Ausführlicher Ratgeber zur Komposition eines Bildes, Teil II

Ausführlicher Ratgeber zur Komposition eines Bildes, Teil II

Die Wirkung eines Bildes und die Wahrnehmung des Motivs durch den Betrachter wird durch die Bildkomposition beeinflusst. Denn je nachdem, wie ein Bild aufgebaut ist und wie die einzelnen Elemente zusammenspielen, können sich ganz unterschiedliche Effekte ergeben. Dabei beschreibt die Komposition den formalen Aufbau eines Bildes und die enthaltenen Gestaltungselemente. Bei der Bildkomposition geht es also darum, wie der Künstler das Motiv gemalt hat.

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Ausführlicher Ratgeber zur Komposition eines Bildes, Teil II

Das Wissen über den Bildaufbau hilft nicht nur dabei, ein Kunstwerk technisch nachzuvollziehen. Vielmehr kann der Maler die Komposition gezielt nutzen, um eine bestimmte Bildwirkung zu erzielen.

In einem ausführlichen Ratgeber schauen wir uns die Komposition deshalb einmal näher an. Dabei ging es in Teil I um die grundlegenden Elemente bei der Bildkomposition.

Hier ist Teil II:

Der Aufbau des Bildgefüges

Das Format, die Bildzonen, die Formen und die Linien und Achsen sind die Elemente, aus denen sich ein Bild zusammensetzt. Zusammen ergeben sie das Bildgefüge. Auch dabei kann die Bildanalyse an verschiedenen Punkten ansetzen:

Einteilung

Linien, Kanten oder Objekte können ein Gemälde in verschiedene Abschnitte gliedern. Das Verhältnis, das durch die Teilung entsteht, hat Einfluss auf die Bildwirkung.

Ein berühmtes Beispiel für ein Teilungsverhältnis, das als besonders harmonisch gilt und in der Kunst lange Zeit als Ideal beschrieben wurde, ist der Goldene Schnitt.

Der Goldene Schnitt teilt ein Bild der Länge oder Breite nach in zwei verschieden große Teile. Ein Bildanteil ist kleiner, der andere Bildanteil ist größer.

Dabei stimmt das Verhältnis zwischen dem kleineren und dem größeren Bildanteil mit dem Verhältnis zwischen dem größeren Bildanteil und der gesamten Bildlänge oder Bildbreite überein.

Optische Schwerpunkte

Innerhalb eines Bildes können einige Inhalte stärker im Fokus stehen als andere Inhalte. Solche Schwerpunkte ergeben sich zum Beispiel dadurch, dass an diesen Stellen viele Bildelemente gebündelt sind oder Farben die Elemente besonders betonen.

Für die Analyse der Bildkomposition ist maßgeblich, wo sich die Schwerpunkte befinden. Hat der Künstler das optische Zentrum seines Motivs nah an den Rand gesetzt, kann das ganze Bild in sich nicht harmonisch wirken.

Der Betrachter könnte es sogar als verwirrend oder störend empfinden, dass der Schwerpunkt im Randbereich sitzt. Sind die Schwerpunkte hingegen mittig oder im Goldenen Schnitt angeordnet, wirkt ein Bild in aller Regel harmonisch und klar.

Verhältnis zum Format

Eine weitere Frage mit Blick auf die Komposition ist, wie die Bildinhalte im Verhältnis zum Bildformat dargestellt sind.

Hier gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Das Motiv füllt das Format komplett aus. Bei einem klassischen Porträt ist diese Variante typisch.

  2. Das Motiv ist eigentlich zu groß für das Format. Die Inhalte sprengen also gewissermaßen den Rahmen, indem sie über die Leinwand hinausgehen.

  3. Das Motiv ist zurückgestellt. Dabei ist es entweder sehr klein, sodass es nur wenig Bildfläche einnimmt, oder es verliert sich in der Gesamtkomposition.

Die Anordnung der Bildelemente

Ein weiterer Teilbereich bei der Komposition eines Bildes ist die Anordnung der einzelnen Inhalte und Elemente.

