Methoden um ein Ölgemälde auf Echtheit zu prüfen

Die gängigsten Methoden, um ein Ölgemälde auf Echtheit zu prüfen

 

Einen echten Rembrandt, van Gogh, Picasso oder Dali an der Wand, davon träumen viele. Ist das nötige Kleingeld für einen ganz großen Namen nicht vorhanden, dann soll es wenigstens ein schönes altes Gemälde oder ein Bild von einem in der Kunstszene bekannten Künstler sein.

 

Nun ist die Nachfrage nach echten Gemälden aber oft größer als das verfügbare Angebot. Die Folge davon ist, dass immer mehr Fälschungen an den Mann gebracht werden. Schätzungen zufolge sind rund 40 Prozent aller Kunstwerke, die zum Verkauf angeboten werden, gefälscht. Bei Druckgrafiken soll der Fälschungsanteil sogar bei 60 bis 70 Prozent liegen. Gleichzeitig arbeiten viele Kunstfälscher in derart perfekter Manier, dass es selbst Experten schwerfällt, eine Fälschung zu enttarnen.

Für Gewissheit können dann oft nur aufwändige Prüfverfahren sorgen. Aber welche Möglichkeiten gibt es dabei eigentlich?

 

Die folgende Übersicht stellt die gängigsten Methoden,
um ein Ölgemälde auf Echtheit zu prüfen, vor:

 

Ein Ölgemälde auf Echtheit prüfen – mit Licht und Röntgenstrahlen

Mithilfe von Licht kann ein Kunstwerk gründlich in Augenschein genommen werden, ohne dass es zu Beschädigungen kommt. Dafür wird ein Ölgemälde mit Licht in unterschiedlichen Wellenlängen bestahlt oder mit verschiedenen Strahlen durchleuchtet. Teilweise finden auch moderne autoradiografische Verfahren Anwendung.

Die einfachste Methode ist, ein Ölgemälde unter ganz normalem Licht zu betrachten. Spätestens wenn eine Lupe zum Einsatz kommt, lässt sich die Oberflächenstruktur erkennen. Das Licht, das parallel zur Bildoberfläche auftrifft, erzeugt nämlich kleine Schatten.

Dadurch kann beispielsweise ein pastos gemaltes Ölbild recht zuverlässig von einer Druckgrafik unterschieden werden. Spannender wird es, wenn UV-Licht zum Einsatz kommt. UV-Licht, auch bekannt als Schwarzlicht, dringt in das Ölbild ein. Die Folge davon ist, dass Materialien und Inhaltsstoffe, die für das menschliche Auge ohne Hilfsmittel nicht sichtbar sind, sichtbar werden.

Durch die Farbe, in der die jeweiligen Stellen des Ölbilds fluoreszieren, lassen sich Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der verwendeten Materialien und die Zusammensetzung der Ölfarben ziehen. Langwelliges Infrarotlicht wiederum macht unterschiedliche Tiefen sichtbar.

Dies liegt daran, dass die Materialien das Licht je nach Wellenlänge verschieden absorbieren und reflektieren. Im Ergebnis kommen beispielsweise Skizzen, Raster oder alte, übermalte Farbschichten, die sich auf dem Bildträger befinden, zum Vorschein. Auch Röntgenstrahlen können wichtige Informationen über das Alter, die Herkunft, die verwendeten Materialien und die angewendeten Maltechniken liefern.

Früher wurde üblicherweise mit Bleiweiß gemalt. Bleiweiß wird durch Röntgenstrahlen sichtbar und kann so den plastisch-räumlichen Aufbau des Ölgemäldes identifizieren. Meist ermöglicht die Analyse der Malweise eher die Zuordnung zu einem Künstler als die Komposition der Flächen und Farben.

Ein Ölgemälde auf Echtheit prüfen – mit chemischen Analysen

Um zu prüfen, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt, spielt die Analyse der Materialien eine wichtige Rolle. Winzigste Proben genügen, um die Herkunft und die Zusammensetzung von Textilfasern oder Ölfarben zu analysieren. Neue, moderne Analyseverfahren wie beispielsweise die Röntgenfluoreszenzanalyse kommen sogar komplett ohne Materialproben aus.

Die übliche Vorgehensweise besteht dabei darin, Substanzen aufzuspüren, die zum angeblichen Entstehungszeitpunkt des Ölbildes noch gar nicht bekannt waren. So ergab beispielsweise die Analyse von einem vermeintlichen Selbstbildnis von Rembrandt aus dem Jahre 1634, dass mit Cadmiumgelb gemalt worden war. Cadmiumgelb kennt die Malerei aber erst seit 1830.

Finden sich auf einem Ölgemälde synthetische Farbstoffe wie Zinkweiß oder Metalloxide wie Kobaltblau, ist klar, dass das Gemälde erst im 18. oder 19. Jahrhundert entstanden sein kann. Synthetische Farbstoffe gab es nämlich in der Malerei nicht vor dem 18. Jahrhundert, Metalloxide werden erst seit dem 19. Jahrhundert verwendet.

Neben dem Alter lässt sich durch Vergleichsproben auch die Herkunft der Farbpigmente bestimmen. Bleiweiß als klassisches Weißpigment in der traditionellen Ölmalerei enthielt beispielsweise in Italien sehr viel weniger Antimon und Silber als das in den Niederlanden gebräuchliche Bleiweiß.

 

Ein Ölgemälde auf Echtheit prüfen – mit den bloßen Augen

Manchmal braucht es gar keine moderne Technik, um ein Gemälde als Fälschung zu enttarnen. So reicht es mitunter schon aus, wenn sich der Betrachter das Ölbild genau anschaut und sich dabei fragt, ob der Stil zum damaligen Zeitgeist passt und vor allem ob die dargestellten Gegenstände seinerzeit überhaupt schon bekannt waren.

Bei vielen Pflanzen, Tieren, Lebensmitteln, Werkzeugen und Alltagsgegenständen ist sehr genau datiert, wann sie wohin gelangten und sich verbreitet haben.

Wenn auf einem Ölgemälde beispielsweise Tomaten auf dem gedeckten Tisch zu sehen sind, ist klar, dass das Gemälde nicht aus dem frühen Mittelalter stammen kann. Tomaten sind in Europa nämlich erst seit etwa 1500 bekannt und werden erst seit dem 18. Jahrhundert als Lebensmittel genutzt.

Doch trotz aller Methoden, die für die Prüfung eines Ölgemäldes zur Verfügung stehen, gibt es letztlich keine Garantie für die Echtheit. Allein der Umstand, dass sich keine Fälschungsmerkmale identifizieren lassen, ist nämlich kein endgültiger Beweis dafür, dass keine Fälschung vorliegt. Dies gilt vor allem dann, wenn die Fälschung und das Original ungefähr im gleichen Zeitraum entstanden sind.

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