Grundwissen zu Ölfarben, 1. Teil

Grundwissen zu Ölfarben, 1. Teil 

Die Ölmalerei gilt als die Königsdisziplin der Malerei. Dies kann daran liegen, dass viele der berühmten Meisterwerke in Öl gemalt wurden. Ein anderer Grund könnte sein, dass die meisten in Ölgemälden den Inbegriff für hochwertige und kostbare Bilder sehen.

Es mag aber auch daher kommen, dass der Umgang mit Ölfarben anspruchsvoller ist und mehr Übung bedarf als das Malen mit beispielsweise Acrylfarben. Aber natürlich ist auch die Ölmalerei kein Hexenwerk und wer sich mit den Farben auseinandersetzt und ein paar Grundregeln beachtet, wird mit Ölfarben letztlich genauso wenig Schwierigkeiten haben wie mit anderen Farbsorten.

 

Und um hier einen Anfang zu machen,
vermittelt der folgende Beitrag in zwei Teilen etwas Grundwissen zu Ölfarben:

 

Die Bestandteile von Ölfarben

Wie alle Künstlerfarben bestehen auch Ölfarben im Wesentlichen aus einem Bindemittel und Farbpigmenten. Die Besonderheit von Ölfarben, die gleichzeitig ihren Namen erklärt, besteht darin, dass im Bindemittel ein sehr hoher Anteil an Öl enthalten ist. Das Öl wiederum verändert die Struktur der Farbpigmente so gut wie gar nicht oder aber zu ihrem Vorteil. Dies führt dazu, dass Ölfarben eine intensive Leuchtkraft und Farbbrillanz haben sowie lichtecht und langlebig sind.

Von Haus aus sind Ölfarben meist deckend. Werden sie in nur sehr dünnen Farbschichten aufgetragen oder verdünnt, lassen sich aber auch Lasuren anlegen. Als Verdünnungsmittel wird Terpentin eingesetzt. Mit Wasser können Ölfarben nicht verdünnt werden, denn Wasser und Öl vermischen sich nicht miteinander.

Beim Öl als Basiszutat von Ölfarben kann es sich um verschiedene Sorten handeln. Klassischerweise kommen Öle wie Lein-, Nuss- oder Mohnöl zum Einsatz, aber auch exotischere Öle wie chinesisches Holzöl werden verwendet. Inzwischen gibt es zudem industriell hergestellte Ölfarben, die synthetische Öle enthalten. Was die Farbpigmente angeht, ist die Auswahl riesig. Anorganische und organische sowie natürliche und künstliche Farbpigmente werden verarbeitet und sorgen für eine äußerst breitgefächerte Farbpalette. 

 

Die Eigenschaften von Ölfarben

Wenn Ölfarben aus der Tube oder Dose kommen, haben sie eine pastenartige Konsistenz, die ungefähr mit Zahnpasta vergleichbar ist. Diese Konsistenz macht es möglich, die Ölfarben so auf den Malgrund aufzubringen, dass die charakteristischen Malspuren mit ihren typischen Strukturen und sichtbaren Pinselstrichen entstehen. Um Ölfarben zu verdünnen, werden sie mit Terpentinöl vermischt. Je nachdem, wie viel Terpentinöl hinzugefügt wird, können die Ölfarben dann lasierend bis hin zu aquarellartig vermalt werden.

Insgesamt weisen Ölfarben eine hohe Lichtechtheit auf. Die Lichtechtheit ist verantwortlich dafür, dass die Ölfarben im Laufe der Zeit nicht verblassen. Hintergrund hierzu ist, dass die Lichteinstrahlung und hier insbesondere die UV-Strahlen die chemische Zersetzung der Farben in Gang setzen.

Je lichtechter die Farben sind, desto weniger kann ihnen die UV-Strahlung anhaben. Auf den Tuben ist die Lichtechtheit der Ölfarben meist durch Sterne gekennzeichnet. Dabei steht ein Stern für eine geringe Lichtechtheit, während fünf Sterne die höchste Lichtechtheit ausweisen.