Zu den gängigsten Möglichkeiten gehören folgende:

Reihung

Bei einer Reihung wiederholen sich gleiche oder zumindest ähnliche Bildelemente in regelmäßigen Abständen. Oft sind sie dabei neben- oder übereinander angeordnet. Die Reihung lässt ein Bild meist statisch, starr und vor allem bei Lebewesen unnatürlich wirken.

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Muster

Die Bildelemente sind in einem bestimmten Muster platziert. Dadurch ergibt sich eine Art regelmäßiger Rhythmus. Ein Beispiel dafür wäre eine Landschaft, bei der Bäume immer im Wechsel vor und hinter einem Weg stehen.

Gruppierung

Positioniert der Maler ähnliche Bildinhalte dicht beieinander, verleiht er dem Motiv eine harmonische Stabilität. Gleichzeitig bilden diese Bildinhalte aber auch einen optischen Schwerpunkt. Deshalb sollte der Maler gut abwägen, wo er die Gruppierung anordnet.

Ballung oder Zerstreuung

Bei einer Ballung werden gleiche oder sehr ähnliche Bildelemente ganz dicht beieinander positioniert. Oft überlappen sie sich sogar. Ein Beispiel für dieses Ordnungsprinzip wäre ein Korb, der mit vielen Äpfeln gefüllt ist.

Das Gegenstück zur Ballung ist die Zerstreuung. Hier werden die Bildelemente bewusst auseinandergezogen und verstreut über das ganze Kunstwerk dargestellt. Meist lässt diese Anordnung das Bild dynamisch wirken.

Symmetrie und Asymmetrie

Bei einer Symmetrie sind die einzelnen Bildelemente oft entlang einer Achse angeordnet. Dabei kann die Symmetrieachse waagerecht, senkrecht oder diagonal durch das Bild verlaufen. Im Ergebnis entsteht eine Struktur, die ausgeglichen und ordentlich wirkt.

Allerdings kann ein symmetrischer Aufbau durch die Geradlinigkeit mitunter etwas starr und langweilig erscheinen.

Dynamischer und interessanter kommt häufig eine asymmetrische Anordnung rüber. Hier verlaufen die Bildelemente nicht entlang einer Achse, sondern sind beliebig versetzt.

Die Blickführung

Durch die Blickführung lenkt der Künstler den Blick des Betrachters durch das Bild. Er lotst ihn durch die Bildinhalte und bestimmt auf diese Weise darüber, in welcher Richtung und Reihenfolge der Betrachter die verschiedenen Bildbereiche wahrnimmt.

Meist fällt der Blick zuerst auf zentrale Elemente. Intensive Farben, starke Kontraste oder auffällige Formen, bei Menschen zudem ihre Gesichter können solche Blickpunkte entstehen lassen.

Von hier aus wandert der Blick dann weiter zu den anderen Bereichen. Je nach Komposition spielen dabei Linien und Achsen, Reihungen, Muster, Gruppierungen und Symmetrien eine wichtige Rolle.

Die Art und Weise, wie der Maler den Blick des Betrachters durch das Bild führt, beeinflusst auch die Wirkung.

Besteht ein Bildmotiv zum Beispiel aus klaren Formen, die einem geradlinigen und ruhigen Ordnungsprinzip folgen, wird der Blick aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso ruhig und geordnet über das Kunstwerk wandern. Im Unterschied dazu wird ein Bild mit einem dynamischen und lebhaften Aufbau den Betrachter eher dazu verleiten, flott von einem optischen Schwerpunkt zum nächsten zu springen.

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Hier schreiben die beiden Künstler und Maler RZA & Feryal, alias Christian Gülcan und Ferya Gülcan. Beide Baujahr 1974, mit teilweise unterschiedlichen Einstieg (Grafitti, Zeichnen & Design) in die Acrylmalerei und Ölmalerei. Wir sind Markeninhaber der Kunstschmiede kooZal und malen hauptsächlich moderne und abstrakte Acrylbilder und Ölbilder im Großformat, wenden aber auch andere Maltechniken und Farben an.

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