Firnis in der Ölmalerei – Infos und Tipps

Firnis in der Ölmalerei – Infos und Tipps

 

Damit Ölfarben optimal zur Geltung kommen, ideal am Malgrund haften und weder runzelig noch rissig trocknen, führt an einer guten Grundierung kein Weg vorbei. Trotzdem kann es passieren, dass eine Farbschicht matt und kraftlos wirkt oder gefestigt werden sollte.

Eine abschließende Versiegelung wiederum trägt dazu bei, dass das fertige Ölgemälde vor Schmutz, Staub, Kratzern, Vergilbung und den möglichen Folgen von UV-Strahlung geschützt ist. Für beide Fälle ist ein Firnis die geeignete Lösung. In der Ölmalerei wird in diesem Zusammenhang aber zwischen einem Zwischenfirnis und einem Schlussfirnis unterschieden. Doch was ist ein Firnis genau? Wann und wie wird er aufgetragen?

 

Hier die wichtigsten Infos und Tipps rund um den Firnis in der Ölmalerei: 

 

Der Zwischenfirnis

Wenn das Bindemittel einer Ölfarbe in die Grundierung oder in tiefere Farbschichten einzieht, wirkt die Ölfarbe matt und wird spröde. Solche Bildstellen werden als eingeschlagene Bildstellen bezeichnet. Durch den Zwischenfirnis wird die fehlerhafte Farbschicht mit Fett angereichert und damit optisch korrigiert.

Gleichzeitig versiegelt der Zwischenfirnis saugende Bildstellen und sorgt für einen einheitlichen Glanzgrad. Als Zwischenfirnis eignet sich ein Firnis auf Basis von natürlichen Harzen wie Dammar oder Mastix. Daneben kann auch ein Firnis auf Kunstharzbasis verwendet werden. Generell sollte der Zwischenfirnis aber nur in einer dünnen Schicht aufgetragen werden, denn er dient ja nur als Zwischenschicht.

Abgesehen von Korrekturen übernimmt ein Zwischenfirnis je nach Malweise verschiedene Funktionen. Wird ein Ölbild lasierend gemalt, festigt er die bisher aufgetragenen Lasuren und Farbschichten. Dies kann deshalb hilfreich sein, weil sich Lasuren wieder anlösen können, wenn eine Bildstelle mehrfach und intensiv übermalt wird oder wenn aggressive Malmittel wie reines Terpentinöl oder Spiritus zum Einsatz kommen.

Durch den Zwischenfirnis sind die bisherigen Lasuren versiegelt und vor einem erneuten Anlösen weitestgehend geschützt. Wird ein Ölbild alla prima oder pastos gemalt, ist mitunter genau das Gegenteil erwünscht. Die bereits trockenen Farbschichten sollen also gerade durch den Zwischenfirnis wieder leicht angelöst werden, damit erneut Nass-in-nass gemalt werden kann.

 

Der Schlussfirnis

Komplett fertig ist ein Ölbild erst dann, wenn der Schlussfirnis aufgetragen wurde. Dabei ist der Schlussfirnis aber nicht nur eine Versiegelung, die das Bild vor schädlichen Einflüssen, Staub, Schmutz und Kratzern schützt. Stattdessen lässt der Firnis die Farben satter, intensiver und brillanter strahlen. Außerdem verleiht der Firnis der Oberfläche einen gleichmäßigen Glanz.

Dies ist deshalb von Vorteil, weil Ölfarben nach dem Trocknen so gut wie nie einen völlig einheitlichen Glanzgrad aufweisen. Allerdings dauert es seine Zeit, bis der Schlussfirnis aufgetragen werden kann. Je nachdem, wie dick die einzelnen Farbschichten sind, welche Malmittel verwendet wurden und unter welchen Bedingungen das Ölbild trocknet, kann es mehrere Monate dauern, bis ein Ölbild tatsächlich trocken ist.

Um zu testen, ob das Ölbild schon gefirnisst werden kann, ist es möglich, mit dem Daumen vorsichtig auf eine Bildstelle zu drücken. Klebt die Bildstelle auch bei festerem Druck nicht mehr, kann der Firnis aufgetragen werden. Ein anderes recht zuverlässiges Indiz ist, wenn das Ölbild allmählich aufhört, nach Ölfarbe zu riechen.

Firnisse sind auf Basis von Natur- und Kunstharzen erhältlich. Außerdem gibt es sie in verschiedenen Glanzgraden von matt bis glänzend. Bevor der Firnis aufgetragen wird, sollte das Ölbild mit einem weichen und fusselfreien Tuch entstaubt werden. Dann wird das Bild flach hingelegt und der Firnis mit einem breiten Pinsel aufgetragen. Eine andere Möglichkeit ist, den Firnis mittels Zerstäuber oder Spritzpistole aufzusprühen.

Wichtig beim Firnissen ist aber, dass sowohl das Ölgemälde als auch der Firnis Raumtemperatur haben. Damit sich die Wachse und Harze gleichmäßig verteilen, sollte der Firnis kräftig durchgeschüttelt werden. Auch ein leichtes Erwärmen im Wasserbad oder mit dem Föhn kann helfen, für eine gleichmäßige Konsistenz zu sorgen. Zudem sollte es in dem Raum eher trocken sein.

Wird in einem feuchten und kühlen Raum gearbeitet, kann es passieren, dass zwischen der Bildoberfläche und dem Firnis ein weißlicher Schleier entsteht. Eine gute Alternative zu flüssigen Firnissen sind Sprühfirnisse. Sie machen es deutlich leichter, eine gleichmäßige Schicht aufzubringen. Sprühfirnisse kommen gebrauchsfertig aus der Sprühdose. Der Künstler muss nur die Dose in die Hand nehmen und sein fertiges Ölbild aus einem Abstand von etwa 40 cm einsprühen.

Die Firnisabnahme

Vor allem Ölfirnisse und fette Firnisse auf Naturharzbasis neigen dazu, nach einigen Jahren zu vergilben. Ist ein Ölbild nur verstaubt, kann es mit einem weichen, fusselfreien Tuch gereinigt werden. Bei leichten Verschmutzungen kann es helfen, das Gemälde mit einer rohen Kartoffelhälfte oder dem Inneren eines Weißbrotes abzureiben. Auch eine Bienenwachspaste hat eine reinigende Wirkung.

Wenn sich der Firnis aber gelblich verfärbt hat, bleibt meist nur noch die Firnisabnahme. Von einer Firnisabnahme wird gesprochen, wenn der Firnis entfernt wird. Je nach Firnis und Bildzustand wird dazu meist ein Wattestäbchen mit Terpentinöl, Reinigungsbenzin oder Alkohol benetzt und anschließend auf das Bild aufgetupft.

Allerdings erfordert es Übung und Erfahrung, einen Firnis abzunehmen, ohne die Bildschichten zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Solche Arbeiten sollten deshalb besser dem fachmännisch ausgebildeten Restaurator überlassen bleiben.

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