6 Basistipps zum richtigen Umgang mit Ölfarben

6 Basistipps zum richtigen Umgang mit Ölfarben 

Vermutlich jeder stand irgendwann einmal schon staunend vor einem Ölgemälde. Die satten, leuchtenden Farben und die sichtbaren Strukturen, die vom Farbauftrag erzählen, laden regelrecht dazu ein, genauer hinzusehen und immer wieder neue Details zu entdecken.

Ölfarben sind die klassischen Malmittel der großen Meister und erfreuen sich auch unter Hobby-Künstlern großer Beliebtheit. Allerdings sind Ölfarben etwas anspruchsvoller als andere Farben. Nicht umsonst gilt die Ölmalerei als die Königsdisziplin der Malerei. Ganz so kompliziert ist es aber auch wieder nicht. Zudem muss der Künstler seine Malmittel immer kennenlernen und Erfahrungen sammeln, unabhängig davon, womit er malt.

Und damit es noch etwas einfacher wird,
sind hier sechs Basistipps zum richtigen Umgang mit Ölfarben:

 

Tipp 1: Ölfarben mischen

Ölfarben können miteinander gemischt werden, wenn besondere Farbtöne entstehen sollen. Das Mischen kann direkt auf der Leinwand erfolgen, entweder indem die Farben in nassem Zustand aufgetragen und ineinandergezogen oder indem mehrere Lasuren übereinandergelegt werden.

Beides erfordert aber ein wenig Erfahrung. Und wenn der Künstler die Farben direkt auf der Leinwand miteinander vermischt, wird es ihm nicht immer gelingen, exakt den gleichen Farbton ein zweites Mal hinzubekommen. Gerade am Anfang ist es daher besser, die Farben auf der Palette anzumischen und sich gleichzeitig eine sogenannte Farbkarte anzulegen.

Für die Farbkarte nimmt der Künstler einen Malkarton oder ein Blatt Papier und zeichnet darauf mehrere kleine Kästchen auf. Wenn er nun einen Farbton angemischt hat, malt er damit ein Kästchen aus. Neben dem Kästchen notiert er sich, welche Ölfarben er in welcher Menge und in welcher Reihenfolge miteinander vermischt hat. Auf diese Weise kann er den jeweiligen Farbton jederzeit erneut anmischen. 

 

Tipp 2: Ölfarben verdünnen

Sollen die Ölfarben eine dünnflüssigere Konsistenz bekommen, können sie verdünnt werden. Klassischerweise erfolgt das durch die Zugabe von Terpentin. Daneben können den Farben auch andere Öle beigemischt werden. Allerdings muss der Künstler bei der Zugabe von Öl zwei Dinge beachten.

Zum einen sorgen Öle pflanzlicher Herkunft dafür, dass die Ölfarben noch länger brauchen, bis sie trocken sind. Zum anderen kommt die Malregel „fett auf mager“ zum Tragen. Die unteren Malschichten müssen also weniger Öl enthalten, während die oberen Malschichten zunehmend ölhaltiger und damit fetter sein dürfen. Wird die Malregel nicht eingehalten, kann es passieren, dass sich Risse bilden.

Möchte der Künstler Lasuren anlegen, sollte er seine Ölfarben mit speziellen Lasurmedien verdünnen. Sie sorgen dafür, dass die Leuchtkraft und der Glanz der Ölfarben erhalten bleiben.

 

Tipp 3: Ölfarben eindicken

Direkt aus der Tube haben Ölfarben eine Konsistenz, die weicher Butter ähnelt. Möchte der Künstler dicke Farbschichten auftragen, kann er seine Ölfarben eindicken. Hierfür wird üblicherweise die sogenannte Malbutter verwendet. Malbutter ist ein Malmittel auf Basis von Harzen. Fügt der Künstler seinen Ölfarben ein Sikkativ bei, kann er den Trocknungsprozess beschleunigen.

Die Konsistenz lässt sich außerdem verändern, indem der Künstler Quarzsand in die Ölfarben mischt. Durch den Quarzsand werden die Ölfarben zum einen etwas dicker und zum anderen entsteht durch den Quarzsand eine interessante Oberflächenstruktur, die der Künstler mit dem Malmesser auch gezielt modellieren kann.

 

Tipp 4: Ölfarben entfernen

Hat sich der Künstler vermalt, kann er die Ölfarbe ganz einfach wieder von der Leinwand abnehmen oder abwischen. Dies ist solange möglich, wie die Ölfarbe noch feucht ist. Da Ölfarben aber sehr langsam trocknen, bleibt dafür genug Zeit. Bei einigen Farbpigmenten kann es zwar passieren, dass leichte, blasse Verfärbungen auf der Leinwand zurückbleiben. Doch wenn die Stellen übermalt werden, verschwinden die Spuren unter der neuen Farbschicht.

Vom Pinsel und aus der Kleidung wird Ölfarbe am besten gleich mit etwas Terpentin entfernt. Sind die groben Farbreste beseitigt, sollte der Pinsel oder das Kleidungsstück in einer milden Seifenlauge gründlich ausgewaschen werden.

 

Tipp 5: Ölfarben überstreichen

Eine Ölschicht, die vollständig durchgetrocknet ist, kann mit anderen, gut deckenden Farben übermalt werden. Voraussetzung ist aber, dass es sich um ölbasierte Farben handelt. Eine Farbe auf Wasserbasis würde auf der Ölfarbe nicht haften.

Andersherum können Ölfarben aber auch auf wasserbasierte Farben aufgetragen werden. So werden beispielsweise gerne Acryl- und Ölfarben miteinander kombiniert. Dabei wird die Untermalung mit Acrylfarben angelegt, weil Acrylfarben wesentlich schneller trocknen als Ölfarben. Die oberen, sichtbaren Farbschichten werden dann mit Ölfarben gemalt. Die Kombination funktioniert aber tatsächlich nur in der Reihenfolge Öl auf Acryl. Auf eine Untermalung aus Ölfarben können keine Farbschichten aus Acrylfarben gelegt werden. 

 

Tipp 6: Ölfarben trocknen

Ölfarben trocknen sehr langsam. Dies ist einerseits ein Vorteil, weil der Künstler so viel Zeit hat, um sanfte Farbverläufe, ausdrucksstarke Farbübergänge, verschiedene Mischtöne oder auch Korrekturen umzusetzen. Andererseits führt die lange Trocknungszeit regelmäßig zu unumgänglichen Malpausen. Und auch wenn ein Ölbild fertig ist, kann es Wochen, teils sogar Monate dauern, bis das Gemälde mit einem Firnis überzogen und aufgehängt werden kann.

Zum Trocknen sollte ein Ölbild an einem mäßig warmen Ort, ohne direkte Sonneneinstrahlung und gut geschützt vor Staub deponiert werden.

Mit einem kleinen Trick lässt sich die Trocknung ein wenig beschleunigen. Dafür legt der Künstler vorsichtig und sehr locker Zeitungspapier auf sein feuchtes Ölbild. Das Zeitungspapier saugt das überschüssige Öl aus den Farben auf. Allerdings geht dabei auch etwas Glanz verloren. Um den Glanz wiederherzustellen, sollte der Künstler deshalb für die abschließende Schutzschicht einen Firnis mit einem höheren Glanzgrad wählen.

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