Anleitung für eine Abendlandschaft in Öl

Anleitung für eine Abendlandschaft in Öl 

Ölfarben gelten als anspruchsvoll. Doch so schwierig ist die Ölmalerei nun auch wieder nicht. Wie selbst Anfänger eine beeindruckende Abendlandschaft in Öl hinbekommen, erklärt diese Anleitung.

Viele trauen sich nicht so richtig an Ölfarben heran. Schließlich gilt die Ölmalerei als die Königsdisziplin und überall ist zu lesen, dass das Malen in Öl Wissen, Erfahrung und viel Übung erfordert. Zudem müssen viele verschiedene Dinge beachtet werden. Natürlich erfordert es Wissen und Können, wenn ein großes, meisterliches Kunstwerk entstehen soll.

Dies gilt aber nicht nur für Ölfarben, sondern für jede Form der Malerei. Und dass die Ölmalerei kein Hexenwerk ist, beweist die folgende Anleitung. Dabei geht es um eine stimmungsvolle Abendlandschaft. Viel Spaß!

Übrigens: Die Anleitung enthält ganz bewusst keine Bilder. Denn sie soll zwar zum Nachmachen anregen. Aber sie soll keine Vorlage sein, sondern die eigene Kreativität ankurbeln… 

 

Die Materialien für das Ölbild

  • ·         Leinwand auf Keilrahmen
  • ·         Ölfarben in Titanweiß, Zitronengelb, Kadmiumgelb, Orange, Kadmiumrot, Karmesinrot und Dunkelgrün
  • ·         1 Flachpinsel in Stärke 14
  • ·         2 Flachpinsel in Stärke 10

 

Die Anleitung für eine Abendlandschaft in Öl

Das Ölbild wird in der sogenannten Alla-Prima-Technik gemalt. Das bedeutet, dass das Ölbild nicht aus mehreren Schichten aufgebaut wird, die jeweils trocknen müssen. Stattdessen entsteht das Ölbild in einem Rutsch. Und weil die Ölfarben in die noch feuchten Farbschichten darunter eingebracht werden, ergeben sich verschiedene Mischfarben und sanfte Farbübergänge.

Aber der Reihe nach:

 

Zunächst einmal wird die Leinwand quer auf der Staffelei oder der Arbeitsfläche positioniert. Um beim Malen später Orientierungspunkte zu haben, werden mit dem 10er-Pinsel in Zitronengelb an den beiden Seitenrändern je zwei kleine Punkte aufgemalt. Die beiden Punkte werden dabei so positioniert, dass der Malgrund in drei gleichgroße Felder aufgeteilt ist. 

Nun wird mit dem 14er-Pinsel weiße Ölfarbe aufgenommen. Damit wird auf der Höhe der unteren Drittellinie ein breiter weißer Streifen gemalt. Der Streifen verläuft über die gesamte Bildbreite und bildet den Horizont. 
Weiter geht es mit dem 10er-Pinsel von eben. In Zitronengelb wird mit diesem Pinsel eine kreisrunde Sonne gemalt. Dabei befindet sich die Sonne im rechten Drittel des Bildes und ungefähr auf der Höhe der oberen Drittellinie.

Dann werden die Strukturen angelegt, die den Abendhimmel und den Boden darstellen. Für die Strukturen wird zunächst mit Zitronengelb weitergearbeitet. Die Farbe wird mit dem Pinsel aufgenommen und in einem lockeren Streifenmuster auf die Leinwand aufgebracht. Dabei werden im oberen Drittel eher schmale Linien mit vielen Unterbrechungen gemalt. Unterhalb der Sonne bis zur Horizontlinie werden die Streifen zunehmend breiter. Im unteren Drittel, unterhalb des Horizonts, werden die Linien dann als breite Streifen in langen, weich fließenden Bewegungen aufgetragen.

Das Ganze wird anschließend erst mit Kadmiumgelb und danach mit Orange wiederholt, wobei stets mit demselben Pinsel weitergemalt wird. Ein paar Linien dürfen nun auch in den Horizont hineinragen, so dass der harte, weiße Streifen allmählich verschwindet.

Jetzt kommt das Kadmiumrot dazu. Auch für das Kadmiumrot wird der Pinsel nicht gewechselt. Im oberen Drittel wird die kadmiumrote Ölfarbe wie gehabt in groben Strukturen aufgebracht, wobei die gelben Bildstellen nicht übermalt werden. In der Bildmitte wird der Pinsel in längeren Querbewegungen geführt. Dadurch werden die verschiedenen Farbschichten übereinandergeschichtet und verblendet. Hier sollten aber ebenfalls ein paar gelbe und orangefarbene Linien sichtbar bleiben. Im unteren Drittel wird die kadmiumrote Farbe in langen, leicht wellenförmigen Linien aufgetragen. So entstehen sanft fließende Übergänge. Um die Abendlandschaft noch lebendiger wirken zu lassen, werden schließlich noch ein paar Strukturen in Karmesinrot hineingemalt.

Nun kommt noch einmal der 14er-Pinsel zum Einsatz. Er wird über den Bereich geführt, in dem sich vorhin der weiße Horizontstreifen befand. Durch das Übermalen dieses Bereichs werden die Übergänge zwischen dem Himmel, dem Horizont und dem Boden sanft verblendet und der Horizontbereich gleichzeitig wieder etwas aufgehellt. Beim Übermalen wird aber keine neue Farbe mehr aufgenommen. Die weißen Farbreste, die noch im Pinsel vorhanden sind, genügen.  

Im Prinzip könnte die Abendlandschaft nun schon so belassen werden, wie sie jetzt ist. Allerdings würde das Ölbild ein wenig zu langweilig wirken. Deshalb kommt als Gegenstück zur hellen Sonne ein dunkles Gebirge dazu. Für das Gebirge wird der saubere 10er-Pinsel mit Dunkelgrün benetzt. Anschließend wird ein wellenförmiger Höhenzug gemalt, der vom linken Bildrand bis kurz vor der Sonne verläuft. Dabei beginnt der Höhenrücken auf der Oberseite etwas oberhalb des Horizontstreifens und endet auf der unteren Horizontlinie. Auf der Unterseite folgt der Höhenzug dem Horizontstreifen.

Für das Gebirge wird der Pinsel in waagerechten Bewegungen über den Malgrund geführt. Da sich so immer weniger Farbe auf dem Pinsel befindet, wird das Gebirge nach unten hin automatisch heller. Um den Kontrast etwas abzuschwächen, wird mit dem grünen Farbrest im Pinsel ein zweiter Höhenzug hinter dem ersten Gebirge gemalt und mit dem schmutzigen 14er-Pinsel verblendet.  

Als i-Tüpfelchen werden nun noch zwei, drei Bäume angedeutet. Dafür wird mit dem ersten 10er-Pinsel etwas Orange aufgenommen und in kurzen senkrechten Strichen eine Art Tannenform aufgetragen. Anschließend wird der Pinsel mit Kadmiumrot benetzt. Damit werden ein paar Akzente in der Baummitte gesetzt. Die Seiten der Bäume, die im Schatten stehen, werden mit ein paar Pinselstrichen in Dunkelgrün abgedunkelt.

Wo im Bild die Bäume platziert werden, bleibt natürlich dem eigenen Geschmack überlassen. Damit die Proportionen stimmig wirken, sollte Bäume im Hintergrund aber kleiner und Bäume im Vordergrund größer sein. Zudem dürfen die Bäume nicht unter oder mit der Horizontlinie abschließen, sondern müssen sie leicht überragen. Nun muss das Ölbild nur noch trocknen. Fertig!

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