Kunstgeschichte: die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts

Kunstgeschichte: die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts

 

In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts zeigten der Adel und das aufstrebende Bürgertum großes Interesse an Kunst. Sie wollten sich Kunstwerke aber nicht nur anschauen, sondern selbst Bilder und Gemälde besitzen. Das 17. Jahrhundert wurde dadurch zu einem künstlerisch äußerst produktiven Zeitraum.

Die Zeichnungen und Bilder, die entstanden, sollten die europäische Kunstgeschichte nachhaltig prägen. Die bis dahin unbekannte und bis heute einzigartige Blüte von Kunst und Kultur, aber auch die enorme Vielzahl an meisterlichen Bildern und Gemälden haben dieser kunstgeschichtlichen Epoche den Beinamen Goldenes Zeitalter eingebracht.

 

Der Boom der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts

Die Niederlande waren zu einer See- und Handelsmacht aufgestiegen. Gleichzeitig gab es kein anderes Land in Europa, das religiös und kulturell soviel Freiheit bot. In den Niederlanden wurde niemand wegen seines Glaubens verfolgt, jeder konnte sich angstfrei in der Öffentlichkeit bewegen, Schriftsteller konnten frei publizieren, Gelehrte konnten frei unterrichten und selbst für einfache Arbeiter bot die junge Republik genügend Arbeit.

Damit wurden die Niederlande auch zu einem idealen Pflaster für Kunst, die sich hier entfalten konnte. Schon im 16. Jahrhundert waren die Niederlande in Sachen Kunst sehr produktiv gewesen, doch im 17. Jahrhundert erlebte die Kunst eine einzigartige Blüte.

Fast jede größere Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum der Malerei, die Kunst war allgegenwärtig. Rund 700 Maler fertigten zusammen mit ihren Schülern Zeichnungen, Bilder und Gemälde an, jedes Jahr kamen etwa 70.000 Werke auf den Markt. Fast schon im Stil einer riesengroßen Kunstfabrik entstanden so im Laufe des 17. Jahrhunderts mehrere Millionen Bilder. Die Kunstwerke fanden zugleich reißenden Absatz. Statistisch gesehen nannte jeder Niederländer seinerzeit zwei bis drei Gemälde sein Eigen.    

 

Die Themen der niederländischen Malerei im 17. Jahrhundert

Bislang waren es vor allem religiöse Themen gewesen, die die Malerei dominiert hatten. Das Bürgertum zeigte jedoch wenig Interesse an solchen Bildern. Stattdessen sollten weltliche Themen zum Bildgegenstand werden. Die Bürger wünschten sich Gemälde, die ihre eigene Lebensweise, ihr privates und berufliches Umfeld, ihren Alltag oder sie selbst zeigten. Dies führte dazu, dass sich neben neuen Bildthemen auch neue, eigenständige Bildgattungen entwickelten.

So ließen beispielsweise Stillleben Einblicke in das tägliche Leben zu, während Gruppenbildnisse die eigene Familie, Mitglieder einer Gilde, Feierlichkeiten oder besondere Szenen verewigten. Die holländische Kunst des Portraits sicherte sich eine herausragende Stellung in Europa, denn sie stellte den Portraitierten nicht nur oberflächlich und idealisiert dar, sondern erfasste ihn in seiner Gesamtheit.

Das Herausbilden von neuen Genres hatte zur Folge, dass die Künstler damit begannen, sich zu spezialisieren. Willem Claesz. Heda und Willem Kalf beispielsweise konzentrierten sich fortan ausschließlich auf Stillleben. Einige ihrer Bildreihen beschränkten sich sogar auf ein paar Gegenstände, die die Künstler durch minimale Veränderungen oder neue Kompositionen variierten.

Jan van Goyen, Meindert Hobbema und Jacob van Ruisdael machten sich einen Namen in der Landschaftsmalerei, Adriaen Brouwer, Adriaen van Ostade und Jan Steen wurden für ihre Bauernsatiren bekannt. Pieter de Hooch und Gerard Terborch spezialisierten sich auf die Darstellung von Bauernfesten, Pieter Jansz Saenredam und Emanuel de Witte malten Architektur, während Frans Hals und Thomas de Keyser zu gefragten Portraitmalern wurden.

Einige Künstler spezialisierten sich aber nicht nur auf eine Bildgattung, sondern beschränkten sich sogar auf bestimmte Bildmotive. So malte beispielsweise Willem van de Velde nur noch Schiffe, Melchior d‘Hondecoeter konzentrierte sich auf Vögel und Jan van Huysum schuf Gemälde mit Blumen. Paulus Potter begann zunächst mit Tierbildern und malte später nur noch Rinder, während sich Philips Wouwerman auf Pferde spezialisierte, die er überwiegend als Schimmel darstellte.   

