Basiswissen: Öle in der Ölmalerei

Basiswissen: Öle in der Ölmalerei 

Ölfarben enthalten Öl und in der Ölmalerei wird mit Öl gearbeitet. Das ist soweit klar und ergibt sich allein schon aus dem Namen. Doch welche Öle werden verwendet? Und was macht diese Öle aus?

Dieser Beitrag vermittelt Basiswissen!

Öle in der Ölmalerei

Ein Öl ist eine wasserunlösliche Flüssigkeit. Grundsätzlich wird bei Ölen zwischen Mineralölen, ätherischen Ölen und fetten Ölen unterschieden. Die fetten Öle können dann noch einmal unterteilt werden, nämlich in trocknende, halbtrocknende und nichttrocknende Öle. Obwohl Öle generell einen ähnlichen Aufbau haben, sind für die Ölmalerei nicht alle Öle geeignet.

Damit ein Öl für Ölfarben genutzt werden kann, muss es die Fähigkeit haben, zu verharzen. Das ist dann der Fall, wenn das Öl reich an ungesättigten Verbindungen ist. Diese Verbindungen können sich weiter aufspalten und auf diese Weise den Sauerstoff aus der Luft aufnehmen und in die Struktur des Öls einbinden. Die veränderte Ölstruktur wiederum leitet das Verharzen ein. Dadurch wird die Farbschicht trocken und fest. Strenggenommen ist es also gar nicht ganz richtig, wenn von trocknenden Ölen gesprochen wird. Denn die trocknenden Öle und damit auch die Ölfarben trocknen nicht im eigentlichen Sinne. Stattdessen verharzen sie, weil sie Sauerstoff aus der Luft aufnehmen und dadurch ihre Struktur verändern.

Für die Ölmalerei sind unter anderem Leinöl, Mohnöl, Walnussöl, Hanföl, Sonnenblumenöl, Rizinusöl, Holzöl und Safloröl geeignet. Alle diese Öle haben gemeinsam, dass sie an der Luft verharzen und dadurch fest werden. In der Malerei finden Öle schon seit dem 13. Jahrhundert Verwendung. Die damaligen Künstler haben schnell entdeckt, dass sich mit Ölfarben farbintensive, satte und strahlend leuchtende Farbflächen mit viel Tiefe gestalten lassen. Die Prozesse, die die Ölfarben beim Trocknungsprozess durchlaufen, sind aber erst seit ein paar Jahrzehnten genauer erforscht.

 

Einflussfaktoren auf das Trocknen der Öle

Es gibt verschiedene Einflüsse, die sich darauf auswirken, wie schnell oder langsam die fetten, trocknenden Öle verharzen und fest werden. Die Temperatur und das Licht gehören zu diesen Faktoren. Je wärmer es ist, desto schneller trocknet die Ölfarbschicht. Das Licht, oder genauer gesagt die UV-Strahlen im Licht, beschleunigen die chemische Reaktion ebenfalls. Luftfeuchtigkeit hingegen kann den Trocknungsprozess beschleunigen oder verlangsamen.

Das hängt davon ab, wie die jeweilige Ölfarbe zusammengesetzt ist. Ein weiteres Kriterium ist die Dicke der Farbschichten. Während ein Ölbild, das in dünnen Lasurschichten gemalt ist, oft schon noch einigen Wochen trocken ist und mit einem schützenden Schlussfirnis versiegelt werden kann, kann der Trocknungsprozess bei einem Ölgemälde aus dicken, gespachtelten Farbschichten viele Monate dauern.

Daneben spielen die Farbpigmente in den Ölfarben eine Rolle. So unterstützen blei-, zink-, kobalt- und manganhaltige Farbpigmente die Aufspaltung der ungesättigten Verbindungen im Öl. Das Öl nimmt dadurch mehr Sauerstoff auf und verharzt entsprechend schneller. Im Unterschied dazu verzögern andere Pigmente wie beispielsweise Krapplack den Trocknungsprozess. Um hier entgegenzusteuern, mischen die Hersteller den Ölfarben verschiedene Zusätze bei.

Oft handelt es sich bei diesen Zusätzen um sogenannte Sikkative. Sikkative sind Trocknungsbeschleuniger. Durch die Zusätze erreichen die Hersteller, dass ihre Ölfarben aufeinander abgestimmt sind und trotz unterschiedlicher Pigmente die gleichen Trocknungszeiten haben.  

 

Die Malregel fett auf mager

Wenn Ölfarbe verharzt, also fest und trocken wird, nimmt sie Sauerstoff auf. Dadurch vergrößert sich ihr Volumen. Aus diesem Grund ist ratsam, die nächste Farbschicht erst dann aufzutragen, wenn die darunterliegende Farbschicht trocken ist. Die andere Möglichkeit besteht darin, den Ölgehalt der verschiedenen Farbschichten aufeinander abzustimmen. In diesem Zusammenhang kommt die Malregel fett auf mager ins Spiel.

