Basiswissen zur Grundierung für die Ölmalerei

Basiswissen zur Grundierung für die Ölmalerei 

In der Ölmalerei spielt die Grundierung aus mehreren Gründen eine sehr wichtige Rolle. So verhindert die Grundierung, dass den Ölfarben ihr Bindemittel entzogen wird und das Öl in den Malgrund einzieht. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil Ölfarben, die nur wenig Bindemittel enthalten, stärker zur Rissbildung neigen. 

Die Grundierung nimmt damit also direkten Einfluss auf die Haltbarkeit eines Ölbildes, wobei schon eine sehr alte Malerweisheit besagt, dass ein Bild immer nur so haltbar ist wie sein Untergrund.

Die Grundierung kommt allerdings von Anfang an zum Tragen, denn je besser die Grundierung ist, desto besser und leichter lassen sich auch die Ölfarben vermalen. Nun stellt sich aber die Frage, wie der Untergrund für ein Ölbild denn nun richtig grundiert wird.  

 

Hier daher ein wenig Basiswissen
zur Grundierung für die Ölmalerei:
  

 

Die verschiedenen Varianten von Grundierungen 

Viele Hobby-Künstler greifen auf fertig grundierte Leinwände zurück, wenn sie ein Ölbild malen möchten. Dies hat den Vorteil, dass direkt mit dem Malen begonnen werden kann. Die Grundierung der im Handel erhältlichen und oft auf Keilrahmen aufgezogenen Leinwände entspricht in den meisten Fällen einer mittleren Qualität.  

Möchte der Hobby-Künstler eine qualitativ hochwertigere Grundierung oder möchte er seinen Malgrund schlichtweg selbst grundieren, steht ihm hierfür eine enorm große Angebotspalette an Grundierungen verschiedenster Art zur Verfügung. 

 

Dabei lassen sich die unterschiedlichen Grundierungen in drei große Gruppen einteilen:  

 

1. Traditionelle Grundierungen 

Traditionelle Grundierungen werden nach alten Rezepturen angemischt und verarbeitet. Dies ist mitunter etwas umständlich und garantiert nicht automatisch eine qualitativ hochwertige Grundierung, aber viele Künstler möchten den traditionellen Methoden treu bleiben. Zudem ist es sicherlich eine interessante Erfahrung, den Malgrund für sein Ölbild wie in vergangenen Tagen vorzubereiten. Eine Möglichkeit hierzu ist die Grundierung mit einem selbst hergestellten Gips- oder Kreidegrund.  

Hierfür wird zunächst Leimwasser angerührt, das aus 70 Gramm Leim und einem Liter Wasser besteht und 24 Stunden lang quellen muss. Anstelle von Leim kann aber auch Acrylbinder verwendet werden. Für die erste Grundierung wird der Malgrund mit einer dünnen Schicht Leimwasser gestrichen. Danach folgen zwei weitere Anstriche mit Gips- oder Kreidegrund. Dieser wird aus einem Teil Gips oder Kreide, einem Teil Zinkweiß und einem Teil leicht erwärmten Leimwasser hergestellt. 

Wird dem Kreidegrund etwa zehn Prozent Alaun hinzugefügt, wird er wasserunlöslich, durch einen dünnen Auftrag von verdünntem Harzfirnis wird die saugende Wirkung etwas reduziert. Eine andere Möglichkeit wäre eine Grundierung mit einem Ölgrund. Auch hier erfolgt zunächst ein dünner Anstrich mit Leimwasser. Anschließend wird der Malgrund zweimal dünn mit Ölgrund grundiert.  

Der Ölgrund wird aus einem Teil Gips oder Kreide, einem Teil Zinkweiß und einem Teil kaltem Leimwasser angerührt. Diese Mischung wird anschließend vorsichtig erwärmt und in warmem Zustand mit knapp zwei Teilen Leinölfirnis vermischt. Wird der Mischung nur ein Teil Leinölfirnis hinzugefügt, handelt es sich um einen Halb-Ölgrund, der aber genauso verarbeitet wird wie Ölgrund. Eine dritte Möglichkeit ist, einen Kaseingrund zu verwenden. 

Für den Kaseingrund werden 50 Gramm Kaseinpulver mit 125ml lauwarmem Wasser vermischt. Dieser Mischung werden dann erst etwas Hirschhornsalz und anschließend weitere 125ml Wasser hinzugefügt. Für den ersten Grundierungsanstrich wird der Kaseingrund mit Wasser verdünnt, danach folgen zwei dünne Grundierungsanstriche mit unverdünntem Kaseingrund.  