Die Deckkraft von Ölfarben ist ebenfalls sehr hoch. Eine hohe Deckkraft bedeutet, dass eine Farbschicht die darunterliegende Fläche komplett überlagert, so dass sie nicht mehr zu sehen ist. Je nach verwendeten Farbpigmenten und je nach Zusammensetzung der Bestandteile gibt es aber auch Ölfarben, die nur halbdeckend sind. Um Ölfarben noch transparenter anzulegen, können sie mit Terpentinöl vermischt werden. Die Deckkraft von Ölfarben ist auf den Tuben meist durch kleine Quadrate angegeben. Ein Quadrat kennzeichnet dabei eine geringe Deckkraft, drei oder fünf Quadrate stehen für eine hohe Deckkraft.

 

Das Trocknungsverhalten von Ölfarben

Eine weitere Besonderheit von Ölfarben ist ihre sehr langsame Trocknung. Strenggenommen trocknen Ölfarben gar nicht, zumindest nicht im klassischen Sinne. Wasserbasierte Farben wie Acryl-, Gouache- oder Aquarellfarben trocknen und werden fest, weil ihre flüssigen Bestandteile verdunsten. Bei Ölfarben verdunstet das enthaltene Terpentin zwar ebenfalls, die Farben sind dadurch aber weder grifffest noch trocken.

Bei Ölfarben kommt es vielmehr zu einer Oxidation und einer Polymerisation. Diese Vorgänge können sich über Jahrzehnte erstrecken. Auch wenn die Oberflächen nach einiger Zeit soweit verschlossen sind, dass die Malerei grifffest ist und das Bild berührt werden kann, heißt das nicht, dass das Ölbild deshalb schon komplett durchgetrocknet wäre.  

Wenn Ölfarben oxidieren, dehnen sie sich zunächst einmal aus. Ihr Volumen nimmt also zu. Dabei bildet die Farbschicht oft eine schrumpelige, runzelige Oberfläche. Dieser Effekt lässt sich umso deutlicher beobachten, je mehr reines Öl die Farbe enthält. Nach einiger Zeit setzt ein gegenteiliger Prozess ein und die Farbe zieht sich wieder zusammen. Eine dünne Farbschicht kann in dieser Phase Risse bilden. Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn der Oxidationsprozess bei der darunterliegenden Farbschicht noch nicht so weit fortgeschritten ist, sie also noch in der Ausdehnungsphase steckt.

Dass Farbschichten unterschiedlich schnell trocknen, hat mehrere Gründe. So hängt die Trocknungsgeschwindigkeit zum einen von der Dicke der Farbschicht und zum anderen von der Zusammensetzung der Farbe ab. Auch die Grundierung spielt eine Rolle. Ein weiterer Grund ist, dass die chemischen Vorgänge dazu führen, dass die Viskosität der Farbe kontinuierlich steigt. Die Farbschicht wird also immer zäher, bis sie irgendwann komplett ausgehärtet ist. Diese chemische Reaktion setzt allerdings Sauerstoff voraus. Deshalb trocknen die oberen, äußeren Farbschichten zuerst. Dieses Phänomen lässt sich auch auf der Malerpalette beobachten: Bleibt ein Farbrest zurück, entsteht auf der Oberfläche eine feste, dünne Haut, während die Farbe darunter noch weich ist.

Um die Trocknungszeit zu beschleunigen, können einer Ölfarbe sogenannte Sikkative hinzugefügt werden. Sikkative sind Substanzen, die die Aushärtung der Ölfarbe vorantreiben. Eine andere Möglichkeit wäre, einen Malgrund zu verwenden oder eine Grundierung aufzutragen, die stark saugend sind. Allerdings sind beide Varianten mit Vorsicht zu genießen. Härtet eine Ölfarbe zu schnell aus, kann sie nämlich spröde werden und folglich Risse bilden. Außerdem verliert sie an Leuchtkraft. Letztlich ist es also besser, sich in Geduld zu üben.

Vor allem bei älteren Ölgemälden sind oft netzartige Strukturen auf der Oberfläche zu sehen. Diese feinen Risse kommen dadurch zustande, dass sich der Bildträger im Laufe der Zeit verzieht. Im Fachjargon werden solche altersbedingten Rissbilder als Krakelüre bezeichnet.

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