Ölfarben und Acrylfarben – ein Vergleich

Ölfarben und Acrylfarben – ein Vergleich 

So mancher Hobbykünstler fragt sich, ob er besser mit Ölfarben oder doch lieber mit Acrylfarben arbeiten sollte. Eine Aussage darüber zu treffen, ob die Ölmalerei besser sei als die Acrylmalerei oder umgekehrt, ist sicherlich nicht möglich. Dies liegt allein schon daran, dass die Farben aus unterschiedlichen Bestandteilen bestehen und verschiedene Eigenschaften haben.

Hinzu kommt, dass die Ölmalerei dem Künstler einiges an Können und Wissen abverlangt, während sich die Acrylmalerei auch schon für die ersten Malversuche eines Hobbymalers eignet. Trotzdem fällt es einem Laien oft nicht leicht, zu beurteilen, ob ein Gemälde mit Öl- oder mit Acrylfarben gemalt wurde.   

 

Grundlegendes zu Ölfarben 

Ölfarben bestehen im Wesentlichen aus zwei Bestandteilen, nämlich zum einen aus einem Öl wie beispielsweise Lein-, Mohn- oder Walnussöl als Bindemittel und zum anderen aus Farbpigmenten. Ölfarben kennzeichnen sich durch eine intensive Farbbrillanz, eine ausgeprägte Deckkraft und eine hohe Lichtechtheit.  

Insbesondere die intensiven Farbeindrücke lassen sich mit praktisch keiner anderen Farbsorte erzielen. Dabei können Ölfarben mit verschiedenen Malmitteln vermischt werden, um so ihre Konsistenz für die verschiedenen Maltechniken zu verändern oder die Trocknungszeit zu beschleunigen oder hinauszuzögern. Generell trocknen Ölfarben jedoch nur sehr langsam, selbst sehr dünne Farbschichten benötigen mehrere Tage zum Trocknen.  

Um Ölfarben zu verdünnen, wird meist Terpentinöl verwendet. Die Ölmalerei ermöglicht eine Vielzahl verschiedener Maltechniken, allerdings muss die Grundregel „fett auf mager“ eingehalten werden, um Risse zu vermeiden. Zudem lässt sich die Ölmalerei nur bedingt mit anderen Techniken kombinieren, denn durch den Ölgehalt vertragen sich Ölfarben nur mit wenigen anderen Farbsorten.  

Das Öl ist auch das entscheidende Kriterium, wenn es um den Malgrund geht. Meist wird in der Ölmalerei auf Leinwand oder Holz gemalt und bei einer entsprechenden Grundierung haften die Farben hier gut. Sind Ölfarben mechanischen Verformungen ausgesetzt, neigen sie jedoch schnell dazu, abzublättern.  

Um die Ölfarben zu schützen, wird in aller Regel ein Schlussfirnis aufgetragen, nachdem das Ölbild vollständig getrocknet ist. Pinsel und Arbeitgeräte können nicht mit Wasser, sondern müssen mit einem Lösungsmittel gereinigt werden.     

 

Grundlegendes zu Acrylfarben  

Acrylfarben basieren in aller Regel auf Kunststoffdispersionen, es gibt allerdings auch Acrylfarben auf Basis von organischen Lösungsmitteln. Insgesamt gehören Acrylfarben zu den eher jungen Farben. So wurden die ersten Acrylfarben Ende der 1940er-Jahre in den USA hergestellt, Anfang der 1960er-Jahre begannen dann die ersten Künstlerfabriken in Europa mit der Herstellung.  

Acrylfarben setzen sich im Wesentlichen aus drei Bestandteilen zusammen. So enthalten Acrylfarben zum einen Lösungsmittel, die die Bindemittel lösen und verdunsten, wenn die Farben trocknen. Meist wird als Lösungsmittel Wasser verwendet. 

Zum anderen enthalten Acrylfarben Bindemittel. Diese verbinden die Farbpigmente untereinander und sind gleichzeitig auch für die Verbindung zwischen Farbpigmenten und Malgrund zuständig. Als dritte Zutat enthalten Acrylfarben Farbpigmente, bei denen es sich um organische, anorganische oder Effektpigmente handeln kann. Acrylfarben trocknen sehr schnell und verändern dabei ihren Farbton ein wenig. Dies liegt daran, dass das enthaltene Bindemittel in flüssigem Zustand milchig weiß ist, aber transparent auftrocknet.  