 

2. Künstler-Grundierfarben 

Im Fachhandel sind verschiedene Künstler-Farben für Grundierungen erhältlich. Oft sind ihre Bezeichnungen an die Namen der traditionellen Grundierungen angelehnt und auch die Maleigenschaften sind miteinander vergleichbar, allerdings bestehen die Farben vielfach aus anderen Zutaten.  

Zu den wichtigsten Künstler-Grundierfarben gehören Gesso, Halbkreidegrund und Grundierweiß. Gesso ist ein saugender und leuchtender Kreidegrund, der heute häufig auf Acrylbasis hergestellt wird und daher auch unter der Bezeichnung Acrylkreidegrund angeboten wird.  

Halbkreidegrund sorgt für eine wenig saugende Grundierung mit leicht glänzender Oberfläche und bei Grundierweiß handelt es sich um eine Dispersionsfarbe. Insgesamt sind spezielle Grundierfarben allerdings verhältnismäßig teuer und einige neigen dazu, brüchig aufzutrocknen.   

 

3. Alternative Grundierungen 

Neben traditionellen und speziellen Grundierungen gibt es einige Farben, die sich ebenfalls hervorragend für Grundierungen eignen. Hierzu gehört beispielsweise Fassadenfarbe. Diese ist für den Außenbereich entwickelt und kommt daher mit Temperaturschwankungen und Veränderungen der Luftfeuchtigkeit sehr gut zurecht.  

Eine andere Möglichkeit ist Acrylbinder, der mit weißer Acrylfarbe oder einem Brei aus weißen Farbpigmenten und Wasser eingefärbt werden kann. Sowohl Fassadenfarbe als auch Acrylbinder sorgen für elastische Grundierungen, auf denen Ölfarben sehr gut haften. 

Als Alternative für einen traditionellen Ölgrund kommt Heizkörperfarbe in Frage. Diese ist allerdings fettig, wodurch sich eine solche Grundierung wegen der Malregel fett auf mager nicht für alle Ölmaltechniken eignet. Herkömmliche Grundierfarbe aus dem Baumarkt, die beispielsweise für die Grundierung von Wänden verwendet wird, eignet sich zwar für die Grundierung von starren Malgründen wie Holzplatten, für Leinwände allerdings nicht.

 

Der Auftrag der Grundierung 

Grundsätzlich setzt sich eine Grundierung aus mehreren dünnen Schichten zusammen. Der erste Anstrich sollte dabei immer verdünnt erfolgen, denn dadurch kann sich die Grundierung besser im Malgrund verankern. Je nach Malgrund und verwendeter Grundierung folgen danach noch zwei bis vier weitere Grundierungsanstriche.  

Vor allem bei traditionellen Grundierungen bewirkt ein Auftrag mit dem Pinsel dabei eine leicht körnige Struktur. Ist eine glatte Oberfläche gewünscht, kann die aufgetragene Grundierung in noch feuchtem Zustand mit einem Malspachtel glatt abgezogen werden. Wichtig vor dem Grundieren ist aber, dass die Leinwand faltenfrei aufgezogen ist.  

Wird die Grundierung nämlich auf eine faltige Leinwand aufgebracht, wirkt die Grundierung wie eine Fixierung und die Falten können später nicht mehr entfernt werden. Insgesamt sollte beim Grundieren außerdem nur wenig Farbe auf einmal aufgetragen werden, um zu verhindern, dass die Farbe auch die Rückseite der Leinwand durchtränkt. Dies ist deshalb sinnvoll, weil die Stoffrückseite so flexibel bleibt und sich den wechselnden Raumbedingungen später besser anpassen kann. Der Auftrag der Grundierung erfolgt kreisförmig von der Bildmitte aus zu den Rändern hin. Die Grundierung bewirkt nämlich, dass sich die Leinwand zusammenzieht und spannt.  

Wird die Grundierung von außen nach innen aufgetragen, könnte dies dazu führen, dass sich die Leinwand verzieht. Nach der Grundierung sollten die Poren der Leinwand verschlossen sein. Um dies zu kontrollieren, kann die grundierte Leinwand gegen das Licht gehalten werden. Sind noch Lücken zu erkennen, muss nachgearbeitet werden. 

Mehr Anleitungen und Tipps zu Ölfarben und Ölbildern:

Thema: Basiswissen zur Grundierung für die Ölmalerei

2 Comments  to  Basiswissen zur Grundierung für die Ölmalerei

  1. Markus von Klopmann sagt:

    Hallo, sehr interessante Information. aber was heißt denn “Leim”? Irgendein Leim ? Holzleim?

  2. Emelie sagt:

    Hier ist natürlicher Leim tierischen Ursprungs gemeint: Knochenleim (z.B. aus Rinderknochen), Pergamentleim (z.B. aus Hasenhaut), Kölner Leim… Man kann ihn im Künstlerbedarfsladen in Tütchen abgefüllt kaufen oder auch im Internet.

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