 

Das Einkommen der niederländischen Künstler

Die Gemälde wurden größtenteils auf offener Straße und auf Jahrmärkten verkauft. Die Preise waren dabei recht niedrig. Dies führte einerseits dazu, dass sich praktisch jeder Gemälde leisten konnte. Dementsprechend groß war die Nachfrage und der Nachschub an Bildern musste immer schneller produziert werden.

Dies wiederum hatte zur Folge, dass der Malerstand kontinuierlich wuchs und sich eine regelrechte Bilderindustrie entwickelte, in der unzählige Künstler fast wie am Fließband Gemälde anfertigten. Andererseits führten die riesige Auswahl, die große Konkurrenz und die niedrigen Preise für die Bilder dazu, dass die wenigsten Künstler allein von ihrer Malerei leben konnten.

Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, waren viele Künstler darauf angewiesen, einer weiteren Tätigkeit nachzugehen. Jan van Goyen beispielsweise arbeitete als Blumenhändler, Meindert Hobbema war Steuereintreiber, Jakob Ruisdael praktizierte als Arzt, Jan Steen führte ein Gasthaus und die Familie van de Velde handelte mit Leinwänden. Viele Künstler überbrückten Zeiten ohne Aufträge auch als Grobmaler. Grobmaler war die Berufsbezeichnung für Anstreicher, während die Kunstmaler Feinmaler genannt wurden. Beide Gruppen von Malern gehörten aber lange Zeit einer Gilde an.

 

Rembrandt und Vermeer als herausragende Vertreter

Im Unterschied zu ihren Kollegen spezialisierten sich Rembrandt und Vermeer nicht auf ein bestimmtes Genre. Stattdessen nutzten sie verschiedene Bildgattungen, um ihren künstlerischen Ideen Ausdruck zu verleihen. Wie genial die Künstler waren, sollte jedoch erst sehr viel später erkannt werden. Doch obwohl beide Künstler ein vielseitiges und heute sehr bedeutsames Kunsterbe hinterlassen haben, verliefen ihre Lebenswege sehr unterschiedlich.

Rembrandt van Rijn kommt 1606 als Sohn wohlhabender Bürger zur Welt. Er geht bei Jakob von Swanenburgh in die Lehre, wo er die technischen Grundlagen der Malerei erlernt. Seine zweite Lehre absolviert er bei Pieter Lastman, einem Historienmaler in Amsterdam. Schnell entwickelt Rembrandt einen eigenen, unverkennbaren Stil, der ihn zum gefragten Künstler werden lässt. Mit nur 22 Jahren ist Rembrandt ein bekannter Künstler.

Seine Auftragsbücher sind voll, seine Gemälde erzielen beachtliche Preise und sein Atelier wird zur angesagten Akademie für Nachwuchskünstler, die ihrem Vorbild nacheifern. 1634 heiratet Rembrandt seine Frau Saskia, die er fortan immer wieder portraitiert.

Doch mit Saskias Tod im Jahre 1642 ändert sich alles. Rembrandt fällt in eine Schaffenskrise und malt immer weniger. Er gerät zusehends in finanzielle Schwierigkeiten, bis er schließlich pleite ist. Seine umfangreiche Kunstsammlung wird versteigert und seine Wohnung geräumt. Rembrandt stirbt verarmt im Alter von 63 Jahren.

Das Leben von Jan Vermeer verläuft völlig anders als das von Rembrandt. Jan Vermeer wird 1632 geboren, sein Vater ist Seidenweber und Kunsthändler. 1653 wird er als ausgebildeter Künstler in der Lukasgilde aufgenommen. Wie Vermeer sein Leben bis dahin verbracht und wo er seine Lehre absolviert hat, ist jedoch nicht bekannt. Vermeer macht sich einen Namen als Künstler, wird 1662 zum Vorsteher der Lukasgilde und wird zum Gutachter für italienische Gemälde bestellt.

Seine Gemälde kennzeichnen sich durch eine außergewöhnliche Präzision. Jede Szene, die er malt, ist bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und wird so zu einer in sich geschlossenen Komposition. Im Unterschied zu seinen Kollegen nimmt sich Vermeer sehr viel Zeit für jedes Bild, denn seine Gemälde sollen perfekt sein. Zudem arbeitet er so gut wie nie nach Auftrag. Er will selbst entscheiden, wann er was malt. Die Folge von dieser Arbeitsweise ist aber, dass nur recht wenige Bilder entstehen.

Konkret sind es 37 Kunstwerke, die Jan Vermeer zugeschrieben werden. Zudem spitzt sich die finanzielle Situation immer weiter zu. Vermeer versucht sich nebenher als Kunsthändler, doch er findet kaum Käufer für seine eigenen Werke und die Gemälde in seiner Galerie. 1675 stirbt Vermeer hochverschuldet.

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