Infos zur Imprimitur

Infos zur Imprimitur

 

Traditionell beginnt ein Ölbild mit der Grundierung. Danach folgt teilweise eine Untermalung, anschließend wird das eigentliche Motiv in mehreren Farbschichten aufgebaut. Vor allem früher trugen viele Künstler jedoch noch eine weitere Schicht auf. Diese Schicht, die unmittelbar auf die Grundierung folgte, heißt Imprimitur. Aber welche Funktion hat diese Schicht und wie wird sie gemalt?

 

Hier die wichtigsten Infos zur Imprimitur in der Übersicht:

 

Die verschiedenen Arten der Imprimitur

Bei der Imprimitur handelt es sich um eine farbige Grundierung. Sie wird direkt auf die weiße Grundierung aufgetragen. Der Name Imprimitur leitet sich von dem italienischen Begriff Imprimitura ab und bedeutet übersetzt erste Schicht.

Je nachdem, wie die farbige Grundierung ausgeführt wird und welche Materialien dabei zum Einsatz kommen, werden mehrere Arten der Imprimitur voneinander unterschieden:

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Eine farbige Grundierung, die deckend aufgetragen wird, wird als Deckfarbengrund bezeichnet. Hierfür mischt der Künstler der weißen Grundierungsfarbe für den letzten Auftrag ein wenig Farbpigment bei. Dadurch entsteht eine nur recht leicht getönte Farbgrundierung, die durch ihre hohe Deckkraft und den hohen Weißanteil die Leuchtkraft der folgenden Farbschichten sehr gut unterstützt. Vor allem die Impressionisten arbeiteten aber teilweise auch mit stärker eingefärbten Grundierungen, um so gezielt bestimmte Bildwirkungen zu erzielen.

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Als Lasurgrund wird eine farbige Grundierung bezeichnet, die lasierend und damit transparent aufgebracht wird. Die sehr dezente und zurückhaltende Tönung bewirkt, dass die weiße Grundierung sichtbar bleibt und durch die farbige Grundierung hindurchschimmert. Um einen Lasurgrund anzulegen, können Ölfarben verwendet werden. Möglich ist aber auch, Acrylfarben, Aquarellfarben oder Gouachefarben zu benutzen oder eigene Farben aus Farbpigment und Binder anzumischen.

Verglichen mit einem Deckfarbengrund ergeben sich durch einen Lasurgrund drei wesentliche Vorteile. So besteht zum einen nicht die Gefahr, dass der Bilduntergrund zu dunkel wird. Zum anderen wirkt der Malgrund lebendiger, denn die Lasuren lagern sich durch den nassen Farbauftrag unregelmäßig auf dem Malgrund ab. Außerdem verbraucht der Künstler bei einem Lasurgrund wesentlich weniger Farbe als bei einer deckend aufgebrachten Grundierung.

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Die Imprimitura ist eine Grundierung aus gelblichen, rötlichen oder grünlichen Erdfarben. Besonders beliebt war diese Variante der Grundierung in der Gotik und der Frührenaissance. Die altmeisterliche Imprimitura bezeichnet aber tatsächlich nur eine Grundierung in gelben, roten oder grünen Erdfarben. Im Unterschied dazu wird der Begriff Imprimitur als eine Art Oberbegriff für alle farbigen Grundierungen verwendet.

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Handelt es sich um eine Grundierung in rötlich-braunen Erdfarben, wird von einem Bolusgrund gesprochen. Eine Grundierung in dieser Farbgebung fand vor allem in der Malerei des 18. Jahrhunderts Anwendung. Der Name leitet sich von dem Farbpigment namens roter Bolus, auch bekannt als Rötel, ab. Neben dem roten Bolus wurden aber auch andere rot-braune Erdpigmente verarbeitet und ein Bolusgrund wurde meist deckend aufgetragen.

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Bei einem Umbragrund besteht die Grundierung, wie der Name bereits andeutet, aus Umbra. Daneben können auch weitere Materialien für eine Imprimitur verwendet werden, beispielsweise Zeichenkohle in Kombination mit Binder.

 

Die Funktion der Imprimitur

Eine farbige Grundierung hilft dem Künstler dabei, eine bestimmte Lichtatmosphäre und damit eine besondere Bildwirkung zu erzielen. Malt der Künstler beispielsweise ein Landschaftsbild und wählt er eine ocker- oder sandfarbene Grundierung, wirkt die Landschaft natürlicher. Malt er hingegen Menschen und entscheidet sich für eine lasierend aufgebrachte Grundierung im Farbraum zwischen Hellgrau und Olivgrün, kommen die Hauttöne besonders gut zur Geltung.

Eine Imprimitur hat außerdem den Vorteil, dass es etwas einfacher wird, Lichter und Schatten anzulegen. Durch die farbige Grundierung entsteht nämlich ein Mittelton und von diesem Mittelton aus kann der Künstler ins Helle oder zum Dunklen hin arbeiten. Allerdings beeinflusst eine Imprimitur die Reinheit der Farben.

Möchte der Künstler eine intensiv leuchtende, brillante Farbwirkung erzielen, ist er mit einer weißen Grundierung besser beraten. Gleiches gilt, wenn der Künstler lasierend malen möchte, denn auch hier würden die Leuchtkraft und die Transparenz der Lasuren der farbigen Grundierung zum Opfer fallen. 

 

Der Unterschied zwischen der Imprimitur und der Untermalung

Auch wenn sowohl die Imprimitur als auch eine Untermalung die ersten Schichten eines Ölgemäldes bilden können, so gibt es doch große Unterschiede. Eine Imprimitur ist lediglich eine Grundierung, die in einem einheitlichen Farbton auf den gesamten Malgrund aufgebracht wird. Im Gegensatz dazu ist eine Untermalung schon so etwas wie der Entwurf oder das Grundgerüst des Bildes.

Bei der Untermalung werden die späteren Farbtöne bereits angelegt, indem der Künstler hellere und dunklere Flächen malt. Werden anschließend helle Farbschichten auf helle Flächen gelegt, leuchten sie noch intensiver, während dunkle Farben auf dunklen Flächen mehr Tiefe erhalten. Die Farbflächen werden dabei aber nur locker nebeneinandergesetzt. Die Ausarbeitung von Details folgt erst später.

In der Ölmalerei wird die Untermalung immer mit möglichst mageren Ölfarben angelegt, denn es gilt die Grundregel fett auf mager einzuhalten. Möglich ist aber auch, die Untermalung mit Acryl-, Gouache- oder Aquarellfarben anzulegen, da diese Farben wesentlich schneller trocknen. Zudem findet bei der Untermalung üblicherweise eine flächige, lasierende oder halbdeckende Malweise Anwendung. Bei einer in pastoser Malweise aufgebrachten Untermalung würden die Pinselstriche später sichtbar bleiben, was das Ausgestalten der Details nachteilig beeinflussen könnte.

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