Fett auf mager bedeutet, dass jeder weiteren Farbschicht etwas mehr Öl beigemischt wird. Andernfalls entstehen Risse, weil die darunterliegende Farbschicht beim Trocknen ihr Volumen vergrößert und dadurch die obere Farbschicht reißt. Schlimmstenfalls kann es sogar passieren, dass die oberste Farbschicht komplett abplatzt.

 

Leinöl in der Ölmalerei

Das klassische Öl in der Ölmalerei ist das Leinöl. Es wird verwendet, um Ölfarben anzureiben und den Ölgehalt von Ölfarben einzustellen. Auch bei vielen Malmitteln für die Ölmalerei bildet Leinöl die Basis. Leinöl wird aus reifen Flachsamen gepresst. Dies erfolgt im Kaltpressverfahren, also ohne Einwirkung von erhöhten Temperaturen. Durch hohe Temperaturen wäre zwar der Ertrag größer, allerdings würden die Eigenschaften, die für die Ölmalerei von Bedeutung sind, zerstört.

Flachssamen enthalten zwischen 30 und knapp 50 Prozent Öl. Um sie auszupressen, werden sie in eine Schneckenpresse gegeben. Beim Pressvorgang bleibt die Öltemperatur unter 40 Grad Celsius. Bevor das Öl zum Malen verwendet werden kann, müssen dann noch die Schwebstoffe entfernt werden. Traditionell erfolgt das, indem das Leinöl über einen längeren Zeitraum gelagert und dekantiert wird. Dadurch setzen sich die Schwebstoffe ab. 

Heiß gepresstes Leinöl wird aus getrockneten Leinsamen gewonnen. Sie werden gemahlen und mit heißem Wasser zu einer Art Teig vermischt. Dieser Teig wird erst geröstet und anschließend ausgepresst. Auf diese Weise lässt sich aus vier Kilo Leinsamen ein Liter Leinöl gewinnen. Allerdings enthält heißgepresstes Leinöl viele Schweb- und Schleimstoffe. Deshalb ist es für die Ölmalerei kaum geeignet.

Der Anteil an ungesättigten Verbindungen in Leinöl liegt bei etwa 90 Prozent. Kommt es mit Sauerstoff aus der Luft in Kontakt, spalten sich die ungesättigten Verbindungen weiter auf. Sie nehmen den Sauerstoff auf und binden ihn in die Struktur ein. Dadurch verharzt die Ölschicht. Auch hier haben aber die Temperatur, die UV-Strahlung, die Luftfeuchtigkeit, die enthaltenen Farbpigmente und die beigemischten Sikkative Einfluss darauf, wie schnell die Ölfarbe aushärtet.

Die Zündtemperatur von Leinöl liegt bei 300 Grad Celsius. Trotzdem kann es passieren, dass sich beispielsweise ein Lappen, der in Leinöl getränkt war, selbst entzündet. Der Grund hierfür ist, dass das Verharzen, also das Trocknen des Öls eine chemische Reaktion ist, bei der Wärme freigesetzt wird. Deshalb sollte ein leinölverschmutzter Lappen immer in einem luftdicht verschlossenen Behälter aufbewahrt werden. 

Neben dem Leinöl haben sich Mohn-, Walnuss- und Distelöl besonders in der Ölmalerei bewährt. Sie haben mit Blick auf das Malen ähnlich günstige Eigenschaften.

 

Nichttrocknende Öle

In der Ölmalerei werden nur Öle verwendet, die verharzen und damit eine feste, harte Ölfarbschicht bilden können. Diese Öle werden auch als trocknende Öle bezeichnet und gehören in die Gruppe der fetten Öle. Nichttrocknende Öle hingegen können nicht verwendet werden, denn die Farbschicht würde mehr oder weniger flüssig bleiben. Trotzdem kann der Maler nichttrocknende Öle wie beispielsweise Erdnussöl nutzen, und zwar um seine Pinsel zwischendurch damit auszuwaschen. Dazu werden zuerst die groben Farbreste abgestreift.

Anschließend wird der Pinsel mit einem nichttrocknenden Öl ausgewaschen, bis die Farbe vollständig entfernt ist. Nachdem der Pinsel mit einem Lappen trockengerieben wurde, kann er weiterverwendet werden. Ganz zum Schluss, wenn der Malvorgang beendet ist, sollte der Pinsel dann wie gewohnt mit Pinselreiniger oder Seife und Wasser gereinigt werden. Das Auswaschen mit einem Öl ist deshalb vorteilhaft, weil es für die Haare oder Borsten schonender ist.

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