Um die Trocknungszeit der Acrylfarben zu verlängern, können Malmittel beigemischt werden. In der Acrylmalerei kann mit vielen verschiedenen Maltechniken gearbeitet werden. Eine beliebte Maltechnik ist beispielsweise die Impastotechnik. Hierbei werden mithilfe von Spachteln oder Malmessern Farbschichten aufgetragen, wobei selbst dicke Farbschichten ohne Risse trocknen.  

Mit Wasser verdünnt können Acrylfarben als Lasuren vermalt werden, während die Zugabe von Acrylbinder dafür sorgt, dass mit Acrylfarben Techniken möglich sind, die der Aquarellmalerei ähneln. In trockenem Zustand bilden Acrylfarben einen elastischen, leicht glänzenden Film. Sie können auf nahezu jedem fettfreien Malgrund verwendet werden, bei sehr pastosen Maltechniken empfiehlt sich aber ein fester Bildträger.  

Um besondere Effekte zu erzielen, können Acrylfarben mit Pasten, Gelen und anderen Strukturmitteln kombiniert werden. Pinsel und Arbeitsgeräte lassen sich direkt nach dem Gebrauch mit Wasser reinigen, denn Acrylfarben sind erst in trockenem Zustand wasserunlöslich. Sollen sie dann entfernt werden, sind spezielle Lösungsmittel erforderlich.  

 

Ölfarben und Acrylfarben – ein Vergleich 

Auch wenn Öl- und Acrylfarben unterschiedliche Bestandteile enthalten und verschiedene Eigenschaften aufweisen, lassen sie sich im Hinblick auf einige Punkte miteinander vergleichen:

 

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Ölfarben eignen sich kaum für Mischtechniken und aufgrund der maltechnischen Eigenschaften lassen sich nicht alle Maltechniken problemlos umsetzen. Acrylfarben dagegen können überaus vielseitig verwendet und auch mit anderen Farbsorten kombiniert werden. Die Kombination Öl- und Acrylfarben ist aber dennoch möglich, nämlich in der Form, dass die Untermalung eines Ölgemäldes mit Acrylfarben realisiert wird.

 

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Um Ölfarben zu verdünnen, muss beispielsweise Terpentin verwendet werden. Dies führt dazu, dass die ohnehin schon geruchsintensive Ölfarbe noch ein wenig stärker riecht. Acrylfarben hingegen riechen kaum und um sie zu verdünnen, reicht Wasser aus.

 

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Für ein Ölbild muss der Malgrund grundiert werden. Andernfalls würde das Öl in den Malgrund abwandern und die Farbpigmente hätten keine ausreichende Bindung. Bei einem Acrylbild kann der Malgrund grundiert werden, unbedingt erforderlich ist dies aber nicht.

 

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Die Acrylmalerei macht es möglich, die Farben in nahezu unbegrenzt dicken Schichten aufzutragen. In der Ölmalerei hingegen können bei starken Farbschichten schnell Risse entstehen.

 

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Sowohl Öl- als auch Acrylfarben trocknen wasserfest auf. Anders als Acrylfarben trocknen Ölfarben jedoch nur sehr langsam. Dies ist aber nicht unbedingt ein Nachteil, denn dadurch können unter anderem über einen langen Zeitraum Korrekturen vorgenommen werden. 

Wenn Ölfarben trocknen, vergrößert sich ihr Volumen ein wenig. Dadurch sind Strukturen, beispielsweise durch Pinselstriche, auch nach dem Trocknen noch zu sehen. Acrylfarben hingegen verlieren beim Trocknen etwas Volumen, was daran liegt, dass das enthaltene Wasser verdunstet. 

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Thema: Ölfarben und Acrylfarben – ein Vergleich

One Comment  to  Ölfarben und Acrylfarben – ein Vergleich

  1. Frank sagt:

    Hallo,
    das ist eine gute Erklärung, aber zwei Fragen habe ich dazu:
    Warum vergrößert sich das Volumen von Ölfarben bei Trocknung? Das Öl verdunstet doch auch wie das Wasser bei Acrylfarben.
    Sollte wegen der Volumenvergrößerung der Keilrahmen nach Trocknung nachgespannt werden, um Rissen besser vorzubeugen?

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