinterlassen. Wenn von der Ölmalerei im eigentlichen Sinne gesprochen wird, so sind damit aber Kunstwerke gemeint, die mit Ölfarben gemalt wurden. Hier liegen die Anfänge ungefähr im 14. Jahrhundert, als sich die Ölfarben nach und nach verbreiteten.

Bis dahin beherrschten Temperafarben das künstlerische Schaffen. Temperafarben sind Emulsionen, die aus einer fetthaltigen und einer wässrigen Lösung bestehen. Allerdings ging die Temperamalerei mit zwei großen Nachteilen einher. Der erste Nachteil war, dass die Farben recht schnell verdarben.

Dies lag daran, dass Temperafarben natürliche Produkte wie beispielsweise Ei oder Quark als Bindemittel enthielten. Der zweite Minuspunkt war, dass der Wasseranteil in den Farben schnell verdunstete und die Farben deshalb nur kurze Trocknungszeiten hatten. Für die Künstler bedeutete das, dass sie entweder zügig arbeiten oder ihre Arbeiten durch Übermalungen korrigieren mussten.

Also begannen die Künstler, mit Leinöl, Mohnöl, Sonnenblumenöl und anderen neuen Ölen zu experimentieren. Sie erhofften sich, die Farbemulsionen so abändern zu können, dass auf verderbliche Inhaltsstoffe verzichtet werden konnte. Dazu mischten sie den ölhaltigen Emulsionen Harze bei, die sich wegen ihrer hohen Klebkraft als zuverlässige Bindemittel erwiesen. Im Ergebnis entstanden Farben, die wesentlich intensiver und brillanter leuchteten als Temperafarben.

Gleichzeitig trockneten diese neuen Farben deutlich langsamer und erlaubten so dem Künstler, sich mehr Zeit beim Malen zu lassen. Allerdings zeigte sich auch, dass der Malgrund einer anderen Vorbereitung bedarf und dass der Farbauftrag nach der Malregel fett auf mager erfolgen muss. Die unteren Farbschichten müssen also weniger ölhaltig eingestellt sein, damit sie schneller trocknen. Bei den oberen Farbschichten kann der Ölanteil dann zunehmend gesteigert werden.

Beachtet der Künstler diese Malregel nicht, trocknen die oberen Farbschichten schneller als die darunterliegenden und dies wiederum führt zu Spannungen, die die Oberfläche aufreißen lassen. Risse entstehen außerdem dann, wenn der Malgrund arbeitet oder sich verzieht. Dies liegt daran, dass Ölfarben eine recht feste, geschlossene Schicht bilden, die bei entsprechenden Bewegungen aufplatzt. Da die Künstler ein solches Verhalten von Temperafarben nicht kannten, sind heute viele frühe Werke und alte Ölgemälde mit einem feinen Netz aus Rissen überzogen.  

 

Jan van Eyck ist ein Pionier der Ölmalerei.

Als einer der großen Pioniere der Ölmalerei gilt der niederländische Künstler Jan van Eyck (um 1390 bis 1441). Zusammen mit seinem Bruder Hubert van Eyck betrieb er eine Malerwerkstatt. Mehrere maltechnische Errungenschaften, die das Kunstschaffen nachhaltig beeinflussen sollten, entstammen aus dieser Malerwerkstatt. Die bedeutsamste Entwicklung dürfte aber die Ölmalerei sein.

Als Hauptwerk van Eycks wird der Genter Altar in der Kathedrale von Gent gesehen. Das Altarwerk setzt sich aus einzelnen Tafeln zusammen, die der Künstler in vielen Schichten bemalte. Dabei legte er zuerst eine Untermalung an, auf die er dann Farbschichten aus Ölfarben auftrug. Durch den Ölanteil in den oberen Farbschichten entstand eine leicht glänzende Oberfläche und gleichzeitig eine bis dahin unbekannte Farbbrillanz.

Die dargestellten Gewänder und Edelsteine wirkten so edel und rein, als wären sie echt. Die beeindruckende Darstellung und die enorme Farbintensität führten dazu, dass van Eycks Werk schon zu seinen Lebzeiten als Meisterwerk gewürdigt wurde. Ob Jan van Eyck das Kunstwerk tatsächlich alleine malte oder ob nicht sein Bruder Hubert einen großen Anteil daran hatte, ist allerdings umstritten. 

 

Durch Antonello da Messina kam die Ölmalerei nach Italien.

Ein weiterer großer Name der Ölmalerei ist der italienische Maler Antonello da Messina (1430 bis 1479). Ihm wird zugeschrieben, die Ölmalerei in Italien eingeführt und so zahlreiche weitere Künstler beeinflusst zu haben. Eine persönliche Begegnung zwischen van Eyck und Antonello da Messina wird es wohl nie gegeben haben, denn als van Eyck starb, war Antonello da Messina noch ein Kind.

Aber der Italiener hat sich sicherlich die Werke des niederländischen Künstlers genau angesehen und vielleicht auch den einen oder anderen seiner Malerkollegen getroffen. Jedenfalls entdeckte auch Antonello da Messina die Ölmalerei für sich. Sie ermöglichte ihm, Farbverläufe sehr fein auszuarbeiten und so eine sanfte, natürliche Bildwirkung zu erzielen. Gleichzeitig konnte er mit den Kontrasten zwischen Lichtern und Schatten spielen.

Beides kam ihm vor allem bei seinen ausdrucksstarken Portraits zugute, die ihn zum viel beachteten Künstler machten und ihm zahlreiche Aufträge einbrachten. Das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten griff später übrigens Caravaggio auf und brachte es zur Perfektion.

 

Die Ölmalerei hatte auch ihre Tücken.

Die Ölmalerei fand bei den Künstlern großen Zuspruch, doch längst nicht alle Werke gelangen. Ein berühmtes Beispiel für die Tücken der Ölmalerei ist da Vincis Letztes Abendmahl. Leonardo da Vinci schätzte Ölfarben hauptsächlich wegen ihrer langen Trocknungszeit, die ihm auch einmal längere Pausen erlaubte. Dies war bei der klassischen Freskomalerei unmöglich, denn die Farben waren schon nach wenigen Minuten getrocknet.

Bei seinem Kunstwerk arbeitete da Vinci mit Ölfarben. Die Wand war aber für ein Fresko vorbereitet. Aus diesem Grund wies die Wand eine viel zu hohe Saugkraft auf und die Farbschichten trockneten sehr unterschiedlich.

In der Folge entstanden unzählige Risse und an einigen Stellen bröselte die Malerei sogar komplett ab, weil die Farbe an der grob verputzten Wand nicht haftete. Die Mönche, die das Werk in Auftrag gegeben hatten, forderten daraufhin ihr Geld zurück. Leonardo da Vinci hingegen packte kurzerhand seine Sachen zusammen und zog von Mailand nach Frankreich weiter.

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