Wischtechniken: Verwischen und Wegwischen der Ölfarben

Wischtechniken: Verwischen und Wegwischen der Ölfarben 

Natürlich ist es möglich, bildliche Motive sehr originalgetreu zu malen und dabei auch kleinste Details präzise auszuarbeiten. Ölgemälde, die so gemalt sind und Motive wie Landschaften, Portraits, bestimmte Szenen oder Stillleben zeigen, werden ihre Wirkung sicher nicht verfehlen.

Allerdings klappt das originalgetreue, fast fotorealistische Darstellen von Motiven nicht immer so, wie sich das der Künstler eigentlich vorgestellt hatte. Zudem sind es manchmal gerade die experimentellen Maltechniken, die einem Ölbild den richtigen Pfiff geben und es lebendig erscheinen lassen. Zu solchen Maltechniken mit eher experimentellem Charakter gehören die Wischtechniken.

 

Welche Wischtechniken die Ölmalerei kennt und
wie sie umgesetzt werden können, erklärt der folgende Beitrag:

 

Der wischende Auftrag von Ölfarben

Sehr interessante Effekte können erzielt werden, wenn der Künstler die Ölfarbe wischend aufträgt. Durch die schnelle, schwungvolle Bewegung erhält der Farbauftrag eine sichtbare Dynamik. Dabei kann der Farbauftrag mit dem Pinsel erfolgen. Dafür wird etwas Ölfarbe mit dem Pinsel aufgenommen, der anschließend in einer schnellen Bewegung über den Malgrund geführt wird. Ratsam ist allerdings, die Ölfarbe nicht zu stark zu verdünnen.

Eine sehr dünnflüssige Ölfarbe würde nach dem Auftrag nämlich verlaufen. Dadurch können zwar ebenfalls sehr schöne Effekte entstehen, allerdings sind sie kaum steuerbar.

Bei pastosen Ölfarben bieten sich Malwerkzeuge wie Malmesser, Spachtel, Abzieher (für Fensterscheiben) oder auch Hölzer für einen wischenden Farbauftrag an. Die harte Fläche des Malwerkzeugs führt dazu, dass die Ölfarbe einerseits flächiger auf den Malgrund aufgetragen wird. Andererseits entstehen innerhalb des Farbauftrags immer wieder kleine Aussetzer, die die dynamische Wirkung und spannende Optik zusätzlich erhöhen.

Generell eignet sich der wischende Farbauftrag vor allem für großformatige Ölbilder. Der Künstler hat so nämlich buchstäblich mehr Platz, um seine Bewegungen auszuführen.

 

Das Verwischen der Ölfarben

Anstatt die Ölfarben wischend aufzutragen, kann der Künstler seine bereits aufgebrachten, noch feuchten Farbschichten auch nachträglich verwischen. Bei bildlichen Motiven entsteht dadurch eine Unschärfe, die den Eindruck von Dynamik und Lebendigkeit vermittelt. Bei abstrakten Motiven wiederum können herrliche Farbverläufe angelegt werden.

 

Umgesetzt wird diese Wischtechnik wie folgt:

·         Zunächst wird das Motiv auf den Malgrund gemalt. Welches Motiv gewählt wird, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen. Wichtig ist aber, dass der Künstler flächig malt und zügig arbeitet. Es ist nicht notwendig, die Details des Motivs auszuarbeiten. Es reicht völlig, wenn die Bildelemente in groben Zügen wiedergegeben werden. Dazu kann der Künstler die einzelnen Farbflächen deckend nebeneinander anlegen und eventuell mit einzelnen Farbtupfern gezielte Akzente setzen.

·         Sobald das Motiv fertig ist, beginnt das Verwischen. Dafür eignet sich ein sehr breiter Firnispinsel mit Borsten am besten. Der Pinsel wird am linken Bildrand angesetzt und mit wenig Druck in einer Bahn bis an den rechten Bildrand gezogen. Anschließend wird der Pinsel direkt unterhalb der ersten Bahn angesetzt und wieder über das Bild gezogen. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis das gesamte Bild verwischt ist. Dabei sollte der Pinsel aber nach jeder Bahn in einem sauberen Tuch abgewischt werden, um die nächste Bahn nicht zu verschmutzen.

·         Je nachdem, wie stark die Unschärfe ausgeprägt sein soll, kann der Pinsel in weiteren Bahnen über das Bild gezogen werden. Spielt der Künstler mit dem Druck, indem er diesen mal erhöht und mal wieder verringert, kann er die Farbflächen ebenfalls verschieden unscharf ausgestalten. Bei großformatigen Bildern und abstrakten Motiven kann der Künstler den Pinsel zudem durch einen Abzieher ersetzen.

·         Ist das Ölbild fertig und trocken, wird ein Firnis aufgetragen. Dadurch erhält das Bild einen einheitlichen Glanzgrad, der die Wirkung des unscharf verwischten Motivs unterstützt.

Erstaunlich ist, dass das verwischte Motiv durch die Unschärfe sehr real wirkt, obwohl es gar nicht detailliert gemalt wurde. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass der Betrachter das Motiv mit Bewegung assoziiert. Wenn der Mensch etwas beobachtet und sich innerhalb dieser Szene etwas bewegt, nimmt er die Person oder den Gegenstand, der sich bewegt, auch nicht in allen Details und gestochen scharf, sondern leicht verschwommen war. Genau dieser Effekt wird durch das Verwischen der Ölfarben nachgeahmt.

 

Das Wegwischen der Ölfarben

Eine dritte Wischtechnik besteht darin, eine aufgetragene Farbschicht wieder abzuwischen. Der Effekt entsteht also nicht dadurch, dass Farbe auf den Malgrund aufgetragen wird, sondern dadurch, dass die Farbe gezielt entfernt wird. Dafür wird zunächst eine Farbschicht auf den Malgrund aufgebracht.

Dabei wird die Farbfläche etwas größer angelegt als sie eigentlich sein soll. Anschließend wird ein sauberes Tuch in Verdünnung getaucht. Mit diesem Tuch wird solange über die Farbfläche im Ganzen oder an den Kanten gewischt und gerieben, bis die Farbe im gewünschten Umfang wieder abgenommen ist.

Dieses Freiwischen kann der Künstler einsetzen, um mehr oder weniger zufällige Formen zu gestalten und ganz gezielt bestimmte Effekte zu erzielen. Die Technik wird aber auch genutzt, um sehr exakte Kanten zu erhalten. Mit dem Pinsel gelingt es nicht immer, präzise Linien zu ziehen. Auch Malerkrepp als Hilfsmittel für gerade Kanten funktioniert nur bedingt, denn auf strukturierten Oberflächen fehlt mitunter die Haftung. Das gezielte Wegwischen der aufgetragenen Ölfarbe führt deshalb oft zu besseren Ergebnissen.

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