Acrylfarben wie Ölfarben vermalen

Acrylfarben wie Ölfarben vermalen

 

Durch Acrylfarben haben Ölfarben Konkurrenz bekommen. Die Farbwirkung ist nämlich durchaus miteinander vergleichbar, doch die Handhabung von Acrylfarben ist wesentlich einfacher. So können mit Acrylfarben praktisch alle Maltechniken der Ölmalerei umgesetzt werden, selbst bei sehr dicken Schichten sind keine Risse zu befürchten und Acrylfarben stellen kaum Ansprüche an den Malgrund, der grundsätzlich noch nicht einmal grundiert sein muss.

Trotzdem gibt es natürlich ein paar Unterschiede und diese Unterschiede sind es auch, die dazu führen, dass einige Künstler und Hobby-Maler eben doch Ölfarben bevorzugen. Andererseits lassen sich die entscheidenden Unterschiede mit Hilfsmitteln und ein paar Tricks weitgehend aufheben. Dadurch wiederum lassen sich Acrylfarben wie Ölfarben vermalen.

 

Die Trocknungszeit

Einer der größten Unterschiede zwischen Öl- und Acrylfarben besteht darin, dass Ölfarben sehr langsam trocknen, während die Trocknungszeit von Acrylfarben sehr kurz ist. Dadurch bleibt dem Künstler, der mit Acrylfarben malt, deutlich weniger Zeit und auch Farbverläufe lassen sich schwerer gestalten.

Da die lange Trocknungszeit von Ölfarben einerseits ein Vorteil ist, sich andererseits aber auch nachteilig auswirken kann, greifen einige Künstler auf ein Sikkativ zurück. Ein Sikkativ ist ein Malmittel, das Ölfarben schneller trocknen lässt. Das Gegenstück hierzu bildet in der Acrylmalerei der Trocknungsverzögerer.

Im Künstlerbedarf auch als Acrylverzögerer oder Retarder angeboten, sorgt dieses Malmittel dafür, dass die Acrylfarben um etwa 20 bis 50 Prozent langsamer trocknen. Um diesen Effekt zu erzielen, wird die Acrylfarbe vor dem Auftrag mit dem Trocknungsverzögerer vermischt. Das Mischungsverhältnis ist auf der Verpackung angegeben, wobei das Verhalten der Farbe gesteuert werden kann, wenn die Menge entsprechend variiert wird. Trocknungsverzögerer setzen sich aus Alkoholen, Feuchthaltemitteln und Additiven zusammen.

Da die Zusammensetzung Glycerin ähnelt, arbeiten einige Künstler stattdessen auch mit reinem Glycerin, das in der Apotheke erhältlich ist. Alle Hersteller von Acrylfarben haben auch Trocknungsverzögerer in ihrem Sortiment, wobei die Farben eines Herstellers grundsätzlich auch mit dem Trocknungsverzögerer eines anderen Herstellers vermischt werden können. 

Wie schnell Acrylfarben trocknen, hängt vom Malgrund, der Dicke der Farbschicht, der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Deshalb ist es nicht immer unbedingt notwendig, einen Trocknungsverzögerer zu verwenden.

Stattdessen kann sich der Künstler auch mit folgenden Tricks behelfen:

·         Je kühler der Raum und je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto langsamer trocknen die Acrylfarben. In einem stark aufgeheiztem Raum mit trockener Luft sind die Farben schon nach wenigen Minuten trocken. Werden die Acrylfarben hingegen in einem Raum verarbeitet, in dem die Luftfeuchtigkeit bei über 70 Prozent liegt und die Temperatur etwa 15 Grad beträgt, verlängert sich die Trocknungszeit schon auf etwa zwei bis fünf Stunden.

In einem nur fünf Grad kalten Raum brauchen die Acrylfarben sogar mehrere Tage, bis sie trocken sind. Möchte der Künstler Acrylfarben wie Ölfarben vermalen, sollte er also in einem kühlen und eher feuchten Raum arbeiten.

 

·         Die Trocknungszeit lässt sich verlängern, indem der Malgrund befeuchtet wird. Dazu wird mit einem Pinsel vor dem Farbauftrag wenig Wasser auf den Malgrund aufgetragen. Wird auf einem solchen, sehr dünnen feuchten Film gemalt, verlängert sich die Trocknungszeit um bis zu eine halbe Stunde.

Während des Malens kann der Künstler außerdem die noch feuchte Acrylfarbe immer wieder mit Wasser besprühen, um so die Trocknungszeit noch weiter hinauszuzögern. Wichtig ist aber, das Wasser nur sparsam aufzusprühen, damit die Farben nicht verlaufen.

 

Farbverläufe

In der Ölmalerei ist es problemlos möglich, Farben ineinander verlaufen zu lassen und sanfte Farbübergänge zu gestalten. In der Acrylmalerei hingegen ist es wegen der sehr kurzen Trocknungszeit recht schwierig, Farbverläufe anzulegen. Mit Wasser als Hilfsmittel ist es jedoch trotzdem möglich.

Am besten gelingen dabei Farbverläufe ins Transparente, wobei diese Technik auch Verwaschen oder Lavieren genannt wird. Hierfür wird der Malgrund zunächst leicht mit Wasser befeuchtet, dann wird die Farbe aufgetragen. Abschließend wird der Pinsel in Wasser getaucht, leicht abgetrocknet und mit wenig Druck flach über den Rand der Farbfläche gezogen. Nach ein bis zwei Wiederholungen wird der Pinsel wieder in Wasser getaucht und über den neu entstandenen, blasseren Farbrand gezogen.

Nach dem gleichen Prinzip wird noch weitergemalt, bis die Farbfläche fast transparent ausläuft. Zum Schluss wird mit einem großen, flachen Pinsel im rechten Winkel zur bisherigen Malrichtung über die Farbfläche gerieben, um die noch sichtbaren Pinselstriche zu einem gleichmäßigen Farbverlauf zu verbinden.

Die Acrylfarbe muss hierbei aber noch feucht sein. Um zu verhindern, dass sie zwischendurch antrocknet und Flecken entstehen, kann die gesamte Fläche mit sauberem Wasser besprüht werden. Farbverläufe mit zwei oder mehr Farben lassen sich nach dem gleichen Schema gestalten, erfordern allerdings tatsächlich ein wenig Übung.

 

Farbglanz und Struktur

Einige Künstler kritisieren, dass Acrylfarben zwar ähnlich wirken wie Ölfarben, in Sachen Farbglanz und Leuchtkraft aber trotzdem nicht mithalten können. Wichtig bei Acrylfarben ist zunächst einmal, auf eine gute Qualität zu achten. Hier spielt vor allem die Lichtechtheit der Farbpigmente eine Rolle, denn je höher die Lichtechtheit ist, desto intensiver leuchten die Farben und desto länger bleibt die Leuchtkraft der Farbpigmente erhalten.

Um die Leuchtkraft von Acrylfarben zusätzlich zu erhöhen, ist es möglich, einen Schlussfirnis und eventuell zwischendurch auch einen oder mehrere Zwischenfirnisse aufzubringen. Die Acrylfarben leuchten dadurch intensiver, die Oberfläche erhält einen gleichmäßigen Glanz und das Bild ist zusätzlich vor Staub, Schmutz und Vergilbung geschützt. Durch einen hohen Glanzgrad können aber auch unschöne Spiegelungen und störende Glanzlichter entstehen. Deshalb ist es ratsam, auf Firnisse mit mittlerem Glanzgrad zurückzugreifen. 

Ein weiterer Unterschied zwischen Öl- und Acrylfarben, der zugleich oft auch ein Kritikpunkt ist, besteht darin, dass bei Acrylfarben prinzipiell keine sichtbaren Strukturen zurückbleiben. Dies liegt daran, dass sich bei Acrylfarben das Farbvolumen verringert, wenn sie trocknen. Bei Ölfarben hingegen vergrößert sich das Farbvolumen und dadurch decken sie nicht nur gut, sondern auch die Pinselstriche bleiben sichtbar.

Um diesen Effekt auch mit Acrylfarben zu erzielen, kann den Farben eine Strukturpaste oder ein Strukturgel beigemischt werden. Die Optik ist zwar nicht identisch, kommt dem charakteristischen Aussehen von Ölfarben aber doch recht nahe.

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